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    Knetzgau / Würzburg

    Streit ums Chlor im Trinkwasser: Welche Orte sind betroffen?

    Der größte Störfall in Unterfranken, aufgrund dessen dem im September vergangenen Jahres auf einen Schlag 50.000 Verbraucher ihr Wasser abkochen mussten, ereignete sich am Zellinger Hochbehälter (Lkr. Main-Spessart). Dort wird noch bis Frühjahr 2020 gebaut und voraussichtlich auch gechlort. Foto: Kathrin Königl

    Stefan Paulus ist sauer. Der Bürgermeister der Gemeinde Knetzgau (Landkreis Haßberge) stellt klar, dass das Trinkwasser der 14 ans Wassernetz des Zwecksverbandes Knetzgau-Sand-Wonfurt angeschlossenen Orte und Gemeinden nicht dauerhaft gechlort wird, wie von den Bayerischen Staatsministerien für Gesundheit und Pflege sowie für Umwelt und Verbraucherschutz falsch vermeldet und in dieser Zeitung berichtet wurde. Dies betrifft die Verbraucher in Dampfach, Eschenau, Hainert, Horhausen, Knetzgau, Limbach, Oberschwappach, Sand, Steinsfeld, Unterschwappach, Westheim, Wohnau, Wonfurt und Zell.

    Laut Bayerischer Staatsregierung gab es in den vergangenen fünf Jahren in Unterfranken etwa 70 Störfälle in Trinkwasserversorgungseinrichtungen, darunter mehr als 60 Keimfunde sowie über 30 Dauerchlorungen.

    Gesundheitsministerium räumt Missverständnis ein

    Das Wasser der Knetzgau-Sand-Wonfurt-Gruppe wurde in den vergangenen fünf Jahren aber nur "sicherheitshalber bei Main-Hochwasser" und "maximal 70 Tage lang, aber nicht dauerhaft" gechlort, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Es handele sich um einen Irrtum beim Datenaustausch mit dem Gesundheitsamt. Größter Wasserabnehmer des Wasserzweckverbands ist das Unternehmen Coca-Cola mit einem Standort in Knetzgau. Stephan Leitschuh vom Gesundheitsamt Haßberge berichtigt außerdem, dass auch das Trinkwasser der Gemeinde Untermerzbach mittels Ozon, im Ortsteil Nassach der Gemeinde Aidhausen und in Limbach, einem Stadtteil von Eltmann mittels Ultrafiltration und UV statt mit Chlor gereinigt wird. Insgesamt desinfizieren laut Gesundheitsamt 22 Wasserversorger im Landkreis Haßberge das Trinkwasser mittels Chlor oder UV-Anlage.

    In Mönchberg (Landkreis Miltenberg) wird nicht gechlort

    Auch in Mönchberg im Landkreis Miltenberg wird derzeit nicht gechlort, stellt Bürgermeister Thomas Zöller klar - ein Fehler dieser Redaktion. Seit rund zehn Jahren reinigt dort eine Ultrafiltrationsanlage das Trinkwasser. Und im Landkreis Würzburg wird das Trinkwasser einzelner Gemeinden nicht überall, sondern nur in bestimmten Ortsteilen gechlort. Von Chlorgeschmack im Trinkwasser betroffen sind unter anderem die Kunden der Mühlhausener Gruppe - seit 1997 - im Bergtheimer Ortsteil Opferbaum, im Estenfelder Ortsteil Mühlhausen, in den Ortsteilen Rupprechtshausen und Hilpertshausen der Gemeinde Unterpleichfeld und in Erbshausen-Sulzwiesen der Gemeinde Hausen.

    Gründe für die Chlorungen seien keine aktuellen Störfälle, schreibt das Gesundheitsamt Würzburg auf Anfrage, sondern Reparaturen an teils maroden Leitungen, Bauarbeiten an Hochbehältern, Pumpenausfall, immer wiederkehrende Auffälligkeiten des Brunnenwassers oder die Desinfektion bei der Aufbereitung von Oberflächenwasser. In den Würzburger Stadtteilen Heuchelhof und Heidingsfeld wird seit dem 13. Juni über die Sommermonate hinweg gechlort, um Verkeimungen vorzubeugen.

    Im Hochbehälter Zellingen (Lkr. Main-Spessart) wird das Wasser seit einem Jahr gechlort. Betroffen sind 13 Gemeinden im Lkr. Würzburg sowie Zellingen im Lkr. Main-Spessart. Foto: Angelika Kleinhenz

    Alte Anlagen oder Wildschweine: Wie werden Keime eingetragen?

    Aktuelle Störfälle in Unterfranken: In Gramschatz (Ortsteil von Rimpar) wurden in diesem Jahr Enterokokken, Escherichia coli und coliforme Keime, in Oberaltertheim Enterokokken und in Unteraltertheim im Jahr 2018 wiederholt coliforme Keime gefunden. Während in Gramschatz Oberflächenwasser in eine der Kammern des Hochbehälters geraten war und in Oberaltertheim ein Leck im Ortsnetz entdeckt wurde, wird in Unteraltertheim der Brunnen und sein Einzugsgebiet weiter untersucht.

    Im Landkreis Kitzingen wird das Wasser des Marktes Geiselwind mit den Ortsnetzen Geiselwind (Teilbereich), Füttersee, Ilmenau, Burggrub, Neugrub, Holzberndorf, Wasserberndorf, Sixtenberg und Hohnsberg wegen eines Störfalls gechlort. Dort wurde 2019 ein coliformer Keim in einer Wasserprobe entdeckt. Die Überprüfung des Wassereinzugsgebiets sei allerdings aufwändig, so das Gesundheitsamt Kitzingen, und dauere an.

    Die Baumaßnahmen am Hochbehälter Zellingen (Lkr. Main-Spessart) dauern weiter an - voraussichtlich bis Frühjahr 2020. Keime wurden nicht mehr gefunden, doch das Wasser wird gechlort. Foto: Kathrin Königl

    In Emmerichsthal muss Wasser seit Oktober 2018 abgekocht werden

    Im Landkreis Main-Spessart wurden heuer Fäkalkeime in den Gemeinden Emmerichsthal und Arnstein sowie in der Stadt Marktheidenfeld nachgewiesen. In Arnstein gibt es laut Gesundheitsamt Main-Spessart einen Brunnen, der verkeimt ist und in Marktheidenfeld wird vermutetet, dass Keime durch Baumaßnahmen eingetragen wurden. In Emmerichsthal wurde der Zaun um die Quelle erneuert, damit keine Wildschweine eindringen können, eine UV-Anlage wurde installiert und eine Totleitung im Ortsnetz abgetrennt. Bis alles fertig ist wird das Wasser gechlort und muss zudem von den Verbrauchern seit fast einem Jahr abgekocht werden.

    Und das Wasser der 50.000 Verbraucher westlich von Würzburg, die Wasser vom Zellinger Hochbehälter beziehen, in dem 2018 Fäkalkeime entdeckt wurden? Ist seit 2019 absolut keimfrei, so die Gesundheitsämter Würzburg und Main-Spessart. Doch gechlort werde sicherheitshalber voraussichtlich bis zum Ende der Baumaßnahmen im Frühjahr 2020.

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