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    WÜRZBURG

    Stramu: Künstler und Publikum auf Tuchfühlung

    Wenn die Sonne scheint, die Innenstadt sich wieder einmal in eine einzige große Bühne verwandelt und überall fast nur gut gelaunte Menschen anzutreffen sind – dann ist in Würzburg wieder Stramu. Mit dem 15. Festival für Straßenkunst an diesem Wochenende waren alle zufrieden – die Künstler, die Veranstalter und die Besucher.

    „Alles bestens“, fasste Festival-Chef Mike Sopp das Stramu-Wochenende am frühen Sonntagnachmittag zusammen: „Es war vom Besuch her kein Rekordfestival, aber darauf kommt es nicht an. Es waren sicher nicht weniger Menschen als in den letzten Jahren da. Und es ging am Freitag schneller richtig los als sonst.“ Nur ganz am Anfang fielen am Freitag ein paar Tropfen Regen, danach versammelten sich die Besucher aber an vielen Orten in großer Zahl um die Artisten und Musiker.

    Dem Feueralarm entgangen

    Das sollte sich dann dank des herrlichen Spätsommerwetters am gesamten Wochenende fortsetzen – besonders am Samstagabend, aber auch am Sonntag war die Innenstadt voll mit Stramu-Fans, die sich entweder von Ort zu Ort treiben ließen, um Neues zu entdecken oder sich ganz gezielt mit einem Spielplan in der Hand auf die Suche nach ihren Lieblingskünstlern machten.

    Als Überraschungsgast hatten die Stramu-Macher am Samstag Unterfrankens bekanntesten Musiker aufgeboten: Andreas Kümmert aus Gemünden sang sich mit seiner Band „The Ron Lemons“ auf dem Marienplatz die Seele aus dem Leib.

    Am Abend zog die zwölfköpfige Gruppe „Frankonier“ die Zuschauer im Rathaus-Innenhof mit einer spektakulären Feuershow in ihren Bann. Kleine Anekdote am Rande: Weil dabei ein wenig Rauch ins Rathaus hinein zog, fürchteten die Stramu-Macher kurz, dass die Rauchmelder einen Feueralarm auslösen würden – dazu kam es glücklicherweise nicht.

    Dass die Zuschauer zufrieden bis begeistert waren, ließ sich an allen Drei Stramu-Tagen am Applaus und an den Münzen und Geldscheinen ablesen, die in den Hüten der Künstler landeten. Nach Aussagen einiger Künstler haben sich die Würzburger von ihrer großzügigen Seite gezeigt und die Auftritte auch finanziell honoriert: „Es war ein richtig gutes Wochenende für mich“, sagte die junge Engländerin Janileigh Cohen, die sich schon im letzten Jahr mit ihrer starken Stimme in die Herzen der Zuschauer gespielt hat. In Sachen Straßenmusik „ist Würzburg für mich der schönste Ort der Welt“, sagt Cohen.

    Sie ist Straßenmusikerin mit Leib und Seele: Im Mai musste sie bei einem Festival in Ludwigsburg auf einer Bühne spielen – das hat ihr nicht so gut gefallen: „Ich mag es viel lieber, dicht an meinem Publikum dran zu sein und den direkten Kontakt zu haben“, so die 26-Jährige aus Manchester. Nach gut acht Stunden Gesang und Gitarre spielen innerhalb von drei Tagen hatte die Stimme etwas gelitten und die Finger taten weh, trotzdem machte Cohen auch am Sonntag noch einen richtig glücklichen Eindruck.

    Nach drei Tagen total fertig

    Sie war nicht die Einzige, die gegen Ende des Festivals erschöpft war: „Wir sind total fertig, aber das ist nach drei Tagen normal“, erzählte Myron Manson, der Gitarrist und Sänger von „Malaka Hostel“. Die Freiburger Band hatte ein besonders hartes Wochenende hinter sich: Nach ihren Stramu-Shows am Freitag stand sie abends auch noch in Darmstadt bei einem Konzert auf der Bühne.

    Malaka Hostel spielen eine interessante und wilde Mischung aus Ska, Swing und Balkan-Grooves. Sie haben schon viele Straßenmusik-Festivals erlebt und waren zum ersten Mal in Würzburg: „Hier ist alles gut organisiert und dadurch für uns sehr angenehm. Man merkt auch, dass es das Festival schon länger gibt und sehr gut angenommen wird“, so Manson. Vor allem am Samstag „waren unsere Shows und die Stimmung der Leute sehr gut, es hat richtig Spaß gemacht. Natürlich ist es anstrengend, aber wir kriegen auch sehr viel Energie von den Zuschauern zurück“.

    Für den Würzburger Studenten Lukas Pfeuffer, der unter dem Künstlernamen „Winston Smith“ unter anderem schon in der Kellerperle aufgetreten ist, waren schon seine drei Auftritte am Samstag ziemlich anstrengend: „Ich bin normalerweise kein Straßenmusiker und das deshalb nicht gewohnt.“ Es war aber eine gute Übung, denn er möchte mit seiner Freundin im nächsten Sommer durch Europa reisen und viel auf der Straße spielen. Pfeuffer gehört zu den 15 jungen Künstlern und Bands aus der Region, die am Nachwuchswettbewerb der Sparda Bank teilgenommen haben – die Sieger wurden am Sonntagabend bei der Stramu-Gala im Rathaus-Innenhof gekürt.

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