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    Würzburg

    Sparkurs im Bistum Würzburg trifft auch die Caritas

    Die katholische Kirche im Bistum hat sich übernommen. Würzburgs Bischof Franz Jung tritt auf die Ausgabenbremse – auch bei der Caritas. Auf Kosten der Armen und Schwachen?
    Verordnet der Diözese Würzburg einen Sparkurs: Bischof Franz Jung, im Amt seit Juni 2018. Foto: Thomas Obermeier

    Die katholische Kirche im Bistum Würzburg muss sparen. Kein Jahr nach seinem Amtsantritt im Juni 2018 hat Bischof Franz Jung die finanzielle Reißleine gezogen und den Haushalt gedeckelt. Anders als in der Vergangenheit soll nicht mehr ausgegeben werden als hereinkommt. Für alle kirchlichen Baumaßnahmen erließ er im Juli ein Moratorium, einen vorübergehenden Stopp.

    Und auch die Caritas im Bistum kommt nicht ungeschoren davon: Der Zuschuss aus dem Bischöflichen Ordinariat wurde mit rund 24 Millionen Euro auf dem Stand von 2018 eingefroren – und dies, obwohl die Personalkosten tariflich bedingt steigen. Der Diözesan-Caritasverband muss sich strecken. Spart die Kirche auf dem Rücken der Ärmsten und Schwächsten? Der Obdachlosen, Migranten oder Pflegebedürftigen?

    "Kein karitativer Dienst muss eingestellt werden."
    Bischof Franz Jung zum Sparkurs in der Diözese Würzburg

    Der Bischof weist solchen Verdacht weit von sich. Er habe den "Dienst an den Armen und Hilfsbedürftigen für die kommenden Jahre zu einem Schwerpunkt der Seelsorge im Bistum Würzburg" erklärt, so Franz Jung auf Anfrage. Der aktuelle Sparkurs der Diözese dürfe gerade nicht auf Kosten der Schwächsten oder des sozialen kirchlichen Engagements gehen. "Kein karitativer Dienst muss eingestellt werden", versichert der Bischof.

    Domkapitular und Caritas-Diözesanvorsitzender Clemens Bieber will zusammen mit Kirchenakteuren mögliche Einsparpotenziale ermitteln. Foto: Angelika Cronauer

    Gespart werden soll anderswo. In der Verwaltung, durch eine bessere Organisation und vor allem: durch Konzentration dort, wo Caritas und Kirche ähnliche Dienste anbieten, etwa in der Sozialberatung.

    Oder das Beispiel Familienpflege: Hier wurden Angebote von Caritas und Ritaschwestern bei letzteren zusammengeführt, die Diözese unterstützt finanziell.

    Wo arbeiten Kirchenakteure an gleichen Themen?

    Doppelungen, Überschneidungen und Synergien ausfindig machen, innerhalb der Caritas und im Abgleich mit der Kirche – das ist laut Diözesan-Caritasvorsitzendem und Domkapitular Clemens Bieber die Aufgabe der nächsten Wochen. Einen Runden Tisch soll es dazu geben. Externe Berater, so heißt es, brauche man nicht. Es riecht nach Flurbereinigung. Die Kirche und ihre Caritas sollen sich wieder näherkommen. Dazu passt die pastorale Strukturreform im Bistum: Dekanate sollen künftig nach den neun unterfränkischen Landkreisen zugeschnitten werden, so wie es die Caritas-Kreisverbände seit langem sind. Da lassen sich Aufgaben leichter bündeln.

    Bieber zeigt Verständnis, dass der Bischof die Finanzen neu ordnen muss. Gleichwohl hofft er, dass die Kirche ab 2020 wenigstens die tariflichen Lohnsteigerungen bei der Caritas wieder ausgleicht – worüber demnächst der Diözesansteuerausschuss entscheidet. Falls nicht, bliebe der Caritasverband weiter darauf sitzen. Es geht um ein Loch von rund einer halben Million Euro jährlich.

    17 600 Mitarbeiter der Caritas in Unterfranken

    Der Dachverband mit rund 180 eigenen Angestellten übernimmt laut Bieber für rund 500 Caritas-Vereine und andere Rechtsträger im Bistum die Aufgaben in Finanzierung, Personalrechnung, Datenschutz. 17 600 Mitarbeiter zählt die Caritas in Unterfranken, davon rund 10 000 in Vollzeit. Sie arbeiten in Kindertagesstätten, Pflegestationen, Schulen, in der ambulanten Krankenpflege oder Asylberatung.

    Caritasdirektorin Pia Theresia Franke (links) ist dankbar für ehrenamtlichen Unterstützer in der Sozialarbeit – hier mit Gudrun Schlereth aus Sommerach. Foto: Robert Haaß

    Während der Diözesan-Caritasverband die Tariflöhne – in diesem Jahr um drei Prozent erhöht – ausbezahlt, fehlt ihm seinerseits nun die zusätzliche Finanzierung durch das Bistum. Aus dessen Gesamtetat von knapp 223 Millionen Euro geht laut Haushaltsplan 2019 ein gutes Zehntel an die Caritas. "Grundsätzlich sind wir da nicht schlecht bedient", sagt Vorsitzender Bieber. Und doch braucht es den Rotstift.

    "Die Armenfürsorge steht nicht zur Disposition."
    Caritasdirektorin Pia Theresia Franke

    Man greift Rücklagen an, einige Stellen im Verband würden zunächst nicht besetzt, erklärt Caritasdirektorin Pia Theresia Franke, seit drei Jahren als erste Frau an der Würzburger Caritasspitze. Dort ist man insoweit beispielgebend, als zuletzt der dritte Vorstandsposten abgeschafft wurde.  Franke denkt an Einrichtungen wie die Wärmestube, die Bahnhofsmission oder die AIDS-Beratung, wenn sie sagt: "Die Armenfürsorge steht nicht zur Disposition."

    Gleichzeitig sieht sie Grenzen des Machbaren. Nach der Flüchtlingskrise 2015 stellte die Diözese unter Bischof Friedhelm Hofmann mehrere Millionen Euro für die Asylsozialarbeit bereit, "das war eine massive Leistung", so Franke. Und der Staat? Der Bedarf ist weiter groß. Deshalb wollen die Caritas und Bischof Franz Jung die Kommunen und Landkreise stärker in die Pflicht nehmen. Schließlich werde die öffentliche Hand durch den sozialen Einsatz der Caritas entlastet. "Wir brauchen die Unterstützung der Kreise, sonst können wir die Arbeit nicht in diesem Umfang fortsetzen", sagt Franke. Immerhin: Die ersten Signale von Landräten seien positiv.

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