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    Würzburg

    Trotz Diesel-Klage: Rathaus freut sich über bessere Luft

    Die feste Umweltmessstation am Stadtring Süd liefert tägliche Messwerte. Foto: Thomas Obermeier

    "Ich freue mich, dass sich die Luft im Stadtgebiet weiter verbessert", erklärte Umweltreferent Wolfgang Kleiner bei der Vorstellung der aktuellen Messwerte des Landesamtes für Umwelt im Ausschuss für Planung, Umwelt und Mobilität.  An der Messstation am Stadtring Süd sind 2018 die Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten worden.

    Auch wenn die Feinstaubbelastung an diesem Mittwoch wieder einmal über dem 24-Stunden-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lag – die Anzahl dieser Tage ist zurück gegangen, ebenso die Stickstoffbelastung. Kleiners Fazit im Ausschuss: "Auch im Vergleich zu anderen Städten kann sich Würzburg sehen lassen."    

    Diese frohe Botschaft ist insofern überraschend, weil zuletzt ja andere Nachrichten Schlagzeilen gemacht hatten: Würzburg droht wegen der schlechten Luft in der Grombühlstraße ein Dieselfahrverbot,nachdem die Deutsche Umwelthilfe im Januar wegen der langjährigen Überschreitung der Grenzwerte geklagt hatte.

    "Papier alleine verbessert die Luft noch nicht."
    Grünen-Stadträtin Silke Trost

    Doch die Ausführungen Kleiners beziehen sich nicht auf Grombühl- und Theaterstraße. Denn dort wurde laut vorläufigem Bericht des Landesamtes für Umweltschutz der Grenzwert für Stickoxid wieder überschritten: 42 Mikrogramm pro Kubikmeter wurden 2018 in der Theater- und 55 Mikrogramm in der Grombühlstraße gemessen.

    Der Umweltreferent erwähnte diese weniger guten Werte nicht, weil sie mit Passivsammlern gemessen werden. "Gesetzlich entscheidend" seien aber nur die Werte der festen – und messgenaueren – Station vom Stadtring Süd. Die kleinen, mobilen Passivsammler saugen die Luft im Gegensatz zu den Aktivsammlern nicht an. Sie haben eine Messungenauigkeit von etwa 20 Prozent.    

    "Wir sind auf dem richtigen Weg", erklärte der Umweltreferent angesichts im gesamten Stadtgebiet sinkender Werte. "Der Green City Plan greift." Unter diesem Begriff hat die Stadt ein vom Bund gefördertes Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht, das nachhaltigen Verkehr stärken soll.

    Mit Kleiners Optimismus waren nicht alle Stadträte im Ausschuss einverstanden. "Papier alleine verbessert die Luft noch nicht", erklärte Silke Trost (Grüne) und fragte, wie der Green City Plan die Luft 2018 verbessern konnte, wo er doch erst Mitte des Jahres beschlossen und nur teilweise umgesetzt worden sei. Dazu gehört zum Beispiel die aktuell stattfindende Ausrüstung von WVV-Bussen mit Filtern.

    Ursachen der besseren Luft am Stadtring Süd

    Auch die Bürgerinitiative „Brummis weg vom Stadtring“ klagt nach wie vor über zuviel Verkehr und schlechte Luft. Sie fordert unter anderem ein wirksameres Lkw-Verbot. Dass die besseren Werte vom vergangenen Jahr auch andere Ursachen haben könnten, erläuterte Stadtrat Udo Feldinger (SPD). Der Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes erklärte, dass 2018 eine außergewöhnliche Wettersituation mit Windrichtungen vorherrschte, die die Luftschadstoffe am Stadtring Süd verringert haben könnte.

    Über den Stadtring Süd läuft viel Verkehr.   Foto: Patty Varasano

    "Solange die Grenzwerte an der Grombühlstraße noch überschritten sind, besteht kein Grund sich auf die Schulter zu klopfen," betonte Wolfgang Baumann (ZfW). Christine Bötsch, Fraktionsvorsitzende der CSU, äußerte sich diplomatisch: "Wir alle wollen, dass sich die Luft weiter verbessert." Vielleicht würden diese Ziel verschiedene Fraktionen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit angehen, aber über das Ergebnis sei man sich einig.        

    Zum drohenden Dieselfahrverbot in der Grombühlstraße sagte Bötsch: "Wenn es käme, würde der Ausweichverkehr die Belastung mit Stickoxiden im gesamten Stadtgebiet erhöhen." Karin Miethaner-Vent forderte als Alternative die Einführung von verkehrstechnischen Maßnahmen, um den Stau im Berufsverkehr auf der Nordtangente zu verhindern. Baumann will dort eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung beantragen.        

    Luftschadstoffe in Würzburg
    Beim Feinstaub wurde die zulässige Zahl von 35 Tagen mit Grenzwertüberschreitungen 2003 am Kardinal-Faulhaber-Platz überschritten und 2011  am Stadtring Süd. Seitdem nimmt dort die Feinstaubbelastung ab. Freigesetzt wird Feinstaub von Industrie, Heizkraftwerken und Verkehr. Die Belastung ist witterungsabhängig. Etwa ein Drittel des Feinstaubs in der Würzburger Luft hat lokale Ursachen.     
    Stickoxid stammt hauptsächlich aus Dieselmotoren. Der Grenzwert liegt bei einem Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Er wurde am Kardinal-Faulhaber-Platz 2003 und am Stadtring Süd von 2006 bis 2016 überschritten. Ebenso in der Grombühlstraße (58 Mikrogramm 2016 und 55 Mikrogramm 2017 und 2018) und in der  Theaterstraße (43 Mikrogramm 2015 und 42 Mikrogramm 2018).  Berechnet werden auch Grenzwertüberschreitungen in Textor-, Bahnhof-, Zeller- und Schweinfurter Straße.  

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