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    KLEINRINDERFELD

    Tobias und der Traum von der großen Fastnachts-Bühne

    Für Außenstehende mag die Präsentation einer Büttenrede vielleicht einfach aussehen, aber wie viel Fleiß und Proben dahinter stecken, wissen nur die Aktiven. Einer von ihnen ist Tobias Jodl. Der 15-jährige Kleinrinderfelder ist seit mehreren Jahren Mitglied im Kleinrinderfelder Karnevals Club und schnuppert in diesem Jahr zum zweiten Mal Fernsehluft – bei der Närrischen Weinprobe im Staatlichen Hofkeller unter der Würzburger Residenz.

    Von Null auf hundert

    Fasching ist die schönste Zeit im Jahr – da ist sich Tobias Jodl sicher. Für den Fastnachts-Narr hat alles im Jahr 2013 angefangen, da fasste der damals Elfjährige den Beschluss, Kinderprinz in seinem Heimatort zu werden – von heute auf morgen und ohne jegliche Faschings-Vorkenntnisse. Er trat dem KKC Kleinrinderfeld bei, und ein Jahr später wurde er tatsächlich zum Kinderprinzen 2014 ernannt.

    „Da habe ich dann Blut geleckt, wie man so schön sagt“, erinnert sich der Schüler, der das Riemenschneider-Gymnasium in Würzburg besucht, „es war schön zu sehen, wie das Publikum gelacht und geklatscht hat.“

    Dabei ist er, wie die wenigsten der Aktiven, karnevalistisch nicht vorbelastet. Er stammt aus keiner Faschingsfamilie, die Bütt wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. „Bei mir war das quasi von Null auf hundert. Obwohl meine Eltern mit Fasching nichts am Hut haben, habe ich mir immer gedacht, 'Faschingsprinz zu sein, des wär doch was‘“, sagt er und rollt dabei kräftig das R. Ein richtiger Franke eben. Dann habe er all seinen Mut zusammen genommen und bis heute nichts bereut.

    Pleiten, Pech und Pannen

    Denn nun ist er sogar so weit, dass er eine Jury von sich überzeugen konnte und sein närrisches Talent einem Millionenpublikum vor dem Fernseher präsentieren darf.

    Bei der Närrischen Weinprobe geben sich die Besten aus der fränkischen Fasenachterzunft die Ehre, so etwa Michl Müller. Und eben Tobias Jodl mit seiner Bütt zum Thema Pleiten, Pech und Pannen. „Meine gereimte Bütt ging darum, dass ich ein Pechvogel bin, dass alles nicht so läuft, wie es soll, und andauernd irgendetwas passiert“, erzählt er.

    Zu wissen, dass diesen Auftritt bald mehr als 1,5 Millionen Menschen sehen werden, muss einen doch wahnsinnig nervös machen, oder? „Nö“, sagt der 15-Jährige locker. „Klar war da eine gewisse Grundanspannung, aber es war nicht so, dass ich da stand und nicht mehr konnte vor Aufregung.“ Es ist ja auch nicht der erste Auftritt vor laufender Kamera für ihn gewesen. Sein Fernsehdebüt feierte er 2017 bei der Narrennachwuchssitzung des Fastnachts-Verbandes Franken „Wehe wenn wir losgelassen“.

    Hier dürfen sich Kinder und Jugendliche in der Bütt beweisen und zeigen, dass nicht nur die „Großen“ Fastnacht können. „Ich hab' das Erlebnis, wenn aufgezeichnet wird, also schon gekannt. Es wird alles von vorn bis hinten durchorganisiert, man muss sich um nichts Gedanken machen“, sagt er. Trotzdem sei es natürlich etwas Außergewöhnliches, zu sehen, dass überall Kameras stehen und Menschen mit Headsets und Mikrofonen herumirren. „Es ist ein anderes Gefühl wie daheim auf der Bühne.“

    Eltern als große Unterstützer

    Obwohl Tobias' Eltern keine Faschingsnarren sind, unterstützen sie ihren Sohn bei seinem Hobby und stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite. So schreibt sein Vater Steffen Jodl sogar die Büttenreden. Am Endprodukt feilen Vater und Sohn dann gemeinsam, aber um Mimik und Betonung kümmert sich Tobias ganz allein.

    Während sich andere Jungs in seinem Alter für Fußball oder Spielekonsolen interessieren, sitzt Tobias zuhause und probt für seine Auftritte. Oder spielt Trompete. Oder ist bei der Jugendfeuerwehr. Oder spielt Theater. Oder macht Bujinkan Budo Taijutsu, eine japanische Kampfkunst. So viele Hobbies und all das neben der Schule? „Klar, das geht. Sind ja meistens eh Abendtermine“, sagt der Zehntklässler. Doch Zeit zum Träumen bleibt immer. So würde der Gymnasiast gerne einmal bei der Fastnacht in Franken auftreten, „weil da ein noch größeres Publikum ist und Michl Müller dort groß geworden ist.“

    Ein Berufswunsch als Comedian oder Kabarettist würde da wohl naheliegen. Doch Tobias hat andere Ziele: „Ich würde gerne Feuerwehrmann oder Polizist werden.“ Also ist der 15-jährige Fastnachts-Narr wohl doch ein ganz normaler Jugendlicher, mit ganz normalen Zielen.

    Die Närrische Weinprobe im Bayrischen Fernsehen

    Die Närrische Weinprobe wird jedes Jahr im Staatlichen Hofkeller zu Würzburg unter der Residenz aufgezeichnet. Gastgeber ist Martin Rassau von der Comödie Fürth; unterstützt wird er von der ehemaligen Fränkischen und Deutschen Weinkönigin Nicole Then, die von den Bewerberinnen für das Königinnenamt 2018 begleitet wird.

    Die Sendung wird am Freitag, 12. Januar, ab 19.30 Uhr im BR-Fernsehen ausgestrahlt und am Faschingsdienstag ab 9.40 Uhr wiederholt.

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