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    Würzburg

    Solar-Fischerlampen für Mwanza

    Theorie und Praxis (von links): Zwei Studenten der Elektrotechnik mit Professor Dr. Gunter Bohn, Johannes Taub, Andreas Linke und Hartwig Höppel testen die Solarlampe. Foto: FHWS / Klein

    Ein Team um Professor Dr. Gunther Bohn von der Fakultät Elektrotechnik der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) entwickelte eine Solarlampe für die Fischer in der Würzburger Partnerstadt Mwanza. Um die Fischer zu schulen, reisen laut FHWS-Pressemitteilung ein Student und ein Techniker ins afrikanische Tansania. 

    Licht übt nachts eine starke Lockwirkung auf viele Fischarten aus. Diesen Effekt machen sich Fischer auf dem Viktoriasee in Tansania zunutze. Sie setzen zum Fischfang Lampen mit Kerosin ein. Dies hat mehrere Nachteile: Die Kosten sind hoch, die offene Flamme stellt eine Verbrennungs- und Explosionsgefahr dar. Zudem erlischt oft der Docht, sodass die Fischer sich im Dunklen nicht mehr orientieren können und auf dem oft stürmischen, riesigen See ertrinken. Laut Angaben des „World Disaster Reports 2014“ der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (www.ifrc.org) gibt es pro Jahr rund 3000 bis 5000 Tote.

    Die Stadt Würzburg, die mit Mwanza in Tansania eine über 50-jährige Städtepartnerschaft verbindet (https://www.mwanza.de/index.php/de/), stellte daraufhin beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Förderantrag. Ziel war die Entwicklung einer alternativen und in Tansania herstellbaren Solarlampe zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt.

    Professor Dr. Gunther Bohn formulierte daraufhin die Entwicklungsziele:

    ·  Der Preis sollte eine Kostenersparnis für die Fischer darstellen und deutlicher günstiger als eine Omnivoltaic-Fischerlampe sein, der bei 140 Euro liegt. Das Durchschnittseinkommen Tansanias beläuft sich nach Angaben der Weltbank auf monatlich 45 US-Dollar.

    · Auch das Gewicht sollte möglichst klein ausfallen.

    · Zudem sollte sie direkt vor Ort in Mwanza hergestellt und repariert werden können.

    · Dararüber hinaus sollte sie zum Wirtschaftswachstum in Tansania beitragen können.

    Zu Bohns Entwicklungsteam gehören die Elektrotechnik-Ingenieure Johannes Taub, Andreas Linke sowie der Bauingenieur-Student Maximilian Braun. Zudem bringt der pensionierte Techniker Hartwig Höppel sein Knowhow mit ein sowie vom Büro für internationale Angelegenheiten der Stadt Würzburg Michal Kopriva, Dr. Bernd Schmitt und Sabine Herrmann.

    Testlauf: Die am Hochschulstandort in Schweinfurt entwickelte Solarlampe schwimmt im Wasser. Foto: FHWS / Klein

    Die nächsten Schritte des Forschungsprojektes

    Gemeinsam entwickelte das Team die Solarlampe: In einer sogenannten „through-hole-Bauart“, einer Durchsteck-Montage mit einem Körper aus Kunststoffrohren, die auch in Mwanza verfügbar sind, ist die Lampe nun schwimmfähig. Da vor Ort keine Stromprüfgeräte verfügbar sind, zeigt ein Blinken der LED an, wenn die Batterie komplett geladen ist. Eine Entladeelektronik zeigt ebenso an, wenn die Batterieleistung sinkt und demnächst leer sein wird. Den Gesamtpreis für die Lampe sowie die Elektronik, die vermutlich zwei bis drei Jahre täglich eingesetzt werden kann, konnte auf 60 bis 80 Euro gesenkt werden, heißt es in der Mitteilung.

    Am 19. Februar reisen Hartwig Höppel (im Auftrag der Stadt Würzburg) sowie der Student Maximilian Braun (im Auftrag der FHWS) nach Mwanza, Tansania. Dort werden sie ortsansässige Fischer schulen im Umgang und in der Anwendung der Solar-Lampen als Hilfe zur Selbsthilfe-Maßnahme.

    Leider wurde der Förderantrag der Stadt Würzburg beim Bundesministerium abgelehnt. Um das Projekt von der Entwicklung bis zur Fertigstellung des Prototypen zu unterstützen, haben deshalb die Stadt Würzburg und die FHWS die Finanzierung in der Höhe von rund 10 000 Euro übernommen.

    Als Kooperation mit der „TAREA“ (Tansania Renewable Energy Assciation (https://www.tarea-tz.org)), der Stadt Mwanza und der Stadt Würzburg (Büro International) wird die FHWS zusammen mit der St. Augustine University Mwanza (https://saut.ac.tz) einen neuen Forschungsantrag stellen.

    Johannes Taub (li.) und Hartwig Höppel, der im Februar nach Mwanza reisen wird, diskutierten über die Elektronik. Foto: FHWS / Klein

    Professor Dr. Bohn zeigte sich mit dem aktuellen Stand des Projektes sehr zufrieden: Mit dem Einsatz von Sonne statt Kerosin, einer CO2-neutralen Bilanz, einer kostengünstigen Solarlampe, die für einen langlebigen Einsatz sorgt, kann der Prototyp nun erfolgreich vor Ort eingesetzt werden. Auch die Studenten konnten neben der Theorie vor allem sehr anwendungsorientiert arbeiten in einem gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Kontext.

    Einen Filmbeitrag gibt es zu sehen unter https://www.mwanza.de/index.php/de/ueber-den-mwanza-ev/was-wir-tun/104-aktuelles-2018/394-solarlampenprojekt-fuer-die-fischer-am-viktoriasee

    Bearbeitet von Andreas Köster

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