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    Röttingen

    Städtebauförderung: Bagger frisst Leerstand

    Mit Mitteln der Städtebauförderung wird ein ehemaliges landwirtschaftliches Anwesen im Röttinger Altort abgerissen. Im Rahmen eines Modellprojekts sollen dort drei Einfamilienhäuser entstehen. Foto: Gerhard Meißner

    Ein hässlicher Leerstand weniger im Röttinger Stadtkern: Bagger haben das marode landwirtschaftliche Anwesen in der Taubergasse 4 in den vergangenen Tagen dem Erdboden gleich gemacht und damit Platz für drei moderne Einfamilienhäuser geschaffen, die sich beispielhaft in die gewachsene Struktur einfügen sollen. Das Vorhaben ist Modellprojekt der Städtebauförderung und könnte beispielgebend für viele bayerische Städte und Gemeinden werden. 

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    Das Problem kennen viele Kommunen: marode Gebäude in beengter Ortslage, bei denen nicht einmal der Abriss lohnt, weil die Kosten dafür den Grundstückswert bei weitem übersteigen würden.  So war es auch beim ehemaligen Bauernhof in der Taubergasse 4, den die Stadt Röttingen vor Jahren für 5000 Euro ersteigert hat. Das Grundstück von rund 850 Quadratmetern war dicht bebaut, mit Wohnhaus, Scheune und Nebengebäuden. Abriss und Entsorgung waren auf 300 000 Euro geschätzt worden. Das entspricht rund 350 Euro pro Quadratmeter, viermal so viel wie ein Bauplatz auf der grünen Wiese.

    "Wenn man einen Kernort qualitätsvoll verändern will, muss auch der Abbruch öffentlich gefördert werden, weil es sonst nicht wirtschaftlich ist."
    Martin Umscheid, Bürgermeister

    Angesichts der niedrigen Vergleichsmieten in Röttingen würde auch kein privater Investor ein solches Projekt anrühren. Und das, obwohl Bauland und Wohnraum an sich knapp sind in dem Tauberstädtchen. Die Folge: ein weiterer nicht sanierungsfähiger Leerstand, der noch viele Jahre vor sich hinrotten und das Ortsbild verschandeln würde.

    In diesem Fall hat die Stadt Röttingen die Initiative ergriffen und mit Hilfe der Städtebauförderung nach einer Lösung gesucht. Auch die Förderstelle und das Bauministerium hätten das Problem mit unwirtschaftlichen Sanierungsfällen erkannt, sagt Bürgermeister Martin Umscheid. Das Anwesen Taubergasse 4 wurde deshalb zum Modellfall im Förderprogramm "Ort schafft Mitte" erhoben. Bei der nächsten Neuauflage des Förderkatalogs wolle man aus den Röttinger Erfahrungen landesweit gültige Lehren ziehen.

    Drei Wohnhäuser, die sich um einen öffentlichen Platz gruppieren, sollen zu einer qualitätsvollen Neuordnung des Röttinger Altorts beitragen. Foto: Konzept und Modell: Schlicht Lamprecht Schröder Architekten Stadtplaner, Schweinfurt / Visualisierung: 3D Betrieb, Würzburg

    Ziel dabei sollte die Schaffung zeitgemäßen Wohnraums sein, die mit einer "qualitätsvollen Neuordnung im Altort" - so die  Bedingung - einhergeht. Um die beste Lösung zu finden, hatte die Stadt auf Wunsch der Förderbehörde bereits im Herbst 2016 drei Architekturbüros zu einem Planungsworkshop eingeladen. Den Großteil der Kosten dafür übernahm die Städtebauförderung. Am Ende konnte das Schweinfurter Büro Schlicht Lamprecht die Jury überzeugen.Der Entwurf sieht drei Einfamilienhäuser vor, die sich auf dem Grundstück um einen zentralen, öffentlichen Platz gruppieren. Auch bei der Mehrheit im Stadtrat fand der Vorschlag Gefallen.

    Abbruch bisher nicht förderfähig

    Bislang gelten Abbruch- und Entsorgungskosten nicht als förderfähig. Für den Modellfall Röttingen, gegenwärtig der einzige in Unterfranken, gewährte die Städtebauförderung einen Zuschuss von 80 Prozent. "Wenn man einen Kernort qualitätsvoll verändern will, muss auch der Abbruch öffentlich gefördert werden, weil es sonst nicht wirtschaftlich ist", meint Bürgermeister Umscheid. Allerdings besteht die Förderbehörde auf eine zügige Umsetzung des Projekts. Bis spätestens Ende 2020 soll das Vorhaben abgeschlossen sein, hatte Förderexperte Manfred Grüner von der Regierung von Unterfranken im vergangenen Jahr vor dem Röttinger Stadtrat betont.

    Mit dem Abriss der Altbauten wird nun der erste Umsetzungsschritt vollzogen. Statt geschätzter Abbruch- und Entsorgungskosten von 300 000 Euro ergab die Ausschreibung sogar ein um rund 100 000 Euro günstigeres Ergebnis, wie der Bürgermeister berichtet. Die nächste Frage richtet sich nach einem Bauträger, der die geplanten Wohnhäuser errichtet. Eigentlich hatte die Stadt dabei einen privaten Investor im Sinn. Weil sich deren Interesse in Grenzen hält, soll nun möglicherweise die vor drei Jahren gegründete Stadtbau GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Kommune, aktiv werden. Bei der Planung und Ausführung will man auf die Wünsche der künftigen Eigentümer eingehen. Erste Kaufinteressenten für die geplanten Einfamilienhäuser gibt es bereits.

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