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    Ochsenfurt

    Tourismus als Wirtschaftsmotor

    Ist-Zustand, Potentiale und mögliche Ziele für den Tourismus in Ochsenfurt liefert die Studie von Dr. Manfred Zeiner (Rechts) für Bürgermeister Peter Juks und Anne Derday, Leiterin der Tourist-Information. Foto: Antje Roscoe

    Ochsenfurt und der Tourismus: Was tut sich, welchen wirtschaftlichen Stellenwert hat er? Eine Analyse hatte die Stadt bei dwif consulting, einem renommierten, auf Tourismus spezialisierten wirtschaftswissenschaftlichen Institut in Auftrag gegeben, auch um Entwicklungen in Zahlen darstellen zu können und Bewusstsein zu schaffen. Geschäftsführer Manfred Zeiner präsentierte die Eckdaten zum "Wirtschaftsfaktor Tourismus in Ochsenfurt" und startete mit einer befriedigend nach oben steigenden Linie: Ochsenfurt entwickelt sich bei den Übernachtungen in gewerblichen Betrieben in der gleichen Dynamik wie Bayern, speziell seit 2014 - seitdem die Stadt in die Tourist-Info, in Personal und Ausstattung investiert hat. Zeiner folgert: Die Dynamik nimmt zu, die Arbeit für den Tourismus zeigt Resonanz."

    "Es sind jetzt Ansprechpartner da, es geht vorwärts."
    Susanne Müller - Fränkisches Weinland

    Die letzte Tabelle von Zeiners Präsentation vor etwa 70 Interessierten im Rahmen des Ochsenfurter Tourismusstammtischs zeigt Kennziffern im Vergleich mit Volkach, Karlstadt, dem Fränkischen Weinland und Franken insgesamt. Beispiel Tagestourismus, der in Ochsenfurt vergleichsweise stark ausgeprägt ist: Laut Zeiner kommt die Stadt auf 41 Tagesbesucher je Einwohner im Untersuchungsjahr 2017. Spitzenreiter im Vergleich ist Iphofen mit 87 Tagesgästen. Ochsenfurt agiert im unteren Mittel, zumal statistisch gesehen jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich 40 bis 50 Tagesausflüge macht.

    Ein halbe Million Tagesbesucher pro Jahr

    Dabei sind gerade die Tagesbesucher mit gut einer halben Million Personen im Jahr in Ochsenfurt besonders stark vertreten. Sie stellen 82 Prozent aller Gäste. Aber es ist ein schwieriges, sehr fragiles Segment. Da müsse man täglich aufs Neue mit Angebot, Qualität und Renommee überzeugen, so Zeiner. Er empfiehlt, ein etwas günstigeres Verhältnis mit Übernachtungsgästen anzustreben. Gar nicht so einfach, denn Anne Derday, Leiterin der Tourist-Info muss Anfragen von Gästen immer wieder absagen, weil Betten fehlen.

    Tagesgäste geben im Schnitt knapp 25 Euro pro Kopf in Ochsenfurt aus. Wohnmobil-Camper schon das Doppelte. Foto: Antje Roscoe

    Von einem Zuviel, dem "Overtourism", ist man weit entfernt, sagt Zeiner. Im sportlichen Ranking wäre es der Platz am "Tabellenende mit Anschluss ans Mittelfeld". Es sei also Luft nach oben da, ganz unbedeutend sei die Sparte aber auch nicht. Immerhin geht es um 15,1 Millionen Euro brutto, die direkt und indirekt aus dem Tourismus generiert werden, wie Zeiner anhand von Zahlen aus Statistik, Marktforschung und der Analyse vor Ort ermittelte. Auf das Gastgewerbe entfielen dabei 6,3 Millionen Euro, den Einzelhandel 5,9 und Dienstleistungen 2,9 Millionen Euro. Tourismus sei nicht auf das klassische Beherbergungsgewerbe zu reduzieren. Da fließe nicht einmal die Hälfte des Umsatzes hin. Zeiner: "Die Ansicht ,Tourismus ist nur für die Hoteliers gut' stimmt so nicht und ganz gewiss nicht für Ochsenfurt, wo jeder fünfte Euro von Gästen im Einzelhandel ausgegeben wird. Tourismus ist eine subversiv arbeitende Branche, die in ganz viele Bereiche wirkt."

    Zeiner: "Tourismus ist ein richtiges Profitcenter - auch für die Stadt Ochsenfurt"

    6,8 Millionen Euro wurden als Einkommen aus dem Tourismus errechnet, also ein Einkommensäquivalent zu 240 Vollerwerben mit knapp 28 000 Euro pro Kopf und Jahr. Das Plus für die öffentliche Hand an Steuern belaufe sich auf zwei Millionen Euro. Folgerichtig wäre auch zu investieren, wenn es sich so rentiert. Zeiner: "Tourismus ist ein richtiges Profitcenter - auch für die Stadt Ochsenfurt". Und das in doppeltem Sinne, denn alles was für Touristen an Infrastruktur entstehe, sei in erste Linie auch eine Investition in die Freizeit- und Lebensqualität der Bewohner. Für Unternehmen sei die Lebensqualität ein Standortvorteil, wenn es um die Anwerbung von Fachkräften gehe. Es habe also jeder etwas davon.

    Im Tourismus-Verbund Fränkisches Weinland sei die Stadt der Türme inzwischen ein verlässlicher Partner, antwortet Geschäftsführerin Susanne Müller auf die Frage nach der Rolle der Stadt. Schon durch die Lage am Main mit dem Radweg ergäben sich der Stellenwert und gleichzeitig die Nachfrage. Wünschenswert wären mehr Unterkünfte. Andere Städtchen wie Volkach oder Iphofen hätten aber einfach schon 20 und mehr Jahre in den Tourismus investiert. Das holt man nicht in drei Jahren auf, so Müller. Im Fränkischen Weinland mit den kleinen Weinorten habe Ochsenfurt mit Stadtarchitektur und Kultur wichtige Funktionen. Müller: "Ich bin dankbar, dass Bürgermeister Juks Gas gegeben hat. Es sind jetzt Ansprechpartner da, es geht vorwärts."

    Die Mainschleife und das Weinparadies als Vorbild für das Maindreieck

    Juks, der den Tourismus als große Chance für Ochsenfurt sieht, speziell für die Altstadt, sagt, ihn habe die Größenordnung von 15 Millionen Euro überrascht, die in Ochsenfurt bewegt werden. Es sei zu sehen gewesen, dass "die Basis und die Potentiale da sind, wir uns aber auch daran machen müssen, in Richtung des fränkischen Durchschnitts zu kommen". Die Mainschleife und das Weinparadies sieht er als Vorbild für das Maindreieck. Es sei eine der Chancen für Ochsenfurt. Vorwärts gehe es allerdings nur, wenn die Politik mitziehe. Juks hält es für machbar und hofft, dass der Zweckverband mit den zwölf Kommunen zwischen Randersacker und Segnitz dieses Jahr zu Stande komme.

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