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    Würzburg

    Überfüllte Strabas in der Corona-Krise: So reagiert die WVV

    Abstand halten ist aktuell besonders wichtig. Doch morgens soll das in Würzburger Strabas und Bussen nicht möglich sein. Auf die Beschwerden hat nun die WVV reagiert.
    Dichtes Gedränge in der Straßenbahn: Dieses Bild stammt zwar aus dem Jahr 2012, viele Leser haben jedoch unabhängig voneinander von ähnlichen Situationen berichtet, die sie zurzeit beobachten.
    Dichtes Gedränge in der Straßenbahn: Dieses Bild stammt zwar aus dem Jahr 2012, viele Leser haben jedoch unabhängig voneinander von ähnlichen Situationen berichtet, die sie zurzeit beobachten. Foto: Thomas Obermeier

    Für Christina Lutz beginnt der Tag je nach Schicht meistens immer gleich. Die medizinische Fachangestellte der Uniklinik wohnt in der Würzburger Altstadt und startete ihren Arbeitstag bisher immer mit dem Gang zur Straßenbahn, die sie nach Grombühl bringt. Seit Jahren schon ist sie treuer Fahrgast. Jetzt jedoch nicht mehr. Sie erzählt von hustenden Fahrgästen und einer Enge, bei der ein dringend empfohlener Sicherheitsabstand momentan gar nicht möglich sei. "Wir medizinischen Mitarbeiter müssen uns besonders schützen, in der Straßenbahn ist das momentan aber kaum möglich", schildert sie am Telefon. Statt zur Bahn zu laufen, steigt sie neuerdings ins Auto." Der ÖPNV ist mir momentan zu heikel", so Lutz.

    Seit 30. März fahren die Straßenbahn- und Buslinien der WVV von Montag bis Freitag größtenteils nach dem „Samstags-Fahrplan“. Für viele Leser, die an Werktagen dennoch zur Arbeit müssen, ist das eine Erklärung für prekäre Situationen, die auch sie erleben.

    Kritik in den sozialen Medien

    Diese Redaktion erreichten in den vergangenen Tagen ähnliche Schilderungen, ein Aufruf in den sozialen Medien sorgte bis Dienstagmittag für 40 Kommentare. "Um 6.15 Uhr ist die Straßenbahn sehr voll ! Ich habe schon Angst, zur Arbeit zu fahren", schreibt dort eine Würzburgerin. Kritik gibt es auch an der Situation in Bussen. "Wenn wir Krankenschwestern uns im überfüllten Bus anstecken, wer pflegt und versorgt dann die Kranken?", schreibt eine Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte, per Mail an diese Redaktion.

    Öffentliche Verkehrsmittel als Virenschleudern in der Corona-Krise? Würzburg scheint da kein Einzelfall zu sein. Ausgedünnte Fahrpläne sorgen auch in anderen Städten für Unverständnis, so zum Beispiel in Nürnberg.

    "Jeder Verkehrsbetrieb macht momentan, was er will."
    Gerd Weibelzahl, VCD

    Der ökologische Verkehrsclub VCD warnt vor einem zu starken Ausdünnen von Fahrplänen. Volle Busse und Bahnen seien ein großes Sicherheitsrisiko, erklärte der Verband bundesweit am Montag. Dieser Meinung ist auch Gerd Weibelzahl vom VCD-Landesverband Bayern. "Momentan ist es sehr uneinheitlich geregelt, jeder Verkehrsbetrieb macht, was er will", sagt er auf Nachfrage der Redaktion.

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    Betriebe in "besonderer Verantwortung"

    In den Morgenstunden müsse sichergestellt werden, dass die Fahrzeuge in einem dichten Takt fahren. Ein Gelenkbus beispielsweise dürfte eigentlich nur 20 Personen befördern, wenn der 1,5 Meter Abstand strikt eingehalten werden würde. Er sieht die Verkehrsbetriebe in besonderer Verantwortung, für Schutz zu sorgen. "Betriebe öffentlicher Hand können nicht von Bürgern verlangen, Restriktionen in Kauf zu nehmen, während sie es nicht schaffen, für Schutz zu sorgen", so Weibelzahl.

    WVV hat auf Forderungen reagiert

    Auch bei der WVV sind die Forderungen und Wünsche angekommen. Verbesserungen sollen die Fahrgäste bereits am 1. April spüren. Zwar fahren die städtischen Straßenbahn- und Buslinien weiterhin Montag bis Freitag nach Samstags-Fahrplan, die WVV bietet aber mehr Fahrten auf der Straßenbahnlinie 5 im morgendlichen Berufsverkehr an. "Mit diesen Anpassungen gehen wir davon aus, dass sich die Situation im Berufsverkehr morgens entzerrt", sagt WVV-Pressesprecher Jürgen Dornberger auf Nachfrage. Von den Busverbindungen, die ebenfalls kritisiert werden, ist in den Anpassungen nicht die Rede. Die Situation werde aber weiterhin aufmerksam beobachtet, um je nach Lage zu entscheiden, ob weitere Änderungen notwendig sind.

    Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war nicht angegeben, dass der "Samstags-Fahrplan" seit 30. März gilt.

    Zusätzliche Fahrten ab 1. April (Mo-Fr)
    Die Straßenbahnlinie 5 fährt ab „Rottenbauer“ zusätzlich um 5.28 Uhr, 5.58 Uhr, 6.28 Uhr, 6.58 Uhr und 7.28 Uhr. Ab „Felix-Fechenbach-Haus“ fährt sie zusätzlich um 6.07 Uhr, 6.37 Uhr, 7.07 Uhr, 7.37 Uhr und 8.07 Uhr. Die Straßenbahn-Linie 4 verkehrt über Zellerau - Hauptbahnhof – Sanderau und die Straßenbahn-Linie 5 ab Rottenbauer - Heuchelhof - Heidingsfeld - Hauptbahnhof –Grombühl/Unikliniken. Alle Sonderfahrpläne gibt es online unter www.wvv.de/fahrplan.
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