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    Würzburg

    Unibund: Wie Spitzenforschung der Gesellschaft nützt

    Virtuos: Samira Spiegel beeindruckte die Besucher des Unibund-Konzertes nicht nur an der Geige, sondern auch am Klavier. Foto: Heiko Becker

    Er ist an die 100 Jahre alt und zählt fast 800 Mitglieder - Privatleute, Unternehmen und Kommunen: Der Universitätsbund Würzburg ist der zentrale Förderverein für die Julius-Maximilians-Universität (JMU). Sein Hauptanliegen: Forschung und Lehre an der JMU zu unterstützen.

    Herausragende Leistungen zeichnet der Unibund neuerdings bei einem öffentlichen Festkonzert mit dem Akademischen Orchesteraus. Nach der Premiere vor einem Jahr kamen zur zweiten Auflage noch mehr Besucher in die Würzburger Neubaukirche. Die Universität solle "keine elitäre Veranstaltung" sein, wie Unibund-Vorsitzender David Brandstätter betonte. Bildung sei der wichtigste Rohstoff in Deutschland. So hat man für das aktuelle Wintersemester wieder die Reihe "Hörsaal on tour"aufgelegt: Wissenschaftler gehen zu Vorträgen in die Gemeinden.

    Ein Klangerlebnis bot das Akademische Orchester in der Würzburger Neubaukirche den Konzertbesuchern. Foto: Heiko Becker

    Als herausragende Solistin an zwei verschiedenen Instrumenten

    Exzellenz erlebten die Gäste nicht nur in Form der prämierten wissenschaftlichen Projekte. Exzellenz bekamen sie auch zu hören. Das Akademische Orchester unter Leitung von Markus Popp bestach mit Steiners Suite aus "Casablanca" - und setzte echte musikalische Glanzlichter zusammen mit Samira Spiegel, Star und Mittelpunkt des Abends.

    Preisträgerin Samira Spiegel (24) als Solistin am Klavier. Foto: Heiko Becker

    Was für eine Virtuosität, welch ein Ausdruck zunächst am Klavier mit einem Beethoven-Konzert, dann an der Geige mit einer Carmen-Fantasie. Solistin an zwei Instrumenten, an beiden mit technischer Perfektion und fantastischer Musikalität? Die 24-Jährige scheint irgendwie Naturgesetze zu überwinden - was auch die Jury der Keck-Köppe-Stiftung fand, die Samira Spiegel mit dem diesjährigen Musikpreis des Unibundes bedachte. Er ist mit 5000 Euro dotiert.

    Wie gut die Wahl war, bewies minutenlanger Beifall für die Auftritte der jungen Künstlerin samt Orchester. Spiegel absolviert derzeit parallel zwei Masterstudiengänge - für Klavier an der Hochschule für Musik in Würzburg, für Geige in Detmold.  

    Preisträger mit gesellschaftlich wichtigen Zukunftsthemen

    Fünf Preise mit einer Gesamtsumme von rund 70 000 Euro wurden beim Festakt, moderiert von Alfons Ledermann, verliehen. Den Albrecht Fürst zu Castell-Castell-Preis für nachhaltiges Handeln nahm die Biologin Frauke Fischer entgegen. Uni-Präsident Alfred Forchel würdigte die von ihr im Oktober durchgeführte "Summer School" zum Thema Plastik und Ressourcenschonung.

    Geballte Exzellenz: Im Bild von links Alfons Ledermann (Unibund) mit den Preisträgern Frauke Fischer, Samuel Kounev, Marwin Züfle, Samira Spiegel, Astrid Carolus, dem Unibund-Vorsitzenden David Brandstätter und Preisträger Florian Beuerle. Foto: Heiko Becker

     

    Den Röntgenpreis - mit 5000 Euro finanziert von der Walter Preh-Stiftung - erhielt der Chemiker Florian Beuerle, der sich an der JMU habilitiert und mit seinen Veröffentlichungen weltweit Beachtung findet. Für neue Methoden der Zeitreihenvorhersage wurden der Informatik-Professor Samuel Kounev und sein Mitarbeiter Marwin Züfle mit dem Uni-Förderpreis der Mainfränkischen Wirtschaft (IHK-Stiftung) ausgezeichnet, der Forschungsförderpreis der Vogel-Stiftung ging an die Medienpsychologin Astrid Carolus. Sie untersucht, wie Kinder und Jugendliche Nachrichten aus dem Internet aufnehmen. Ziel ist es, ihre Digitalkompetenzen zu stärken.

    Vogel-Stiftung fördert Projekt zur Stärkung der Digitalkompetenz von Kindern

    Das Preisgeld in Höhe von 25 000 Euro will Carolus, die freiberuflich auch als Trainerin und Beraterin arbeitet, zur Finanzierung einer Doktorandenstelle im Rahmen ihres Forschungsprojekts verwenden: Catharina Schmidt betreut verschiedene Studien und will auch herausfinden, welche Rolle das Elternhaus für die Internetnutzung bei Kindern spielt.

    "Die Qualitätskontrolle durch die klassischen Medien entfällt."
    Preisträgerin Astrid Carolus zum Wandel durch die Sozialen Medien

    Zentral ist für die Forscherinnen die Frage: Wie gut oder schlecht können Kinder und Jugendliche manipulierende Fake News von seriösen Quellen unterscheiden? Was kann ihnen dabei helfen? In enger Zusammenarbeit mit Lehrern sollen somit Handlungsempfehlungen formuliert werden. Astrid Carolus machte vor den  Gästen das Problem deutlich: "Über soziale Medien kann heute jeder alles veröffentlichen. Die Qualitätskontrolle durch die klassischen Medien entfällt."

    Zahlreiche Besucher waren zum zweiten Unibund-Konzert in die Neubaukirche gekommen. Foto: Heiko Becker

    Ebenfalls ein Zukunftsthema bearbeiten die ausgezeichneten Informatiker Samuel Kounev und Marvin Züfle. "Zeitreihenvorhersage": Was abstrakt klingt, hat für Unternehmen eine handfeste Bedeutung: Durch intelligente Analyse von Daten kann zum Beispiel der Verschleiß von Maschinen berechnet - und rechtzeitig eine Wartung veranlasst werden, ehe es zum großen Schaden kommt.

    Oder Lieferketten: Durch die Auswertung von Verbrauchsdaten und deren Projizierung in die Zukunft kann Nachschub besorgt werden, bevor das Regal leer ist. "Allein das Messen und das Erfassen von Daten bringt nichts", machte Kounev deutlich. Als Wissenschaftler interessiere ihn der Nutzen für die Zukunft. Der Förderpreis der Mainfränkischen Wirtschaft aus der IHK-Stiftungist in diesem Jahr mit 31.000 Euro dotiert.

    "Summer School" zur globalen Plastikflut

    Als Laudator für Röntgen-Preisträger Florian Beuerle ergriff mit Frank Würthner ein namhafter Chemiker das Wort, der selbst auf eine Reihe von Auszeichnungen blicken kann. Er hob hervor, dass sich Beuerle bisher jeden Schritt auf der wissenschaftlichen Karriereleiter mit Stipendien selbst finanziert habe. Unter anderem war er Humboldt-Stipendiat in den USA.

    Wie wichtig heute die Forschungsarbeit über Disziplinengrenzen hinweg ist, das hat Frauke Fischer mit der "Plastic Summer School" an der Universität Würzburg gezeigt. Deren Präsident Alfred Forchel würdigte das Projekt: "Sie haben einen zukunftsweisenden Beitrag zum ökologischen und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen an der Universität Würzburg geleistet."

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