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    SuedLink-Gegner: Studie stellt Netzplanung in Frage

    Wie das Stromnetz in Zukunft ausgebaut wird, legt der Bund fest. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss: Dieser Plan sei fehlerhaft. Was heißt das für die SuedLink-Trasse?
    Die Planung des Bundes für die weitere Netzentwicklung ist nach Überzeugung des Wirtschaftswissenschaftlers Lorenz Jarass fehlerhaft. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Der Verlauf der umstrittenen Stromtrasse SuedLink soll noch in diesem Jahr festgezurrt werden – allerdings geht der Protest gegen das Milliardenprojekt weiter. Mehrere Bündnisse und Bürgerinitiativen auch aus Unterfranken haben an diesem Donnerstag in Berlin eine eigene Studie zur Netzentwicklung und zum Energiebedarf vorgestellt. Ergebnis: In der aktuellen Planung des Bundes würden die Kosten für den Ausbau des Netzes nicht berücksichtigt, heißt es in einer Mitteilung der Trassengegner. Das sei ein "schwerer methodischer Fehler", der zu einem "überhöhten Netzausbau" führe.

    Wie das Stromnetz in den kommenden Jahren ausgebaut wird, schreibt der Netzentwicklungsplan (NEP) 2030 fest. Insgesamt 114 Maßnahmen sind darin bestätigt, darunter auch der SuedLink. All diese Projekte sind laut Bundesnetzagentur für eine sichere Stromversorgung 2030 notwendig.

    Sind die großen Trassenprojekte für die Energiewende notwendig? Die Frage polarisiert bundesweit. Foto: Nicolas Armer, dpa

    Der bundesweite Zusammenschluss der Trassengegner bezweifelt das. Sie haben deshalb von Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass die Studie erstellen lassen. Sein Fazit: Im aktuellen Netzentwicklungsplan blieben die Ausbaukosten unberücksichtigt. Dieser Fehler mache die gesamte Bedarfsanalyse "fragwürdig" und benachteilige eine dezentrale Stromerzeugung, wodurch wiederum die Energiewende behindert werde.

    Bundesnetzagentur sieht Jarass' Ergebnisse skeptisch

    Aus Jarass‘ Sicht wurden zudem Alternativen, die den Netzausbau verringern könnten, in den bisherigen Planungen nicht bedacht. Als Beispiel nennt er sogenannte Power-to-Gas-Konzepte, bei denen zu viel produzierter Strom an der Küste in Gas umgewandelt und in dieser Form genutzt, gespeichert oder transportiert wird. "Dadurch würden zum Beispiel die geplanten Gleichstromkabel SuedLink und SuedOstLink entbehrlich", so Jarass.

    Professor Lorenz Jarras bei einem Vortrag zur Notwendigkeit neuer Stromtrassen in der Region (Archivbild). Foto: Nike Bodenbach

    Die Bundesnetzagentur sieht Jarass‘ Ergebnisse skeptisch. Der für die Energiewende erforderliche Netzausbau könne nur durch "Marktsimulationen mit anschließenden elektrotechnischen Berechnungen des Stromnetzes" belastbar bestimmt werden, teilt eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage dieser Redaktion mit. Der Bundesnetzagentur sei nicht bekannt, "dass Herr Professor Jarass solche Berechnungen vorgenommen hätte oder den Nachweis geführt hätte, dass seine fiktiven Überlegungen zur Berücksichtigung der Netzausbaukosten im Marktgeschehen zu umsetzbaren oder besseren Ergebnissen kommen".

    Entscheidung über Verlauf des SuedLink in Unterfranken erst Mitte des Jahres

    Hingegen fühlen sich Trassengegner aus Unterfranken durch die Studie bestätigt. Sie zeige, dass die Trassen lediglich "ein Modell der Stromvermarktung" seien, sagt Matthias Göbel von der Bürgerinitative (BI) "Bergrheinfeld sagt Nein zu SuedLink", die seit Jahren gegen die Stromautobahnen mobil macht. Der SuedLink sei noch weit davon entfernt, überhaupt gebaut zu werden. "Wir sind der festen Überzeugung, die Trassen noch zu stoppen."

    Dass sie damit Erfolg haben könnten, halten die Netzbetreiber für unwahrscheinlich. "Der SuedLink wird definitiv nicht gekippt", sagt TransnetBW-Sprecher David Moser.

    Im Jahr 2026 soll die Stromautobahn in Betrieb gehen und dann per Erdkabel Windstrom von der Nordsee in den Süden Deutschlands transportieren. Für den Verlauf der SuedLink-Trasse hatten die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW im Februar einen Korridor vorgeschlagen und bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Von Schleswig-Holstein zieht sich dieser westlich an Hannover vorbei über Nordhessen und Südthüringen nach Unterfranken und Baden-Württemberg.

    Abschnittsweise will die Behörde in den kommenden Monaten nun über diesen Vorschlag entscheiden. In Unterfranken bleibt die Strecke vermutlich bis Mitte des Jahres unklar.

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