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    Veitshöchheim

    Streit mit Mieter: Vermieter muss 600 Euro zahlen

    Ein Streit zwischen Vermieter und Mieter landete jetzt vor Gericht. Foto: live_stockimages

     Als die Polizei anrückte, um die Wohnung seines Mieters zu durchsuchen, war für den Vermieter Schluss mit lustig: Er kündigte das Mietverhältnis. Das ist sein gutes Recht. Dass er allerdings einen Brief des Amtsgerichts an den 55-Jährigen "einbehielt", ist nicht in Ordnung. Und deshalb steht der Geschäftsmann jetzt vor dem Amtsgericht.

    Der Vorwurf: Unterschlagung und Nötigung

    "Unterschlagung" und "Nötigung" wirft die Staatsanwaltschaft dem bislang unbescholtenen 47-Jährigen vor. Und der Hausbesitzer versteht gar nicht so recht, warum.

    Hausdurchsuchung

    Tatsache ist, dass die Polizei bei der Durchsuchung der Räume seines Mieters fündig geworden war. Auf jeden Fall schickte das Amtsgericht Würzburg dem 55-Jährigen eine Anklage - und, wie der Mann im Zeugenstand erzählt, wurde er inzwischen verurteilt.

    Brief landet im Gemeinschaftspostkasten

    Der Brief des Gerichts, mit Poststellungsurkunde geschickt, landete im Gemeinschaftsbriefkasten, den sich Mieter und Vermieter teilten. Das Verhältnis war zu dieser Zeit bereits ziemlich zerrüttet, was daran lag, dass der Mieter dem Vermieter zwei Monatsmieten schuldig war. "Du hast 750 Euro Kaution von mir", hatte der Mieter dem Hausherrn per WhatsApp mitgeteilt, "mehr kriegst du nicht".

    Eingangstüre ging zu Bruch

    Aber der Vermieter wollte mehr. Schließlich war bei dem Polizeieinsatz nicht nur die Eingangstür zur Wohnung zu Bruch gegangen. Es gab auch ein kaputtes Waschbecken und die Räume befinden sich bis heute, so der 47-Jährige, "in einem fürchterlichen Zustand".

    Persönliches Gespräch gesucht

    "Ich wollte ein persönliches Gespräch mit meinem Mieter", sagt der Hausherr vor Gericht. Als er den Brief aus dem Briefkasten geholt hatte, fotografierte er ihn, schickte dem 55-Jährigen das Bild und forderte ihn auf, vorbeizukommen. Aber der Mieter mochte nicht mit dem Angeklagten reden und bat seine Freundin, den Brief abzuholen, was dem Vermieter wiederum nicht passte. Auf jeden Fall liegt das Schreiben des Gerichts bis heute bei dem 47-Jährigen.

    Wütend auf den Vermieter

    Im Zeugenstand gibt der Mieter, der inzwischen bei seiner Freundin lebt, aber weder seine alte Wohnung komplett ausgeräumt, noch die Schäden beseitigt oder die Mietrückstände beglichen hat, freimütig zu, dass er "wütend" auf seinen Vermieter war, weil dieser Forderungen an ihn gestellt hatte.

    Einstellung des Verfahrens

    Nach der Zeugenvernehmung des 55-Jährigen bringt der Richter die Sache auf den Punkt. Was hier ablief, seien "typische Männergespräche" gewesen: "Es wurde nicht viel geredet". Sein Vorschlag, dem der Staatsanwalt zustimmt: Eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit und unter der Voraussetzung, dass der Vermieter 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt.

    Hausherr behält weiße Weste

    Der angeklagte Hausherr ist erleichtert. Zum einen behält er seine weiße Weste. Und zum anderen "spart" er 600 Euro. Der Strafbefehl, den er bekommen und gegen den er Einspruch eingelegt hatte, belief sich nämlich auf 30 Tagessätze zu je 40, insgesamt also 1200 Euro. Wenn der 47-Jährige die 600 Euro überwiesen hat, ist die Sache für ihn erledigt.

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