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    Würzburg

    "Stille Nacht" ohne aufgesetzte Sentimentalität

    Spätestens dann, wenn aus jeder Ecke der Andachtsjodler erklingt, kann sich keiner der Zuhörer im voll besetzten Würzburger St. Kiliansdom mehr der vorweihnachtlichen Atmosphäre entziehen. Die an die 150 jungen Stimmen der Mädchenkantorei am Würzburger Dom lassen die aus Südtirol stammende Weise mit andächtiger Ehrfurcht erklingen, treffen mitten ins Herz, locken bei manchen im Publikum ein kleines Tränchen hervor. Gut eine Stunde lang hatten die Mädchen und jungen Damen vorher unter der Überschrift "Weihnachten traditionell" voller Konzentration und bemerkenswerter Musikalität Advents- und Weihnachtsmusik aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert, waren der sehr beredten Zeichensetzung ihres Dirigenten Alexander Rüth sicher gefolgt.

    Der Domkantor hat ein feierliches Programm zusammengestellt, das die jungen Sängerinnen, die streckenweise auswendig interpretieren, in der Reihenfolge "Advent", "Weihnachtsfreude", "Anbetung des Wunders" und "Maria" darbieten.

    Mit weit ausholenden, weichen, rhythmischen Bewegungen und beredten Gesten holt Rüth Freude, Frömmigkeit, Wärme und Jubel aus dem Konzertchor der Mädchen, die eine Schärpe über dem weißen Chorgewand tragen, und den Kleinen des Vor-, Nachwuchs- und Aufbauchors.

    Es sind traditionelle Lieder, die zeitgenössische Komponisten neu arrangiert, mit dem Herzschlag unserer Zeit versehen haben und die sich mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach oder Michael Praetorius zu einer harmonischen Programmfolge fügen. So wird der Psalm "Machet die Tore weit" - seinerzeit von Georg Philipp Telemann und vielen anderen vertont– in der Fassung von Oliver Sperling zu einer aktuellen Aufforderung, verströmt das Adventslied "Das Volk, das im Finstern wandelt" in der Bearbeitung von Jürgen Golle freudige Erwartung.

    Zügig und ohne aufgesetzte Sentimentalität erklingt Franz Xaver Grubers "Stille Nacht" in dem Satz von Alexander Rüth. Mit frommem Eifer mischen sich immer wieder die jüngsten Sängerinnen intonationssicher in die Stimmen der souveränen Großen wie im "Gloria in excelsis Deo" des in diesem Jahr verstorbenen Siegfried Strohbach. Immer wieder beweist der Chor, dass er sowohl alt hergebrachte Weisen mit Orchester so wie Melodik und Harmonik neuerer Kompositionen a cappella in markanter Tonsprache präsentieren kann.

    So ertönen, von der Camerata Würzburg in gebotener Zurückhaltung einfühlsam begleitet, das "Zion hört die Wächter singen" aus der Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" und der Choral "Brich an, du schönes Morgenlicht" von Johann Sebastian Bach klangschön und sorgfältig phrasiert. Zwischen den einzelnen Liedern zeigt sich das Orchester in Hochform mit Kompositionen von Paul Hindemith. Vor allem in den Sätzen aus seinem musikalischen Weihnachtsmärchen "Tuttifäntchen" gelingt den Musikern ein filigranes Spiel mit tänzerischen Passagen wie dem Foxtrott im "Tanz der Holzpuppen", feurigen Marschrhythmen und schmiegsamer, fließender und inniger Fülle.

    Stürmischer Applaus und stehende Ovationen für die jungen Künstlerinnen.     

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