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    Röttingen

    Städtebauförderung: Der Eine-Million-Euro-Besuch

    Diesmal überbrachte Ministerialdirektorin Brigitta Brunner den Zuschussbescheid der Städtebauförderung persönlich, um zu sehen, was Röttingen mit dem Geld macht.
    Normalerweise kommen Förderbescheide mit der Post. Diesmal überbrachte Ministerialdirektorin Brigitta Brunner das Dokument bei ihrem Besuch in Röttingen persönlich. Mit im Bild (von links) Bürgermeister Martin Umscheid, Architekt Reiner Rossbach und Manfred Grüner von der Förderstelle an der Regierung von Unterfranken. Foto: Gerhard Meißner

    Ob eine zum Spielplatz umgebaute alte Scheune, ein modellhaftes Baugebiet im Altort oder der preisgekrönte Wiederaufbau eines Burgflügels - Röttingen hat der Städtebauförderung einiges zu verdanken. Knapp zehn Millionen Euro an Fördermitteln sind seit 2002 in das kleine Tauberstädtchen geflossen. Grund genug für die Verwaltungschefin im bayerischen Bauministerium, Brigitta Brunner, sich selbst ein Bild von dem zu machen, was staatliche Unterstützung in Röttingen bewirkt hat. Den nächsten Förderbescheid hatte sie dabei schon im Gepäck.

    Erste Station des Rundgangs ist ein Grundstück in der Taubergasse, auf dem bis vor kurzem noch ein heruntergekommener Bauernhof stand. Die Stadt hat ihn gekauft und abreißen lassen, um Platz für drei Einfamilienhäuser zu schaffen, die sich in die gewachsene Bebauung einpassen. Den Architektenworkshop, der dem Projekt voranging, und den Abriss selbst hat die Städtebauförderung bezuschusst, obwohl es sich am Ende um den Neubau privater Wohnhäuser handelt.

    Modellprojekt für das Problem vieler Kommunen

    Das Vorhaben ist ein Modellprojekt, weil viele Kommunen vor dem Problem stehen, dass der Abriss alter Häuser teurer ist als der Grundstückswert. "Der Abbruch hat 220 000 Euro gekostet, bei einer Grundstücksfläche von nicht einmal 900 Quadratmetern", sagt Bürgermeister Martin Umscheid. Viele marode Altbauten bleiben deshalb stehen, verfallen weiter und werden zum Schandfleck. Für einen privaten Investor sei eine Sanierung unwirtschaftlich und auch eine Kommune könne sich ein solche Maßnahme nur mit staatlicher Unterstützung leisten, so Umscheid. 

    Deshalb sollen die Erfahrungen aus Röttingen künftig landesweit in die Förderpraxis einfließen, sagt Brigitta Brunner. Entscheidend dafür sei, dass die städtebauliche Qualität durch die Neubauten verbessert wird. Dafür ist Architekt Reiner Roßbach verantwortlich, der die Einfamilienhäuser im Auftrag der Stadtbau GmbH plant. Später will die eigens für solche Vorhaben gegründete Gesellschaft die Häuser bevorzugt an junge Familien verkaufen.

    "Wir haben Leerstand an prominenter Stelle beseitigt und dafür städtebauliche Qualität geschaffen."
    Manfred Grüner, Regierung von Unterfranken

    Ein weiteres Förderprojekt beeindruckt Brigitta Brunner besonders. Der zu Beginn der 70er Jahre eingestürzte Ostflügel an der Burg Brattenstein wurde 2017 durch einen Neubau ersetzt. Auffälligster Akzent ist ein Balkon aus Stahl, der den Blick über die Stadt freigibt. Die Schweinfurter Architekten Stefan Schlicht und Christoph Lamprecht sind dafür mit dem Bayerischen Architektenpreis ausgezeichnet worden. Von den Baukosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro hat die Städtebauförderung rund die Hälfte übernommen.

    Beeindruckt zeigte sich Brigitta Brunner vom modernen "Stadtbalkon" am wiederaufgebauten Westflügel der Burg Brattenstein. Foto: Gerhard Meißner

    Ein Projekt, das aktuell mit Mitteln der Städtebauförderung verwirklicht wird, ist die alte Schule. Das Dach des Gebäudes war schadhaft. Die Reparatur für mehrere 100 000 Euro hätte die Stadt alleine bezahlen müssen. Stattdessen entschied man sich, die alte Schule mit Hilfe der Städtebauförderung zu einem barrierefreien Kulturhaus umzubauen. Zwei Jahre lang waren syrische Flüchtlingsfamilien dort untergebracht, jetzt sind die Bauarbeiter am Werk. Künftig werden dort neben der Stadtbücherei ein Lesecafé und ein Veranstaltungsraum Platz finden.

    Kulturhaus statt Dachreparatur

    Unter dem Strich muss die Stadt dafür kaum mehr Eigenmittel aufwenden als für die Dachsanierung. Von den Gesamtkosten in Höhe von 1,53 Millionen Euro zahlen Bund und Land 1,1 Millionen Euro. Den Förderbescheid erhielt Bürgermeister Martin Umscheid diesmal von Ministerialdirektorin Brigitta Brunner persönlich. Für ihren Besuch hatte man eine kleine Präsentation der Projekte vorbereitet, die seit 2002 von der Städtebauförderung unterstützt wurden.

    19,2 Millionen Euro habe die Stadt seit damals im Rahmen des Programms investiert und dafür Zuschüsse in Höhe von 9,8 Millionen Euro erhalten, sagt Bürgermeister Umscheid. Die augenfälligsten Beispiele sind der neu gestaltete Marktplatz, das energetisch sanierte Rathaus, das Restaurant in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus und zwei über viele Jahre leer stehende Häuser, in denen günstige Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge und sozial benachteiligte Familien geschaffen wurden.

    "Wir haben Leerstand an prominenter Stelle beseitigt und dafür städtebauliche Qualität geschaffen", sagt Manfred Grüner, an der Regierung von Unterfranken zuständig für das Förderprogramm. "Ein gutes Beispiel für den sinnvollen Umgang mit Steuergeldern", folgert Ministerialdirektorin Brunner daraus. Bürgermeister Martin Umscheid schließt darin die privaten Sanierungsvorhaben mit ein, die ebenfalls von der Stadtebauförderung unterstützt werden, wie die Sanierung des ehemaligen Spitals, und hofft, dass das Beispiel an anderer Stelle Schule macht. Mit dem "Fränkischen Hof" und dem Gasthaus "Zum Ochsen" warteten zwei weitere ortsbildprägende Leerstände am Röttinger Marktplatz darauf, wiedererweckt zu werden.

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