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    SOMMERHAUSEN

    Sorge um Mainfrankens Bienen

    Die heimische Honigbiene, aber auch alle Wildbienen, sind in Gefahr. Das Bienensterben schreitet voran. Seuchen, Krankheiten, Pestizide setzen den Nutztieren zu. Deswegen muss man Bienen schützen. Zu einem Imkerempfang unter dem Motto „Mainfranken summt“ hatte deshalb die bayerische SPD-Landtagsfraktion nach Sommerhausen in den Bürgersaal des Rathauses eingeladen.

    Zahlreiche Vertreter von Imker- und Obst- und Gartenbauvereinen waren gekommen. „Die Sorge um die Bienen treibt uns gemeinsam um“, sagte SPD-Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib. Umso mehr, weil die Biene als das drittwichtigste Haustier in der Landwirtschaft (nach Rind und Schwein) gilt, wie Landtagskollegin und bienenpolitische Sprecherin der SPD, Ruth Müller, erläuterte.

    Bienen finden oftmals in Städten mehr Nahrung

    Zwar sei das Imkern an sich wieder sehr populär und auch in der Bevölkerung wertgeschätzt. Doch alle positiven Berichte dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der Imkerei um einen der sensibelsten landwirtschaftlichen Bereiche handelt, der nahezu seismographisch auf Umwelt- und Klimaeinflüsse reagiert, sagte sie.

    Und der ist angewiesen auf ein Nahrungsangebot zu rechten Zeit. Studien zeigten, dass die Bienen in Städten und auf Friedhöfen oft mehr Nahrung finden als auf dem Land. Denn die Veränderung der landwirtschaftlichen Strukturen von kleinen zu großen Flächen machten den Imkern und den Bienen zu schaffen.

    Bienen als Wirtschaftsfaktor

    Gleichwohl leisten die Bienen einen wertvollen Beitrag für die Natur: Rund 80 Prozent der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen werden von Honigbienen, Wildbienen und Hummeln betätigt. Allein die Honigbienen erarbeiten durch ihre Bestäubung jährlich einen wirtschaftlichen Nutzen von vier Milliarden Euro, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium errechnet.

    Aber Bienen seien nicht nur als Wirtschaftsfaktor zu sehen, sondern tragen auch in hohem Maße zur Ökologie und vor allem zur Biodiversität bei. Dafür müssten aber die Voraussetzungen stimmen, die eine verantwortungsvolle Politik schaffen könne. Die SPD habe deshalb immer wieder Anträge zu brennenden Themen an den bayerischen Landtag gestellt, zum Beispiel das Anwendungsverbot von Glyphosat, das allerdings abgelehnt wurde.

    Erfolgreich war ein Dringlichkeitsantrag zur einschränkenden Anwendung von Neonicotinoiden, die seit Mitte der 1990er Jahre als Spritz- und Beizmittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Einstimmig wurde er am 31. Januar 2018 im Landwirtschaftsausschuss verabschiedet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird nun den Einsatz von Neonicotinoiden außerhalb von Gewächshäusern verbieten.

    Nervengifte schwächen die Bienen

    Neonics sind Nervengifte, die das Immunsystem der Bienen schwächen, die Orientierungsfähigkeit stören und die Entwicklung der Larven behindern, haben Studien gezeigt. Aber nicht nur Honigbienen sind von den Auswirkungen betroffen, sondern auch alle Wildbienen, Hummeln, Käfer, Ameisen, Schmetterlinge und insektenfressende Vögel.

    Eines machte Müller aber auch klar: „Nicht nur Landwirte sind in der Verantwortung, Blühstreifen, Hecken und Gehölze für Bienen und Insekten zur Verfügung zu stellen.“ Auch jeder Haus- und Gartenbesitzer und jede Kommune könne die Imkerei unterstützen. In den Bauhöfen der Kommunen müsse außerdem wieder ein Verständnis dafür wachsen, dass Randstreifen und Straßenbegleitgrün länger stehen bleiben dürfen, weil sie eine wichtige Funktion erfüllen.

    Der intelligente Blumenkasten

    Dass jeder etwas für Insekten tun kann, betonte auch Dr. Stefan Berg, Leiter des Instituts für Bienenkunde und Imkerei an der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim, in seinem Vortrag.

    Dazu habe die LWG sogar einen eigenen Flyer „Der intelligente Blumenkasten“ herausgebracht. In einem solchen sollten verschiedene Mauerpfefferarten und Lippenblütler wie Thymian, Lavendel, Bohnenkraut, Salbei, Melisse, Basilikum und Pfefferminze wachsen. Diese „Bienenweide für Beet und Balkon“ sei nicht nur für die Insekten wertvoll, sondern auch für die Küche.

    Finger weg von Lithiumchlorid

    Neben der Wintersterblichkeit der Bienenvölker (in diesem Jahr sind 18 bis 22 Prozent zu erwarten) beleuchtete Dr. Berg auch das Thema Lithiumchlorid im Kampf gegen die von Imkern gefürchtete Varroa-Milbe, die vor 40 Jahren aus Südostasien eingeschleppt wurde.

    Lithiumchlorid sei ein tolles Mittel mit toller Wirkung und einfacher Anwendung, sagte Berg. Allerdings sei es bisher nur in Käfig- und Kunstschwarmversuchen getestet worden. Es müssten noch viele Testreihen folgen, die unter anderem die Auswirkungen auf die Brut und etwaige Rückstände im Honig untersuchen sollen. „Also Finger weg von Lithiumchlorid, das ist noch kein zugelassenes Tierarzneimittel“, appellierte er an die Imker. Jede Anwendung in der Praxis wäre zum jetzigen Zeitpunkt fahrlässig.

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