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    Würzburg

    Tödlicher Schuss: Polizei-Schüler waren miteinander befreundet

    Nach dem tödlichen Schuss auf einen Polizeischüler in Würzburg ist die Ermittlung des Vorganges im Gange. Mit der neuen Pistole gab es offenbar nicht mehr unbeabsichtigte Schussabgaben als mit der alten. Foto: Arne Dedert,dpa

    Nach dem tödlichen Schießunfall in der Bepo-Kaserne in Würzburg am Donnerstagabend lichtet sich das Dunkel: Der 19-jährige Schütze und sein Stubenkamerad - beide im zweiten Ausbildungsjahr - hatten offenbar vor dem Vorfall Wache in der Kaserne in der Sedanstrasse geschoben. Dabei war wohl eine Patrone unbemerkt im Lauf der Pistole geblieben. "Dass man den Verschluss noch mal zurückziehen muss, damit die Patrone im Lauf ausgeworfen wird – da hat sich mit der neuen Pistole nicht geändert", betont Innenminister Joachim Herrmann. 

    Schütze und Opfer waren Freunde

    Besonders tragisch: Der 19-jährige Schütze und sein Kollege teilten sich aus gutem Grund eine Stube bei der III. Abteilung der Würzburger Bereitschaftspolizei: Beide stammen aus Nachbar-Gemeinden im Raum Schweinfurt. Sie waren seit Jahren befreundet, wie mehrere Quellen auch aus den Heimatorten bestätigen.

    Speziell geschulte Ermittler prüfen inzwischen zusammen mit Rechtsmedizinern alle Umstände des Vorganges: Schussentfernung, Auffindesituation, Lage der Hülse, Angaben des Schützen. Die sorgfältige Arbeit erfordere Zeit, sagt ein Spezial-Ermittler angesichts aufkeimender Gerüchte. "Lasst die in Ruhe ihre Arbeit machen", appellierte ein anderer hochrangiger Beamter mit jahrzehntelanger Erfahrung. "Alles andere belastet nur zusätzlich die Angehörigen. Die haben schon genug zu ertragen."

    Fehlende Patrone fiel nicht auf

    Nach dem Ende ihres Wachdienstes hatten die beiden Polizeischüler die Magazine aus den Pistolen genommen und sie in der Wache abgegeben, heißt es inzwischen. Dort wurden die Patronen aber wohl nicht mehr nachgezählt. Die Magazine kamen direkt in den Waffenschrank, so dass niemandem auffiel, dass eine Patrone fehlte.

    Das Opfer soll laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur an einem Kopfschuss gestorben sein - ob direkt oder durch einen Querschläger, ist noch Gegenstand von Untersuchungen. Völlig unbeabsichtigt könne sich der Schuss nicht lösen. "Es muss jemand den Abzug der Waffe betätigt haben", so Innenminister Herrmann.  

    Vermeidbarer Fehler

    Peter Schall, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagt: "Der Dienstführer hätte bemerken müssen, dass eine Patrone zu wenig zurückgegeben wurde“ Doch auch der Schütze trug seinen Beitrag zu dem Unfall bei. "Ständige Sensibilisierung der Auszubildenden beim Umgang mit Waffen sind Kernthemen bei jeglichen Unterrichtseinheiten", betont Herbert Gröschel, Pressesprecher im Präsidium der Bereitschaftspolizei in Bamberg. Einer der zentralen Leitsätze: "Jede Schusswaffe ist stets als geladen zu behandeln."

    In der Waffen- und Schießausbildung werde den Beamten in Ausbildung in knapp 250 Unterrichtseinheiten der professionelle Umgang mit Dienstpistole und Maschinenpistole vermittelt. Während der 30-monatigen Ausbildung muss jeder Auszubildende mindestens 1200 Schuss mit der Dienstpistole abgeben.

    Sichere Handhabung

    Tödlicher Zwischenfall bei Würzburger Bereitschaftspolizei
    Die Einfahrt zur Mainau-Kaserne, dem Sitz der Bereitschaftspolizei III. Abteilung Würzburg: Ein Polizei-Azubi hat in Würzburg offenbar versehentlich einen Mit-Auszubildenden erschossen. Foto: Nicolas Armer (dpa)

    Im ersten Halbjahr müssen die Auszubildenden eine Sachkundeprüfung für Schusswaffen bestehen. Dazu finden bereits sogenannte Trockentrainings ohne Munition statt. Zudem ist da der Nachweis „Sicherer Umgang mit der Dienstpistole“ zu erbringen, die sichere Handhabung der Waffe in Verbindung mit den ersten Schussabgaben unter der Anleitung von Schießausbildern. Im zweiten Ausbildungsabschnitt sind zahlreiche Kontrollübungen zur Befähigung des "einsatzmäßigen Schießens" zu absolvieren.

    Nicht mehr Zwischenfälle als mit der alten Pistole

    Erst danach erhalten die Auszubildenden die Erlaubnis zum Führen der Dienstwaffe, betont Gröschel. Ab diesem Zeitpunkt wird die Dienstpistole, ohne Munition, ausgehändigt und muss vom Waffenträger sicher in seinem Stahlfach verwahrt werden. 

    Seit Einführung der neuen Dienstwaffe seien acht Fälle unbeabsichtigter Schussabgaben in ganz Bayern bekannt geworden, bestätigt Pressesprecher Gröschel. Konkret ist in sieben Fällen ein Fehler bei der vorgesehenen Handhabung der Waffe ursächlich gewesen. Zu Verletzungen kam es in diesen Fällen nicht. Auch mit der bisherigen Dienstpistole P7 gab es in der Vergangenheit im Bereich des Bereitschaftspolizeipräsidiums 2017 sieben und 2018 drei Fälle unbeabsichtigter Schussabgaben.

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