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    Gerbrunn

    Spendenprojekt: Ein Gerbrunner hilft Kindern in Sierra Leone

    Ilyas Aldogan in Sierra Leone. Foto: Ilyas Aldogan

    Es sind Bilder, die unter die Haut gehen: arme Kinder, leidgeprüfte Frauen und gehandicapte Fußballer aus Sierra Leone. Ilyas Aldogan ist den Menschen aus dem kleinen Land in Westafrika kürzlich an Ort und Stelle begegnet. Im Rahmen seines – von der Organisation Street Child betreuten – Spendenprojekts hat der 36-Jährige symbolisch einen Betrag von 10 050 Euro in eine im Landesinneren gelegene Region nahe der Stadt Makeni überbracht. Davon soll in einem der abgeschnittenen Dörfer im Umland auf seinen Wunsch hin eine Schule gebaut werden.

    Wer diesen selbstlosen Antrieb von Aldogan begreifen will, muss schon tiefer bohren. Denn eigentlich – so sollte man meinen – hat er mit seinem eigenen Lebensweg genug um die Ohren. Als Migrant kam er als Junge mit seinem Bruder und den Eltern Mitte der 1990er Jahre nach Frankfurt in eine Gemeinschaftsunterkunft, ehe es nach Gemünden weiterging.

    "Wir haben uns in Deutschland nach und nach unser Leben aufgebaut"
    Ilyas Aldogan - Gerbrunner Geschäftsmann

    In dieser bewegten Zeit kamen noch Ilyas‘ Zwillingsschwestern auf die Welt. "Wir haben uns in Deutschland nach und nach unser Leben aufgebaut", erinnert sich Aldogan. Er selbst lernte beim Kindermöbelhersteller Paidi in Hafenlohr den Beruf des Holzbearbeitungsmechanikers. Doch die Pendelei mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch den Landkreis Main-Spessart war beschwerlich.

    Zudem eröffnete sein Vater einen Döner-Laden in Würzburg. Sohn Aldogan wollte mithelfen. "Wir greifen uns gegenseitig unter die Arme und arbeiten bis zu zwölf Stunden am Tag", sagt der Deutsch-Türke. So ist es bis heute. Zwischenzeitlich hat der Gerbrunner das Geschäft übernommen. Am Galgenberg kam im sogenannten Uni-Döner alsbald noch ein kleiner Tante-Emma-Laden hinzu.

    Kinder aus Sierra Leone und Ilyas Aldogan bedanken sich bei den Gerbrunnern für die Spenden. Foto: Ilyas Aldogan

    Auch gründete Aldogan eine eigene Familie. Seine Frau und er haben mittlerweile drei Kinder, von denen eines besonders unterstützt werden muss. Trotz seiner privaten und beruflichen Verpflichtungen scheute sich der Tausendsassa nicht, dieses Spendenprojekt für Sierra Leone vor einem guten halben Jahr aus der Taufe zu heben. Sein Motto: Schwitzen für Bildung. "Ich laufe selbst leidenschaftlich gerne. Daher sollte das Ganze etwas damit zu tun haben", sagt Aldogan.

    Die größten Zugpferde waren ein Nachwuchsfußballturnier und zwei Kindergarten-Läufe

    Die größten Zugpferde waren ein Nachwuchsfußballturnier und zwei Kindergarten-Läufe in Gerbrunn im Frühjahr dieses Jahres. Jetzt gerät der dreifache Vater regelrecht ins Schwärmen: "Die Kinder waren so was von motiviert bei der Sache – und liefen einfach weiter, auch wenn sie eigentlich schon nicht mehr konnten."

    Manche mussten gar gebremst werden. Die Idee: Deren Eltern spendeten einen selbst gewählten Betrag für jede Runde, die ihr Kind lief. So war es im katholischen Kindergarten St. Nikolaus, so war es in der evangelischen Kindertagesstätte der Apostelkirche.

    Ilyas Aldogan in Sierra Leone. Foto: Ilyas Aldogan

    Im ersten Fall kamen auf diese Weise 3825 Euro zusammen, im zweiten 2670 Euro. Beim örtlichen Fußballturnier blieben mehrere hundert Euro für das Spendenprojekt in Sierra Leone hängen. Dann gab noch ein örtliches Unternehmen eine größere Summe. Und viele Kunden des Uni-Döners machten ebenfalls mit – genau wie die Gerbrunner Bevölkerung.

    "Eine ältere Dame hat mir immer wieder bei unterschiedlichen Anlässen kleinere Beträge in die Hand gedrückt – und jeweils zusätzlich noch ein Taschengeld für meine Reise nach Sierra Leone", berichtet Aldogan: "Das war sehr rührig." Den zehntägigen Aufenthalt nach Westafrika Ende Mai musste er aus eigener Tasche finanzieren. Allein die Impfungen waren schon mehrere hundert Euro teuer. "Ich bin zwar kein besonders gläubiger Mensch, glaube aber daran, dass es höhere Mächte gibt", erzählt der sportliche Alevite. "Daher bin ich mir auch sicher, dass wir alle etwas von unseren guten Taten zurückbekommen werden."

    Aldogan spürte auch Gegenwind für sein Projekt

    Ein Teil hat nicht lange auf sich warten lassen: Die Hilfe der Gerbrunner, die strahlenden Gesichter der Menschen Sierra Leones und die beeindruckenden Naturschauspiele in dem Land – gerade auch am Meer. Doch Aldogan spürte auch Gegenwind für sein Projekt. "Manche begegneten mir mit Skepsis", sagt er. Das liege wohl auch daran, dass er wie ein bärtiger Türke aussehe. Alles in allem sei er von der breiten Unterstützung jedoch überwältigt gewesen.

    Ilyas Aldogan. Foto: Jörg Rieger Foto: Jörg Rieger

    Von den Unterkünften in Sierra Leone hingegen weniger. "Das Licht hätte man dort lieber nicht anmachen sollen. Eigentlich wollte ich mich nach der ersten Nacht auch nach einem anderen Hotel umschauen. Doch dann habe ich mir vor Augen geführt, wie gut wir es hier in Europa eigentlich haben", so der 36-Jährige.

    Das sportliche Highlight der Street-Child-Reise war der Sierra Leone Marathon, an dem Aldogan selbst teilnahm – ebenfalls für den guten Zweck. Und sein nächstes Projekt plant der Gerbrunner auch schon: mit einer neuen Aktion will er für den Bau eines Brunnens an der Schule sorgen. Kostenpunkt: 5000 Euro.

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