• aktualisiert:

    WÜRZBURG

    Tanzfest im Müllheizkraftwerk

    Versprechen ein ebenso spannendes wie „schräges“ Tanzfest: (vorne, von links) Ballettdirektorin Anna Vita und Martina Vornberger vom Vorstand des Vereins Runder Tisch Tanz; (hinten von links) die Tänzer Dominik Blank und Lisa Kuttner, Projektleiter Dirk Elwert, Ballettmeister Marius Krisan sowie Kulturreferent Muchtar Al Ghusain.
    Versprechen ein ebenso spannendes wie „schräges“ Tanzfest: (vorne, von links) Ballettdirektorin Anna Vita und Martina Vornberger vom Vorstand des Vereins Runder Tisch Tanz; (hinten von links) die Tänzer Dominik Blank und Lisa Kuttner, Projektleiter Dirk Elwert, Ballettmeister Marius Krisan sowie Kulturreferent Muchtar Al Ghusain. Foto: Pat Christ

    Da, wo es normalerweise um Müllentsorgung geht, gibt es am 5. Juli Tanzkultur satt: Unter der Überschrift „Würzburg tanzt mit Energie“ wird im Müllheizkraftwerk (MHKW) in der Gattingerstraße ein rauschendes Tanzspektakel veranstaltet. Eingebettet ist die Show in das Festival „Würzburg tanzt fantastisch“. Organisiert vom Verein Runder Tisch Tanz wird an fünf Tagen Bewegungskunst von Ballett über zeitgenössischen Tanz bis hin zu HipHop präsentiert.

    Bevor es in die Müllverbrennungsanlage geht, findet zum Festivalauftakt am 4. Juli ein von Dominik Blank choreografierter Flashmob im Rathausinnenhof statt. Bis zu 80 Tänzer werden um 15, 16 und 17 Uhr jeweils für eine Viertelstunde zu japanischer Trommelmusik der Formation Todoroki Wadaiko agieren. Um 20 Uhr wird der erste Festivaltag im tanzSpeicher mit einer Kurzpräsentation der neuen Produktion „Alle Zeit der Welt“ fortgesetzt. Choreograf Thomas Kopp zeigt darin ein Gegenbild zu einem Zeitgeist, der von optimalem Zeitmanagement und größtmöglicher Effizienz in allen Lebensbereichen geprägt ist.

    Tanz ist nicht nur das, was mit Prima Ballerina-Spitzenschuhen aus Satin und einem hellrosa Tutu-Röckchen geschieht, will das Tanzfest zum zweiten Mal zeigen. Deutlich werden soll dies vor allem im MHKW am 5. Juli ab 17.30 Uhr. „2011 hatten wir uns noch etwas bang gefragt, ob die Würzburger wirklich in ein Müllheizkraftwerk gehen, um zeitgenössischen Tanz zu sehen“, so Projektleiter Dirk Elwert. Mit höchstens 200 Besuchern hatten die Organisatoren gerechnet: „Über 400 Menschen waren neugierig auf diesen Ort.“ Elwert hofft, dass auch heuer wieder so viele Zuschauer kommen.

    Wie bei der ersten Festivalauflage werden sie im MHKW eine Menge zu sehen kriegen. Zunächst zeigen Würzburger Nachwuchstänzer ihr Können. Im zweiten Teil des Abends treten internationale Stars auf: Janina Bobrowski, Katja Wachter, Elisabetta Lauro und der taiwanische Choreograf Shang Chi Sun. Letzter machte 2013 mit einer Produktion zum Thema „Stille“ auf sich aufmerksam. Auf der MHKW-Bühne wird er auch sein „Uphill“ überschriebenes Versteckspiel für drei Männer präsentieren.

    „Das Tanzfest ist ein Glücksfall, weil es Institutionen vernetzt.“
    Muchtar Al-Ghusain Würzburgs Kulturreferent

    Auch heuer wird das Festival wieder vom Zweckverband Abfallwirtschaft subventioniert. Daneben ermöglichen die Stadt Würzburg und die Sparkassen-Stiftung, dass das Tanzfest stattfinden kann. Das Budget allerdings ist im Vergleich zu 2011 um nahezu die Hälfte geschrumpft. Laut Elwert standen vor drei Jahren 68 000 Euro zur Verfügung: „Diesmal sind es nur noch 40 000.“ Das liegt daran, dass Anschubfinanzierer wegfielen. Anders als vor drei Jahren werden außerdem auch nicht mehr so viele originelle Orte wie damals etwa das Justizzentrum bespielt.

    Allerdings geht es auch nicht um Originalität um der Originalität willen, betont Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al-Ghusain, Initiator des Runden Tischs Tanz. Für ihn ist das Tanzfest allein deshalb ein „Glücksfall“, weil es gelang, unterschiedliche Institutionen zu vernetzen. „Dass sich ein Stadttheater öffnet und mit der freien Szene arbeitet, ist bundesweit gesehen alles andere als selbstverständlich“, erklärt er.

    Die Trommler der Würzburger Formation Todoroki Wadaiko zeugen ebenso wie der Vertikalartist Moritz Haase davon, dass das Festival nach wie vor im Zeichen der „Öffnung“ steht. Auch wird weiterhin an nicht ganz gewöhnlichen Orten getanzt. Etwa bei der kostenlosen Stadtführung „Innenhöfe - Orte der Begegnung“, die am 5. Juli um 15 Uhr beginnt. „Hierbei werden Musik und Tanz aufeinandertreffen“, verrät die Würzburger Tänzerin Lisa Kuttner. Neu ist auch, dass auf der Freilichtbühne des Theaters am Neunerplatz getanzt wird: Bei einer Matinee gibt es hier am 6. Juli ab 11 Uhr ein breites Spektrum verschiedener Tanzformen zu sehen.

    Eine Ballettgala im Mainfranken Theater bildet am 7. und 8. Juli das Finale des Großereignisses. Unter der Regie von Ballettdirektorin Anna Vita und dem Motto „Würzburg tanzt spitze“ werden Höchstleistungen gezeigt. Eingeladen sind Compagnien aus Ulm, Karlsruhe, Mannheim, Prag und Amsterdam. Das Ballettensemble des Mainfranken Theaters wird dem Publikum eine eigens für die Gala kreierte Choreografie des Stuttgarters Louis Stiens vorstellen. Auch er steht für das Ungewöhnliche: Mit „Slam“ verlegte Stiens vor einem Jahr ein Tanzstück mitten hinein in Stuttgarts Stadtverkehr.

    Das Programm und weitere Informationen wie zum Vorverkauf gibt es im Internet unter der Adresse www.tanztisch-wuerzburg.de.

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!