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    WÜRZBURG

    Tanzspeicher in finanzieller Not

    Nothelfer gesucht: Thomas Kopp, der Chef des Tanzspeichers, hofft auf höhere Zuschüsse. Die Stadt soll doppelt, der Freistaat dreimal so viel bezahlen wie bisher.
    Nothelfer gesucht: Thomas Kopp, der Chef des Tanzspeichers, hofft auf höhere Zuschüsse. Die Stadt soll doppelt, der Freistaat dreimal so viel bezahlen wie bisher. Foto: Theresa Müller

    Zu wenig Geld für große Sprünge: Der Tanzspeicher, privates Theater für zeitgenössischen Tanz und im Kulturspeicher zuhause, steht vor dem finanziellen Aus. Thomas Kopp, Gründer und Leiter der Bühne, sagt: „Wir sind an einem Punkt, wo wir nicht mehr weiter wissen.“

    80 bis 100 Zuschauer haben im Theater Platz. 3000 besuchten im vergangenen Jahr 90 Vorstellungen. Der Tanzspeicher bezieht bislang 70 000 Euro Förderung im Jahr: 50 000 Euro von der Stadt, 15 000 Euro vom Freistaat, 5000 Euro vom Bezirk. Zum Vergleich: Rainer Binz, der Chef des Theater Chambinzky, sagt, sein Haus bringe im Jahr rund 330 Vorstellungen auf die Bühne, vor etwa 20 000 Zuschauern, bezuschusst mit circa 85 000 Euro (rund 60 000 Euro von der Stadt, gut 20 000 Euro vom Freistaat, knapp 5000 Euro vom Bezirk).

    Kopp sucht Geldgeber. Am Wochenende lädt er zu einer Benefizgala und sucht Sponsoren. Er wirbt um Hilfe mit dem Hinweis, der Tanzspeicher sei das einzige Theater für zeitgenössischen Tanz im süddeutschen Raum. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat ihn erhört: Es stellte im Wahlkampf einen jährlichen Zuschuss von 50 000 Euro in Aussicht, mehr als das Dreifache der bisherigen Förderung. Voraussetzung: Die Stadt Würzburg erhöht ihre Förderung ebenfalls. Eine exakte Summe nennt das Ministerium nicht. Kopp hofft auf eine Verdoppelung des städtischen Zuschusses auf 100 000 Euro. Der Tanzspeicher wäre damit die mit Abstand bestgeförderte private Bühne in Würzburg.

    Kopp berichtet von gegenwärtig 120 000 Euro Ausgaben im Jahr. Eine Eigenproduktion koste mindestens 25000 Euro. Die Tänzer kämen von auswärts, die Bühne übernehme Fahrt- und Übernachtungskosten und zahle Honorare. Dazu kommen die Miete von 20 000 Euro jährlich, Betriebs- und Verwaltungskosten. Ehrenamtlich sei die Bühne nicht mehr zu betreiben; künftig müsse er Mitarbeiter bezahlen.

    Programmänderungen, die mehr Zuschauer bringen könnten, hat Kopp nicht am Sinn. Das bisher Gezeigte mache den Tanzspeicher aus, sagt er. Er wolle aber „das Profil schärfen“, mit experimentellen und fächerübergreifenden Produktionen. Kopp holt Gastspiele, er arbeitet, berichtet er, mit Schulen und Kirchengemeinden zusammen.

    Die Stadt unterstützt das Chambinzky und die anderen sieben privaten Bühnen mit insgesamt 170 000 Euro: Theaterwerkstatt 26 200 Euro, Theater Ensemble 21 500 Euro, Theater am Neunerplatz 25 100 Euro, Theater Augenblick 12 100 Euro, Plastisches Theater Hobbit 9000 Euro, Theater Spielberg 10 570 Euro und Kasperhaus 6200 Euro. Die Mehrzahl dieser Bühnen zeigt ein Mehrfaches an Vorstellungen des Tanzspeichers und lockt deutlich mehr Publikum. Den Vergleich lässt Kopp nicht gelten. „Wenn ich mehr Geld habe, kann ich mehr spielen, habe ich mehr Zuschauer.“ Und über Qualität, meint er, müsse man nicht sprechen; nationale und internationale Stars tanzten bei ihm.

    Auch Binz räumt ein, dass die finanziellen Aufwendungen unterschiedlich sind. Er „gönne immer allen alles“, aber „man muss auf dem Teppich bleiben“. Eine Chambinzky-Eigenproduktion koste maximal 10 000 Euro. Er würde auch gerne mit Profis arbeiten, aber „ich kann's halt nicht. Deswegen mache ich das Chambinzky nicht zu“. Kopp findet es falsch, nur auf die Zahlen zu schauen. Mit dem Tanzspeicher habe Würzburg „etwas, was andere Städte nicht haben“. Die Frage, die zu stellen sei, laute: „Mag Würzburg sich so ein Theater halten?“ Er meint ja, der Tanzspeicher sei ein Aushängeschild für die Stadt.

    Im November berät der Stadtrat den Haushalt und entscheidet über die Förderung des Tanzspeichers.

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    Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung

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