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    Würzburg / Karlstadt

    Straßenverkehr: So bereitet sich das THW auf den Winter vor

    Im Winter kracht es auf Unterfrankens Autobahnen vor allem in den Höhenlagen. Andreas Herold vom THW sagt, wie sich seine Kollegen wappnen und auf die Einsätze vorbereiten.
    Diese Szenen wird es ganz sicher auch wieder in diesem Winter geben: Einsatzkräfte des THW beim Einsatz im Schnee.
    Diese Szenen wird es ganz sicher auch wieder in diesem Winter geben: Einsatzkräfte des THW beim Einsatz im Schnee. Foto: THW

    Der erste Bodenfrost kündigt es an: Nebel, Glätte und Schnee stellen Autofahrer bald wieder vor besondere Herausforderungen. Doch, überraschend: Trotz der schlechten Witterungsbedingungen und den Schwierigkeiten im Verkehr, fallen die Unfallstatistiken für das Winterhalbjahr verglichen mit den Sommermonaten nicht dramatischer aus. "Unserer Erfahrung nach fahren die Verkehrsteilnehmer im Winter insbesondere bei schlechter Witterung insgesamt vorsichtiger", sagt Kathrin Thamm, Sprecherin des Polizeipräsidiums Unterfranken. Im Sommer führe dagegen die höhere Verkehrsdichte durch Urlaubs- und Ausflugsfahrten zu mehr Verkehrsunfällen, so Thamm. So gab es auf den Autobahnen in Unterfranken im Jahr 2018 beispielsweise 2172 Verkehrsunfälle in den Wintermonaten - im Sommer desselben Jahres waren es 2754 Verkehrsunfälle.

    Brennpunkt Autobahn: Vor allem in den Höhenlagen gibt es Unfälle

    Brennpunkte auf den unterfränkischen Autobahnen sind im Winter insbesondere die höheren Lagen der Rhön und des Spessarts - zum Beispiel auf der A3 rund um den Kauppenberg zwischen Waldaschaff und Rohrbrunn oder bei Bad Brückenau auf der A7. Gerade auf Straßensteigungen fordern Glätte und starker Schneefall dann vor allem Lkw-Fahrer heraus.

    Zum Jahreswechsel 2018/2019 waren Hilfskräfte des THW nahezu dauerhaft wegen immenser Schneefälle im Einsatz – auch in anderen Regionen Bayerns. Auf dem Foto zu sehen sind Helfer des THW-Ortsverbands  Mellrichstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) bei ihrem Einsatz in Südbayern.
    Zum Jahreswechsel 2018/2019 waren Hilfskräfte des THW nahezu dauerhaft wegen immenser Schneefälle im Einsatz – auch in anderen Regionen Bayerns. Auf dem Foto zu sehen sind Helfer des THW-Ortsverbands Mellrichstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) bei ihrem Einsatz in Südbayern. Foto: Andre Federlein

    Um im Ernstfall schnell Hilfe leisten und den Verkehr regeln zu können, wappnen sich Einsatzkräfte und ehrenamtliche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) schon frühzeitig. Andreas Herold, Sachbearbeiter Einsatz bei der Regionalstelle des THW Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) berichtet, wie die Vorbereitungen für den Winterverkehr aussehen.

    Andreas Herold vom THW Karlstadt
    Andreas Herold vom THW Karlstadt Foto: Katrin Brendolise

    Ab wann stellt sich das THW auf den Winter ein?

    Für uns beginnt die richtige Vorbereitungszeit, wenn die Regierung von Unterfranken den "Winteralarmplan" übersendet, das ist meist bereits gegen Anfang Oktober. Der Plan wird jährlich aktualisiert und enthält alle wichtigen Absprachen zum schnellen Eingreifen auf den Autobahnen im Bereich Unterfranken in Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdiensten. Gleichzeitig regelt der Plan, wer im Einsatzfall an welchem Ort und mit welchem Fahrzeug in Bereitstellung geht, und wo sich die einzelnen Führungskräfte für eine Einsatzleitung zusammenfinden.

    Wie trainieren die Helfer des THW für Einsätze im Winter?

    Unsere Helfer üben das ganze Jahr über mit ihren Fahrzeugen, auch in schwierigem Gelände oder bei widrigen Straßenverhältnissen. Jeder Ortsverband hat die Möglichkeit, ein entsprechendes Fahrsicherheitstraining durchzuführen, zum Beispiel mit Rutschbahnen oder ähnlichen Herausforderungen.
    Die Helfer selbst verfügen mit ihrem persönlichem Einsatzanzug zudem über sehr gute Ausrüstung für Kälte und Nässe.

    Wie sieht die Einsatzausrüstung im Winter aus?

    Bei der "Winterfestmachung" unserer Ausstattung wird an allen Fahrzeugen ein technischer Dienst vorgenommen. Helfer prüfen die Flüssigkeitsstände oder ergänzen Frostschutz und Scheibenklar. Die Dieselvorräte in den Kanistern, die im Sommer getankt wurden, werden an die einzelnen Einheiten ausgegeben und durch Winterdiesel ersetzt.

    Wann ist das THW im Einsatz?

    Grundsätzlich stellt die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk auf Anforderung der bayerischen Landespolizei ganzjährig Einheiten bereit. Unsere Einheiten beziehen dann an "kritischen Wochenenden", zum Beispiel zu Ferienbeginn oder an Feiertagen, vorher vereinbarte Bereitstellungsräume und unterstützen die Polizei beim Aufrechterhalten oder Wiederherstellen des fließenden Verkehrs. Das beinhaltet so ziemlich jedes Einsatzszenario, das man sich auf Autobahnen vorstellen kann und fordert eine sehr gute Zusammenarbeit und Kommunikation mit allen beteiligten Behörden und Organisationen. In den Wintermonaten kommt das Anschleppen von liegengebliebenen Lkw an Steillagen hinzu, wenn die örtlichen Abschleppunternehmen der Lage nicht Herr werden können oder die Polizei den Einsatz von zusätzlichen Kräften fordert.

    Welche Schwierigkeiten stellen sich dem THW bei Einsätzen auf den Autobahnen? 

    Wenn wir gerufen werden, sind die Straßen meistens schon so blockiert, dass ein Durchkommen bis zum vordersten Fahrzeug auf dem konventionellen Weg nicht möglich ist. Es kommt dann vor, dass die Polizei Sperren einrichtet und wir gegen die Fahrrichtung auf die Autobahn auffahren müssen. Zur Herausforderung kann auch die Versorgungslage werden: Unsere Einheiten haben grundsätzlich immer kleinere Verpflegungssets mit Schokoriegeln, Getränken und ähnlichem dabei. Warmgetränke können wir aber nur an Führungsstellen bereitstellen.

    Eine besondere Herausforderung, die Sie schon erlebt haben? 

    In lange andauernden Staus, die bei liegengebliebenen Lkw unvermeidlich sind, beginnen viele Insassen in ihren Autos zu schlafen. Wenn es dann weitergehen soll, muss man sie teilweise einzeln wecken. Im schlimmsten Fall ist ihnen durch die laufenden Motoren und Heizungen dann noch der Kraftstoff ausgegangen. Dann müssen sie entweder bis zur nächsten Ausfahrt abgeschleppt oder die Autos aufgetankt werden. Reservekanister führt in heutiger Zeit fast keiner mehr mit.

    Das Technische Hilfswerk in Bayern
    In Bayern sind 111 der bundesweit 668 Ortsverbänden des THW angesiedelt. Nach eigenen Angaben, stehen den rund 160 hauptamtlichen Einsatzkräften etwa 14 000 ehrenamtliche Helfer zur Seite.
    Die Regionalstelle Karlstadt koordiniert als übergeordnete Servicestelle die Einsatzfähigkeit, Ressourcenverwaltung und Aufgabenverteilung für einzelne Ortsverbände des THW in Unterfranken. Dabei ist sie zuständig für die Ortsverbände Alzenau, Aschaffenburg, Karlstadt, Kitzingen, Lohr, Marktheidenfeld, Miltenberg, Obernburg, Ochsenfurt und Würzburg.
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