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    Würzburg

    Sperrstunde: Ein Vierteljahr Probezeit für Nachtschwärmer

    Sperrstunde: Ein Vierteljahr Probezeit für Nachtschwärmer
    Ist bald früher Schluss für Nachtschwärmer in Würzburg? Erst einmal gibt es eine Probezeit. Foto: Daniel Peter

    Ein Vierteljahr lang will die Stadt versuchen, mit individuellen Maßnahmen für mehr nächtliche Ruhe in der Innenstadt zu sorgen. Gelingt ihr das nicht, verlängert sie die Sperrzeit. Das hat der Bau- und Ordnungsausschuss des Stadtrates gegen eine Stimme beschlossen.

    Federführend für den Plan ist der städtische Kommunalreferent Wolfgang Kleiner. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses erklärte er seine Haltung im Konflikt zwischen lauten Nachtschwärmern und ruhebedürftigen Anwohnern: "Letztendlich genießt für mich der Schutz der Anwohner höchste Priorität." Gleichwohl wolle er Würzburg als "lebendige Stadt" erhalten. Er möchte keine Sperrzeitverlängerung und kein Alkoholverbot, sondern "mit möglichst minimalen Eingriffen dem Bedürfnis nach Ruhe Rechnung tragen". Wenn das aber nicht funktioniere, brauche Würzburg die Sperrzeitverlängerung. Dann müsste die Gastronomie montags bis freitags um 2 Uhr schließen und samstags/sonntags um 3 Uhr.

    Auflagen für Gastronomiebetriebe

    Die Stadtverwaltung, berichtete er, arbeite eng mit dem Hotel- und Gaststättenverband zusammen. "Auf die ganz, ganz, ganz große Zahl der über 500 Betriebe" könne sie bauen, "aber auch da gibt es Ausreißer." Zu Protesten von Studentenvertretern gegen die drohende Sperrzeitverlängerung erklärte Kleiner, niemand mache "die Studentenschaft generell verantwortlich". Die Verantwortung liege "selbstverständlich zunächst beim Gastronomiebetrieb".

    Er kündigte Auflagen für Gastronomiebetriebe an, von denen nächtlicher Lärm ausgeht. Die müssten, je nachdem, Schallschleusen einrichten, Aufpasser stellen oder dürften keinen Straßenverkauf für Alkohol betreiben. Genüge das nicht, würden die Sperrzeiten dieser Betriebe verlängert.

    Viele Körperverletzungen in den frühen Morgenstunden

    Der Referent hatte fünf bayerische Städte fragen lassen, mit welchen Instrumenten sie die Nachtruhe schützten. Kleiner zufolge hat den Anwohnern aller fünf Städte - Fürth, Bamberg, Erlangen, Regensburg, Deggendorf und Passau - erst der frühere Schankschluss beim Durchschlafen geholfen.

    Gast im Ausschuss war der Leitende Polizeidirektor Klaus Böhm, der Kleiners Konzept "für sehr gut hält", wie auch beinahe alle Ausschussmitglieder. Er meinte, "wenn wir die Möglichkeit einschränken, sich zu betrinken", käme dies auch den Nachtschwärmern selbst zu gute. Er erklärte einen Zusammenhang zwischen der enthemmenden Wirkung des Alkohols und dem Umstand, dass 75 Prozent der Straftaten - er sprach von Gewaltdelikten wie gefährlicher Körperverletzung - am Wochenende nach 3 Uhr begangen würden.

    Grüne wollen ein Jahr Probezeit und scheitern

    Ab jetzt stehen Gastronomen und Nachtschwärmer in einer Probezeit. In einem Vierteljahr, so beschloss der Ausschuss, werden die Ergebnisse dieser Maßnahmen ausgewertet werden. Dass der Kehraus früher beginnt ist ausgemacht für den Fall, dass die nächtliche Stadt bis zum Sommer nicht ruhiger und sicherer geworden ist.

    Einzig Michael Gerr, Ratsmitglied von den Grünen, war unzufrieden mit Kleiners Vorschlag. Er habe den Eindruck, die Sperrzeitverlängerung sei gewollt. Die Grünen wollten "keine weiteren Verbote, sondern schauen, wie das Zusammenleben durch Kommunikation funktionieren kann". Er beantragte, unterstützt von den Ausschussmitgliedern der SPD, die Probezeit auf ein Jahr auszudehnen.

    So lange will Kleiner nicht warten. Drei Monate genügen, meinte er. Elf Ratsmitglieder sahen das auch, Gerrs Antrag kam auf nur fünf Stimmen. Mit 15 Stimmen gegen eine, Gerrs, stimmte der Bau- und Ordnungsausschuss für Kleiners Plan.

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