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    Margetshöchheim

    Sonnenbrand im Weinberg: Viele Trauben in der Hitze verdorrt

    Verbrannt: statt frischer Trauben hängen in vielen Weinbergen schrumpelige, lila-braune Köttel am Stock. In manchen Lagen beklagen die fränkischen Winzer bis zu 80 Prozent Verlust. Foto: Tina Göpfert

    In den fränkischen Weinbergen sieht man sie derzeit überall: schrumpelige, lila-bräunlich verfärbte Köttel, die statt praller Trauben an den Weinstöcken hängen. Es sind die Folgen der intensiven Sonneneinstrahlung und der Hitzetage Ende Juli. Die Trauben haben einen regelrechten Sonnenbrand bekommen, sind eingeschrumpelt und verdorrt.

    Im Fachjargon spreche man von "Sonnenbrandschäden", erklärt Dr. Daniel Heßdörfer von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Heßdörfer schätzt, dass im ganzen fränkischen Anbaugebiet zwischen 20 und bis zu 70 Prozent aller Weintrauben geschädigt sind - je nach Lage und Rebsorte. Der Ausfall, so der Weinbau-Experte, dürfte heuer groß sein.

    Neu: Alle Rebsorten sind betroffen 

    Auch Winzerin Ilonka Scheuring aus Margetshöchheim beklagt ein "extremes Ausmaß" an Sonnenbrandschäden. Es habe in heißen Jahren immer mal wieder Sonnenbrand im Weinberg gegeben, sagt die Winzerin von der Jungwinzer-Gruppe "Ethos". Doch dass es in diesem Jahr quasi alle Rebsorten erwischt habe sei in diesen Dimensionen neu. Scheuring schätzt, dass in ihren Weinbergen rund 40 Prozent der Trauben hinüber sind. Max Jantke von der Winzergenossenschaft Divino Nordheim Thüngersheim berichtet von einzelnen Lagen, in denen bis zu 80 Prozent der Weintrauben von der Sonne verbrannt wurden. Auch er sieht im Ausmaß der Schäden ein Novum: "Sonst hatten wir mal bis zu 15 Prozent Schäden. Mit dem Ausmaß jetzt hat keiner gerechnet", sagt Jantke.

    Das bestätigt Cornelius Lauter, Geschäftsführer der Winzergemeinschaft Franken (GWF) in Kitzingen, in der über 2000 Winzer organisiert sind. Aus dem ganzen Anbaugebiet würden Schäden an die GWF gemeldet. Sonnenbrandschäden trafen demnach besonders jene Rebsorten, die durch den Klimawandel ohnehin zu den "Sorgenkindern" der fränkischen Winzer gehören, weil sie Hitze generell schlechter verkraften: vor allem frühe und dünnhäutige Rebsorten wie Bacchus oder Müller-Thurgau, die der intensiven Sonneneinstrahlung schlechter standhalten können.

    Verbrannt, vertrocknet, verdorrt: Wärmeempfindliche Sorten sind besonders betroffen. Foto: Tina Göpfert

    Die zwei Sorten machen rund ein Drittel der fränkischen Weinberge aus. Bezogen auf das gesamte Anbaugebiet vermutet Lauter derzeit beim Bacchus Ausfälle von zehn bis 30 Prozent. Da das Ausmaß der Schäden aber auch vom Mikroklima im Weinberg, der Lage und den Anbaumaßnahmen des Winzers abhänge, könne der Ausfall teilweise erheblich höher sein.

    Was der Winzer tun kann 

    Zu den Faktoren, die die Winzer selbst beeinflussen können, zählt zum Beispiel das sogenannte Entlauben. Gerade bei dünnhäutigen Rebsorten werde empfohlen, sie schon frühzeitig im Juni nach der Blüte zu entlauben, sagt der GWF-Geschäftsführer. Dann könnten sich die Trauben allmählich an die Sonneneinstrahlung gewöhnen und anpassen, die Beerenhaut könne verdicken. Vor Hitzeperioden solle allerdings nicht mehr entlaubt werden, so Lauter. Gerade in den entlaubten Lagen sehe es deshalb jetzt besonders schlecht aus, dort seien teils bis zu 80 Prozent der Trauben geschädigt.

    "Dieses Jahr haben wir im Wein wie im Wald Trockenschäden und Hitzestress", fass es LWG-Fachmann Daniel Heßdörfer zusammen. An der Landesanstalt wird bereits seit Anfang der 2000er Jahre zu Klimawandel und Weinbau geforscht. Unter anderem erprobt die LWG Rebsorten, die sonst eigentlich in der Toskana wachsen. "Wir müssen vielleicht auch die früher guten Lagen überdenken", sagt Heßdörfer angesichts der Wetterextreme. Denn eine gute Lage bedeute vor allem: pralle Sonne.

    Was heißt das für das Weinjahr 2019?

    Ein gutes Weinjahr könne es aber trotz allem noch werden: Wird es jetzt nicht zu feucht und nicht mehr so heiß, könne der Rebstock all seine Energie und seine Nährstoffe in die verbliebenen Trauben stecken, sagt Heßdörfer. Ergebnis wäre am Ende ein kleineres, dafür aber sehr gutes Tröpfchen.

     

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