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    Sommerhausen

    Sommerhausen spielt die Reformation

    Für den Ablassprediger Johann Tetzel, beim Reformationsspiel 2017 dargestellt von Oliver Trahndorff, ist Sommerhausen ein heißes Pflaster. Foto: ANGIE WOLF

    An die 160 Konfirmanden aus dem evangelisch-lutherischen Dekanat Würzburg werden am 12. Oktober in Sommerhausen erwartet. Dort wiederholt sich ein Spektakel, das 2017 zum ersten Mal in der Maintalgemeinde stattfand: ein Reformationsspiel, das Konfirmanden, Einwohner und Besucher in die Zeit Martin Luthers zurückversetzt. Der ganze Altort wird mit einbezogen, wenn die jungen Christen in den Straßen und Anwesen des Dorfes die vorgegebenen Aufgaben zu lösen versuchen.

    "2017 ist das sehr gut gelaufen", sagt Dekanatsjugendreferent Frank Grohmann. 2017 - das war der Beginn des Lutherjahres, mit dem die evangelischen Christen den 500. Jahrestag der Reformation feierten. Damals war die Sommerhäuserin Beate Betschler gemeinsam mit Grohmanns Kollegen Matthias Scheller auf die Suche nach einem ganz besonderen Schmankerl für den Konfirmandentag gegangen und auf das Reformationsspiel gestoßen, das zuvor schon in Mainbernheim organisiert worden war.

    Die Organisation war aufwändig

    Das Ganze auch in Sommerhausen auf die Beine zu stellen, war vor zwei Jahren ein gewaltiger Aufwand für die beiden gewesen. Schauplätze für die einzelnen Stationen mussten gefunden, um die 100 Darsteller rekrutiert und mittelalterliche Kostüme für sie aufgetrieben werden. Auch Dank der wohlwollenden Unterstützung der politischen Gemeinde und vieler Sommerhäuser gelang der Kraftakt, das Reformationsspiel wurde ein voller Erfolg.

    Der Altort von Sommerhausen bildet die Kulisse für das Reformationsspiel (Archivfoto von 2017). Foto: ANGIE WOLF

    Warum also die Erfahrungen und Kontakte nicht weiter nutzen, fragten sich die Verantwortlichen bei der Evangelischen Jugend Würzburg. Zumal 2017 aus Kapazitätsgründen nicht alle Kirchengemeinden am Reformationsspiel teilnehmen konnten, nämlich gerade mal ein rundes Dutzend von insgesamt etwa 30 im Dekanat. Deshalb gibt es nun am Wochenende die zweite Auflage, wieder in Sommerhausen. "Das jedes Jahr zu machen, wäre doch zu aufwändig", erklärt Frank  Grohmann. Alle zwei Jahre kann sich der Dekanatsjugendreferent die Veranstaltung aber schon vorstellen.

    "Ich klage nicht über die, die fehlen, sondern ich freue mich über die, die da sind."
    Frank Grohmann, Dekanatsjugendreferent

    Als Beate Betschler und Matthias Scheller vor einigen Monaten mit den Vorbereitungen begannen, seien sie noch von mehr als 200 Konfirmanden ausgegangen, sagt Grohmann. Diese Zahl hat sich nun auf etwa 160 reduziert. Woran das liegt? Nicht alle evangelischen Jugendlichen wollen auch tatsächlich zur Konformation gehen.  Aber nur die, die sich zum Konfirmandenunterricht anmelden, können mit nach Sommerhausen fahren. Glücklich ist Frank Grohmann über diese Entwicklung nicht. Doch er versucht, die Sache positiv zu sehen: "Ich klage nicht über die, die fehlen, sondern ich freue mich über die, die da sind", sagt er.

    Und die, die da sind, bekommen so einiges geboten. In mehreren Gruppen ziehen sie los, um sich mit drei Themenblöcken auseinander zu setzen: Wie kann die bisher nur auf Latein vorliegende Bibel für alle verständlich unters Volk gebracht werden, lautet die erste Aufgabe. Die zweite: eigene Thesen formulieren, die auf der Erkenntnis beruhen, dass Gott gnädig ist und nicht unentwegt besänftigt oder gar bestochen werden muss. Der letzte Themenbereich befasst sich mit der "Freiheit eines Christenmenschen" und dem daraus resultierenden Konflikt zwischen Klerus, Adel und dem einfachen Volk.

    Mit Johann Tetzels Rede beginnt das Spiel

    Mit der Freiheit ist es allerdings für die Konfirmanden nicht allzu weit her. Wer aufmüpfig auf seine Rechte pocht und dabei an der althergebrachten Ordnung rüttelt, der muss sich nicht wundern, wenn er von den Bütteln des Ablasspredigers Johann Tetzel aufgegriffen und in den Kerker geworfen wird. Mit einem Auftritt des wortgewandten Dominikanermönches beginnt am Samstag um 10 Uhr vor der Bartholomäuskirche das Reformationsspiel, nachdem sich die Darsteller zuvor eingekleidet haben. Die Kostüme werden, wie schon 2017, vom Stadttheater Würzburg und dem Team der Giebelstadter Geyer-Festspiele zur Verfügung gestellt.

    Zur authentischen Atmosphäre tragen vor allem die rund 70 Darsteller in ihren Kostümen bei: ein fliegender Händler, Bürger, Pilger, Nonnen und Stadträte, die Kräuterfrau und natürlich der Kerkermeister. Für die Rolle des Bürgermeisters konnte der Original-Inhaber des Postens gewonnen werden: Fritz Steinmann spielt ganz einfach sein Pendant aus der Luther-Zeit.

    Mittelalterliches Treiben im Ortskern

    Wer Zeit, Lust und ein entsprechend altertümliches Gewand hat, könne auch einfach so vorbei kommen und durch die Straßen und Gassen Sommerhausens wandeln, richtet Frank Grohmann seine Einladung an alle. Aktiv mitspielen dürfen allerdings nur die Darsteller und die Konfirmanden. Zu sehen und zu hören gibt es aber für jedes etwas, seien es Einwohner oder Gäste. Mittelalterliche Musik wird erklingen,  eine Schreibstube, eine Schmiede und eine Druckwerkstatt sind in Betrieb.

    Die Gemeinde stehe voll hinter der Veranstaltung, sagt Bürgermeister Fritz Steinmann. So werde dafür gesorgt, dass der Altort am Samstag für den Fahrzeugverkehr gesperrt wird. Das Rathaus wird einige Stationen beherbergen, zum Beispiel die Schenke. Und das eine oder andere Gemeinderatsmitglied wirkt im historischen Kostüm an der Inszenierung mit.

    Das Reformationsspiel beginnt am Samstag, 12. Oktober, um 10 Uhr vor der Bartholomäuskirche in Sommerhausen. Bis 16 Uhr herrscht im ganzen Altort mittelalterliches Treiben.

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