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    TAUBERRETTERSHEIM

    Tauberrettersheim: Kommt das Landschaftsschutzgebiet zurück?

    Die Flächen oberhalb des Wohnhauses mit Pferdestall (Bildmitte) sollen laut Antrag der Grünen im Würzburger Kreistag wie... Foto: Thomas Obermeier

    Ein Wohnhaus mit Pferdestall steht bereits an einem der schönsten Hänge im Taubertal. Die Lage ist top, die Aussicht prächtig. Ringsum Natur. Gebaut wurde die Villa im ehemaligen Landschaftsschutzgebiet. Den Bauherren kam zugute, dass im Mai 2000 der Würzburger Kreistag zustimmte, eine Fläche von 4,3 Hektar am Karlsbergweg in Tauberrettersheim aus dem Landschaftsschutzgebiet zu nehmen. Für 30 Millionen Mark wollte damals die Emdener W. H. Janssen Gruppe auf dem schönen Fleckchen Erde einen luxuriösen Alterssitz für gut betuchte Senioren bauen. Weil die Kreisräte der Entwicklung Tauberrettersheims nicht im Wege stehen wollten, stimmten sie für die Herausnahme aus dem Schutzgebiet „Täler der Tauber, Gollach, Steinach und angrenzende Wälder“. Naturschutzbeirat, die untere Naturschutzbehörde und der Bund Naturschutz hatten sich dagegen ausgesprochen. Der Kreisausschuss ebenfalls.

    Jahrelang tat sich am Karlsbergweg nichts. Die Emdener Investoren gaben ihre Pläne wieder auf. Im Oktober 2012 schließlich stellte die Tochter des Tauberrettersheimer Bürgermeisters Hermann Öchsner eine Bauvoranfrage, um auf dem Grundstück ihres Vaters ein Wohnhaus zu bauen. Weil die Tochter Pferde halten wollte, erteilte das Würzburger Landratsamt auch die Baugenehmigung für den Außenbereich. Allerdings hat der Pferdestall bis heute noch keine Rösser gesehen. Im Stall und auf der Weide werden stattdessen Alpakas gehalten.

    Vier Grundstücke gehören der Gemeinde Tauberrettersheim

    Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Würzburger Kreistag befürchtet nun, dass am Karlsberg weitere Häuser gebaut werden und beantragt, dass 2,73 Hektar Land wieder Landschaftsschutzgebiet werden. Vier Grundstücke davon gehören der Gemeinde Tauberrettersheim, ein Grundstück dem Bürgermeister der Gemeinde, ein weiteres vier privaten Miteigentümern. Der Tauberrettersheimer Gemeinderat ist einstimmig gegen die Wiederaufnahme in das Landschaftsschutzgebiet. Bürgermeister und ein Gemeinderat durften sich aus persönlichen Gründen an der Abstimmung nicht beteiligen, weil sie Grundstücke besitzen, die vom Antrag der Grünen betroffen sind.

    Nun beschäftigte sich der Umwelt-und Bauausschuss des Kreistages mit dem Ansinnen der Grünen. Die Angelegenheit wird zum Politikum. Das zeigt sich schon daran, dass sich die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt mit einer Bewertung zurückhält. Die Kreisräte sollen entscheiden – und die stehen unter Druck. Denn einer der Grundstücksbesitzer hat bereits angekündigt, sich mit allen rechtlichen Mitteln zu wehren. Das bedeute, der Verwaltungsgerichtshof in München müsse entscheiden, führte Miriam Haas, die Leiterin des Umweltamtes aus.

    Naturschutzbeirat will Landschaftsbild erhalten

    Vor allem Kreisräte der UWG-Fraktion äußerten ihre Bedenken. Sie trafen sich vor Ort mit UWG-Bürgermeister Hermann Öchsner, der ihnen die schwierige Lage Tauberrettersheims schilderte. Das kleine Örtchen im Taubertal habe kaum Erweiterungsmöglichkeiten. Die Tauber im Norden und die geschützten Hänge im Süden schränkten die Entwicklung ein, führte UWG-Kreisrat Thomas Rützel im Ausschuss aus. Andere hatten Bedenken, dass der Grundstücksbesitzer das momentane Ackerland nicht mehr als Grünland gefördert bekommt. Das sei aber kein Problem, erklärte Juristin Haas.

    Bauchschmerzen hatten die Kreisräte auch, weil sie sich nicht über den Beschluss des Tauberrettersheimer Gemeinderates hinwegsetzen wollen. „Gegen den Beschluss der Gemeinde zu handeln, wäre ein Novum", so Landrat Eberhard Nuß (CSU). Und weil man nicht von „oben nach unten“ entscheiden will, schlug Björn Jungbauer (CSU) vor, sich doch noch einmal in Tauberrettersheim ein Bild von der Landschaft zu machen. Das wollen die Kreisräte auch alsbald tun. Mitglieder des Naturschutzbeirates waren bereits vor Ort. Einstimmig plädieren sie dafür, die Flächen wieder unter Landschaftsschutz zu stellen. Auch, um das schöne Landschaftsbild zu erhalten und um eine weitere Bebauung hangaufwärts zu verhindern.

    Bürgermeistertochter will jetzt Doppelgarage bauen

    In diesem Zusammenhang stellt sich nun auch die Frage, wie das Würzburger Landratsamt mit einem weiteren Bauantrag der Bürgermeistertochter umgehen wird. Diese möchte neben ihrem Wohnhaus nun auch noch eine Doppelgarage im Außenbereich bauen. Eine Entscheidung hat die Behörde noch nicht getroffen.

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