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    Oberaltertheim

    Stachel an Stachel, Blüte an Blüte

    Bei Trend-Accessoires sind Kakteen allgegenwärtig. Die Originale haben dagegen noch mit ihrer Reputation zu kämpfen. "Oh, wie schön, sagen immer alle, aber Kakteen haben will keiner!", wundert sich Emma Robanus. In Oberartertheim haben die stacheligen Exoten mit Walter Robanus einen unerschütterlichen Liebhaber, den das nicht anficht.

    Es ist eine spontane Liebe, die Walter Robanus 1952 ergreift. Als Lehrling arbeitet er im Botanischen Garten in Würzburg. Dabei hat ihn die Faszination kalt gepackt. Lange ist es eine unerfüllte Liebe. Dem selbständigen Malermeister fehlt schlichtweg die Zeit, sich um Kakteen zu kümmern: Kinder, Haus- und Gartenbau, Musik ... Nur auf der Fensterbank wächst ein kleines Biotop heran - zusammengetragen aus der Umgebung. So im Vorbeigehen fragt er ab und an nach Ablegern, wenn er bei der Arbeit in den verschiedensten Haushalten welche entdeckt.

    Von der Vielseitigkeit der Blüte fasziniert

    Ab dem Jahr 2000, als Walter Robanus sich in den Ruhestand begibt, hält ihn nichts mehr zurück. Er wird im Würzburger Verein der Kakteenfreunde (www.kakteenfreunde-wuerzburg.de) aktiv. Dort tauscht man sich alle vier Wochen aus, mit Kakteen und Informationen. Fachvorträge und Reiseimpressionen aus Kakteen-Biotopen, vor allem von den ursprünglichen Lebensräumen auf dem Kontinent Amerika bestärken die eigene Faszination. Für Robanus ist es die Vielseitigkeit der Blüte, die immer aufs neue spannende Frage, wann und wie viele Blüten wohl kommen?

    Wie sie heißen, ist ob der Fülle und feinen Unterschiede oft gar nicht so einfach zuzuordnen und für den Bewunderer Robanus nicht so wichtig - dafür aber ihre Pflegeleichtigkeit. Es geht immerhin um mehr als 200 Töpfe und so viele Ableger, dass er sicher das Zehnfache an Pflanzen zählen würde. Topfte er sie allerdings alle ein, würde das Winterquartier, die beiden Gartenschuppen, nicht mehr ausreichen. 

    Ein fieser Kaktus mit watteweichem Aussehen

    Die gewachsene Leidenschaft symbolisiert ein 4,80 Meter langer, an der Hauswand lehnender Säulenkaktus wohl am besten. 15 Jahre ist er mittlerweile alt, sitzt noch immer in einem bemerkenswert kleinen Topf und wandert für den Winter ins Treppenhaus, wo er über zweieinhalb Stockwerke aufragt. Jetzt im Sommer steht er in einer Reihe mit den Holzkästen, alle an der Hauswand entlang aufgereiht, darin eine Zusammenstellung von Kakteen-Töpfen.

    Hier und da erregen noch einige aparte und übergroße Blüten Aufmerksamkeit, die sich immer nur kurz halten. Die kürzlich noch über und über in knalligen Farben blühenden, um Insekten heischenden Grünlinge sitzen nun da _ eher wie nebenbei und unbeweglich: unverschämt stachelige Ferocactus, ganz, ganz langsam wachsende Trichosereus, natürlich die als Bauernkakteen bekannten Echinopsis, die flachblättrigen Kakteen Epiphyllum, Mammilaria und Cereus-Arten. Darunter sind so fiese Exemplare wie Cephalocereus senilis, mit unvergesslichen Stacheln im watteweich aussehenden Knäuel. Walter Robanus behauptet trotzdem, er habe sich noch nie verletzt.

    Während der Winterruhe am besten ignorieren

    Das mag verwundern, denn gerade im Wohnbereich des Gartens, im Wintergarten, unter der Pergola und an den Wegen entlang, stehen Kakteen und andere Sukkulenten wie das schnell wachsende Aeonium. Cleistocactus baumelt gar aus einem Ampeltopf und erinnert dabei an Rastazöpfe. Im Steingarten ist das Arrangement neu, da alles andere gerade abgeblüht ist. Die Kombination von Säulen- und Blattkakteen mit fränkischem Muschelkalk und auch im Verbund mit Stauden und Sträuchern wie Hortensien ergibt herrliche Kontraste. Üblicherweise belässt man die Kakteen in ihren Töpfen, welche man jeweils ein- und wieder ausbuddelt. Denn: die meisten Kakteen benötigen eine frostfreie und trockene Winterruhe.

    In Oberaltertheim erhalten sie diese bei 0 bis fünf Grad Celsius. Das 14-tägige Düngen auszusetzen und ab November nicht mehr zu gießen, sei wichtig. Durch die Ruhezeit werde die nächste Blüte üppiger. Im allerersten Jahr habe er die Kakteen aus Mitleid noch etwas gegossen - und dann prompt Läuse bekämpfen müssen, berichtet der erfahrene Kakteenfreund. Wären nicht die bitterkalten Frosteinbrüche und die Nässe der mainfränkischen Winter - man könnte Kakteen für die Pflanzen der Zukunft halten. Vielleicht unter einer Bedingung: man hält eine Decke zum Wärmen bereit, wie bei einer fröstelnden Geliebten.

    Gemüsegarten hinterm Zaun

    Apropos Arrangements: So eine Reihe knie- bis hüfthoher Trichocereus mit übergroßen granatapfelfarbenen Blüten, durch die man von der Terrasse in den Blumengarten schaut, das hat wahrlich nicht jeder. In der ausrangierten Duschwanne unter den Apfelbäumen zwitschern Vögel beim Baden. Den Rasen flankieren Sommerblumen - alle Klassiker, die man sich nur denken kann. Das ist die Welt von Emma Robanus. Und nachdem der hausseitige Frühbeet-Kasten auch schon von verhätschelten Kakteen besiedelt ist, sind die Gemüsebeete weiter gewandert - bis hinter den Gartenzaun. Dort hat der Landwirt dem Ehepaar Robanus die letzten zwei, drei Ackerfurchen am Zaun entlang überlassen, weil die großen Maschinen eh nicht bis ganz heran fahren können. Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Kohlrabi, Salat stehen in den Beeten - und ganz viel Petersilie für den Petersilienstrudel - eine Oberaltertheimer Spezialität. Hier sind Selbstversorger am Werk, entsprechend ausgefüllt sind die Tage, jetzt wo die Beeren reif sind und eingekocht, versaftet und eingefroren werden müssen.

    Arbeitsentlastend ist dafür das neue Vorgarten-Programm mit einem Teppich aus dreierlei Heidekraut-Sorten, kombiniert mit Gräsern, Lavendel, Spierensträuchern und Rosen. Das sieht das ganze Jahr schön aus, sagt der 86-Jährige zufrieden. Es macht wenig Arbeit und wird von den Insekten geliebt.

    Landesgartaneschau und Tag der offenen Gartentür
    Auf der Landesgartenschau in Würzburg sind Kakteen und andere Sukkulenten Thema am 22. Juli. Vor allem Zimmerkakteen, winterharte Kakteen, Agaven und Yucca.
    Die weitere Themen: 1./2. September: Kakteen und andere Pflanzen für Kiesgärten. Am 6./7. Oktober die Pflegeleichtigkeit von Kakteen, zum Beispiel für Gräber und Kiesgärten.
    Kakteenprofi Hans Graf informiert und berät jeweils von 9 bis 18 Uhr am Gärtnerischen Infotower.

    Der Tag der offenen Gartentür geht weiter. Folgende Gärten sind wegen des Sommers für Besucher geöffnet: 15. Juli, 10 - 17 Uhr: Susanne und Johannes Fersch, Neubrunn, Triebsweg 2, Staudengarten, Laubengang
    29. Juli und 5. August, 10 - 17 Uhr: Hiltrud und Lioba Gabel, Stalldorf, Julius-Echter-Straße 14, Pfarrhaus-Garten mit historischer Struktur.
    Bis 31. Juli, im September und Oktober, 10 - 18 Uhr: Corinna Seubert-Kohrmann, Uettingen, Raiffeisenstraße 27, Telefon: 09369/99164 - englischer Stil, Rosen, Stauden, 1700 Quadratmeter.
    Bis September: Gerlinde Mußer, Obereisenheim, Bühlweg 13, Telefon: 09386/899 - große gärtnerische Vielfalt, Pflanzenraritäten, Fuchsien-Sammlung
    Nach Vereinbarung: Heinrich Bauer, Herrnstraße 9, Veitshöchheim, Telefon: 0931/881956 - ungewöhnliche Skulpturen, auch als Rankhilfen

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