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    Würzburg

    Umgang mit Mietern: Ist die Kritik am Studentenwerk berechtigt?

    Wohnheim-Mietverträge laufen oft über sechs Monate, doch einige Studenten brauchen jetzt flexible Lösungen. Die Studierendenvertretung fordert mehr Unterstützung.
    Aktuell ist geplant, dass das Uni-Semester Mitte April regulär startet. Trotzdem haben einige Studenten Probleme mit ihren Wohnheimzimmern.
    Aktuell ist geplant, dass das Uni-Semester Mitte April regulär startet. Trotzdem haben einige Studenten Probleme mit ihren Wohnheimzimmern. Foto: Patty Varasano

    Die Studierendenvertretung der Uni Würzburg wirft dem Studentenwerk in der Corona-Krise unsolidarisches Verhalten vor. Vielen jungen Leute sei durch die drastischen Schutzmaßnahmen ihr Einkommen weggebrochen, weil Geschäfte, Cafés und Bars schließen mussten. Austauschstudenten, die eigentlich das kommende Semester in Deutschland verbringen wollten, könnten vorerst nicht einreisen. Trotzdem halte das Studentenwerk, das auch die Wohnheime betreut, an bereits geschlossenen Mietverträgen fest, kritisiert Chris Rettner vom Sprecherinnen- und Sprecherrat.

    Das stimmt jedoch nur teilweise. Bereits Mitte März habe das Studentenwerk den internationalen Studierenden Aufhebungsverträge geschickt, heißt es auf Nachfrage dieser Redaktion. Damit könnten Wohnungsverträge mit einer verkürzten Frist von einem Monat gekündigt werden. Das sei so mit allen bayerischen Studentenwerken abgestimmt. Da die Vorlesungen Mitte April aber regulär starten sollen, könnten Mietverträge nicht grundlos storniert werden.

    Anfragen aus der ganzen Welt

    Der Studierendenvertretung reicht das nicht. "Die Verträge sollten bei Problemen komplett aufgelöst werden", sagt Rettner, den derzeit Anfragen aus der ganzen Welt erreichen. So musste beispielsweise ein Student aus Brasilien, der eigentlich in den kommenden Monaten in Würzburg studieren wollte, vorzeitig die Heimreise antreten. Nach eigenen Angaben läuft sein Mietvertrag aber noch bis Ende August. In einer E-Mail, die dieser Redaktion vorliegt, schreibt er: Das Studentenwerk hätte ihm mitgeteilt, dass er – sollte kein Nachmieter gefunden werden – die sechs Monate komplett zahlen müsse.

    Genau diese Regelung wurde allerdings wegen des Coronavirus aufgehoben. Doch offenbar ist diese Information nicht bei jedem angekommen. "Die Kommunikation funktioniert einfach nicht richtig", kritisiert Rettner, der sich insgesamt mehr Initiative wünscht.

    "Die Kommunikation funktioniert einfach nicht richtig."
    Chris Rettner, Studierendenvertretung der Uni Würzburg

    So hätte das Studentenwerk beispielsweise die Studenten, die nun Probleme mit ihrem Zimmer haben, zusammenbringen können. Denn es gebe durchaus Mieter, deren Prüfungen verschoben wurden und die gerne den Vertrag verlängern würden. "Idealerweise hätte man Ein- und Auszugstermine flexibel um einen Monat verschoben", sagt Rettner, der dabei durchaus Verständnis für die schwierige Situation zeigt.

    Jetzt, wo alle Mensen geschlossen sind und einige Zimmer in den Wohnheimen möglicherweise leer stehen, muss auch das Studentenwerk den Kontostand im Blick behalten. Das dürfe aber nicht zu Lasten der Studierenden gehen, betont Rettner.

    Faire Lösungen für die Studenten

    "Selbstverständlich werden wir versuchen, solche Austausche zu organisieren", heißt es seitens des Studentenwerks. Dies funktioniere allerdings nur, wenn der Nachmieter sicher nicht einziehen will. Solche Fälle habe es nur vereinzelt gegeben. 

    Indes werden auf der Homepage des Studentenwerks die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus beantwortet – auch in englischer Sprache. So ist es beispielsweise möglich, wenn man vom Arbeitgeber entlassen oder beurlaubt wurde, einen Antrag auf Stundung der Miete zu stellen. Bei Problemen können sich Studenten an die zuständigen Sachbearbeiter wenden. "Wir werden dann auf eine gemeinsame sozialverträgliche Lösung hinarbeiten", teilt das Studentenwerk mit. 

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