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    UNTERALTERTHEIM

    Über 200 Teilnehmer am Feldgeschworenentag in Altertheim

    Seit 1904 gibt es die „Feldgeschworenenvereinigung Würzburg links des Mains“, doch das Feldgeschworenenwesen an sich ist schon wesentlich älter. Schon zu Beginn des 8. Jahrhunderts sollen sich rechtschaffene Männer um die Grenzen eines Grundstücks gekümmert haben. Die sogenannten „Siebener“ genossen bereits im Mittelalter ein hohes Ansehen in der Bevölkerung und waren als Rechtssprecher anerkannt.

    Heutzutage gibt es die Feldgeschworenen nur noch in Bayern, Rheinland-Pfalz und Teilen von Thüringen, berichtete Norbert Jesberger auf der Jahresversammlung der Siebener in Unteraltertheim. Bereits zum vierten Mal nach 1934, 1966 und 1934 fand der „Siebenertag“ in der kleinen Gemeinde im Welzbachtal statt.

    Ortskenntnis und Fingerspitzengefühl

    „Grenzen sind nur dann etwas wert, wenn sie erkennbar sind und wenn sie eingehalten werden“, sagte Jesberger und bezeichnete einen Siebener als einen Menschen mit ausgezeichneten Ortskenntnissen, einem großen Maß an Menschenkenntnis, Fingerspitzengefühl und diplomatischem Geschick. Trotz aller moderner Technik, wie sie die Vermessungsämter benutzen, sei das Siebenerwesen weiterhin unverzichtbar.

    Das sah auch Pfarrerin Astrid Männer so. In ihrer Ansprache während des Gottesdienstes in Unteraltertheims Kirche St. Martin nahm sie Bezug auf die biblischen Zusammenhänge von Siebenertum und Symbolik. Die Zahl „7“ sei ein Zeichen für Vollkommenheit und eine segensreiche Zahl.

    Kirche so gut besucht wie an Weihnachten

    Gleichzeitig zeigte sie sich beeindruckt von der großen Anzahl der Teilnehmer des Siebenertages: „Über 200 Menschen in unserer Kirche, das ist ja fast so wie an Weihnachten“. Männer fand es auch wichtig, dass die Grenzkundigen regelmäßig Flurgänge entlang der Gemarkungsgrenzen ihrer jeweiligen Gemeinde durchführen, um den Kindern und Jugendlichen die Grenzen zu zeigen und somit ein Verständnis für die eigene Heimat zu vermitteln.

    Viel Lob also für eine alte und immer noch gelebte Tradition. Diese Tradition erwähnte auch Landrat Eberhard Nuß bei der Neuaufnahme mehrerer Personen in den Kreis der Siebener. Jedem neuen Mitglied nahm er das Versprechen ab, in Ausübung ihres Ehrenamtes immer recht zu tun. Obwohl das Siebenerwesen seit 2006 auch Frauen offen steht, sind es doch überwiegend Männer, die sich der Aufgabe stellen.

    Neun neue Feldgeschworenen

    Insgesamt neun neue Feldgeschworene aus dem Mitgliedsgebiet wurden per Handschlag und mit einem Anstecker dienstverpflichtet. Mit Robert Dorsch, Edgar Semmel und Werner Scherer waren es drei Personen aus Unteraltertheim. Dazu gesellten sich noch Johann Steinnhauer (Margetshöchheim), Walter Lehrieder (Neubrunn), Markus Schnepper (Neubrunn), Stefan Schwab (Remlingen), Karl Weisenberger (Unterleinach) und Josef Scheder (Höchberg).

    Mit dem Spruch: „Tue recht, fürchte Gott und scheue niemand“ wurden sie in der Kirche für ihr restliches Leben verpflichtet, denn Feldgeschworener ist ein lebenslanger Dienst an den Mitmenschen.

    Festzug zur Welzbachhalle

    Mit einem Festzug ging es unter Begleitung der Welzbachtaler Musikanten zur Welzbachhalle, wo die Veranstaltung dank des schönen Wetters im Freien weiterging. Wie groß das Ansehen der Feldgeschworenen in der Politik und Verwaltung ist, zeigte die Liste der Grußwortredner, allen voran Landrat Eberhard Nuß.

    Die politischen Vertreter, wie Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder (CSU), sowie die Landtagsabgeordneten Manfred Ländner (CSU) und Volkmar Halbleib (SPD), lobten ebenfalls die Arbeit der Feldgeschworenen, auf die man trotz moderner Technik nicht verzichten kann. Lehrieder bezeichnete die Männer und Frauen gar als „Friedensstifter“.

    Im nächsten Jahr in Margetshöchheim

    Die Festrede hielt Richard Henninger, Obmann der Feldgeschworenen aus Mittelfranken. Sein geschichtlicher Abriss des Feldgeschworenenwesens war amüsant und informativ, sodass man ihm gerne zuhörte. Zum Abschluss des Tages verkündete Norbert Jesberger noch, dass der nächste Feldgeschworenentag 2019 in Margetshöchheim stattfinden wird. Dort wird man sich wieder treffen und sich untereinander austauschen – damit das Feldgeschworenenwesen eine Zukunft hat.

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