• aktualisiert:

    Würzburg

    Unikate für die Garde: Dieser Mann näht die Kostüme

    Moritz Eisenmann ist bei der Tanzsportabteilung des TV 73 Würzburg der einzige Trainer in einem sonst weiblichen Team und näht die Kostüme selbst. Foto: Silvia Gralla

    Früher stand Moritz Eisenmann als Tänzer selbst im Rampenlicht auf der Bühne, schaffte es im vergangenen Jahr bis zu den deutschen Meisterschaften. Heute agiert der 20-jährige Lehramtsstudent eher hinter den Kulissen. In der karnevalistischen Tanzsportabteilung des TV 73 Würzburg bereitet er zweimal pro Woche ein junges Mariechen auf den Turniertanzsport vor. Doch nicht nur als Trainer ist Moritz im Verein engagiert: Als Schneider kümmert er sich dort auch um die passenden Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer.

    Die Tanzkostüme schneidert Moritz Eisenmann komplett in Handarbeit: Jedes einzelne Detail, von den Rosetten, welche die Haargummis in den Perücken verdecken sollen, bis zum Strasssteinchen auf den Westen ist von ihm handgenäht. So steckt er in ein Kostüm, bestehend aus Weste, Body, Rock und Hut, mindestens 20 Arbeitsstunden. "Von Mai bis Oktober saß ich an elf Solistenkostümen und habe dann nochmal etwa zwei Monate für 14 Gardekostüme gebraucht", erklärt Eisenmann. Erst seit letztem Jahr unterstützt er seinen Verein beim Nähen der Tanzkostüme für die rund 100 aktiven Mitglieder.

    Schnell noch letzte Hand am Tanzmariechen-Kostüm angelegt: Moritz Eisenmann prüft, ob alles passt. Foto: Silvia Gralla

    Seine Leidenschaft fürs Nähen entdeckte er schon im Kindesalter: "Meine ersten Gehversuche waren im Grundschulalter mit meiner Mutter und Oma, die selbst gerne nähen", erzählt Moritz Eisenmann. Von da an brachte er sich vieles durch Ausprobieren selbst bei, sammelte aber auch bei Praktika im Bereich Modedesign professionelle Erfahrung. Auch außerhalb der Garde geht er seiner Leidenschaft nach und näht für Freunde und Familie.

    Beim Design seiner Tanzkostüme hat er grundsätzlich freie Hand - nur an die Regularien und Anforderungen des karnevalistischen Turniertanzsports muss er sich halten: "Wegen der Akrobatik müssen die Stoffe elastisch sein, und es darf beim Tanzen nichts abstehen oder flattern", erklärt Eisenmann. "Das Design der Kostüme selbst fließt zwar auf Turnieren nicht direkt mit in die Bewertung ein, doch für eine gute Punktzahl müssen sie ordentlich sitzen und natürlich passen."

    Elastische Stoffe und perfekter Schnitt: Moritz Eisenmann erklärt, worauf es bei seinen selbst geschneiderten Kostümen ankommt. Foto: Silvia Gralla

    Inspiration holt sich Moritz Eisenmann häufig bei historischen Militäruniformen, wie sie beim karnevalistischen Tanzsport beliebt sind. Aber auch Elemente aus Kinderserien, Filmen oder Modemagazinen halten Einzug in seine Kreationen: "Man findet, wenn man will, überall Inspiration. Auch beim Nähen selbst kommen mir oft neue Ideen." Farbtechnisch tobt er sich gerne aus und setzt auf ausgefallene Kombinationen. "Manchmal können es sich die Trainer erst gar nicht vorstellen. Aber wenn ein Kostüm dann fertig ist, waren sie bis jetzt immer begeistert", lacht der 20-Jährige.

    "Natürlich gibt es auch Arbeitsschritte, die weniger Spaß machen, wie zum Beispiel das Zuschneiden der Stoffe. Aber sobald sich das Kostüm erkennen lässt, bin ich wie gebannt und möchte es an den Tänzerinnen und Tänzern sehen", sagt Eisenmann. Selbst kann er aus zeitlichen und gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv am Turniersport teilnehmen. "Am Anfang habe ich das Tanzen sehr vermisst, aber als Trainer und durch das Nähen habe ich einen guten Ausgleich gefunden."

    Und, wie einst beim Tanzen, ist er auch in diesen Hobbys ambitioniert. Als Trainer möchte er eine eigene Marschtanzgruppe trainieren. Das Schneidern kann Moritz sich sogar als Beruf vorstellen. "Mein Traum wäre es, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und für ein eigenes Unternehmen weiter Einzelstücke zu nähen."

    Detailverliebt: Die Werke des 20-Jährigen sind zu 100 Prozent Handarbeit - in einem Kostüm, bestehend aus Weste, Body, Rock und Hut, stecken mindestens 20 Arbeitsstunden. Foto: Silvia Gralla

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!