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    Würzburg

    Uniklinik Würzburg: Neue Arbeitsweisen wegen Corona

    Täglich infizieren sich Menschen in der Region mit dem Coronavirus. Auch für die Uniklinik Würzburg ist das eine enorme Herausforderung. Ist sie dafür gewappnet?
    Insgesamt 3000 Tests hat die Virologie der Uniklinik Würzburg bereits ausgewertet. Foto: Silvia Gralla

    Täglich infizieren sich Menschen in der Region mit dem Coronavirus. In Bayern sind bereits mehr als 40 Personen gestorben, zehn davon in Würzburg. Mit den Folgen der Virusinfektion wird auch das Universitätklinikum Würzburg (UKW) täglich konfrontiert. In den letzten Wochen haben sich dort die Arbeitsweisen geändert. Gerade zu Beginn der Ausbreitung seien viele besorgte Bürger direkt in die Notaufnahme gekommen. "Dort könnten uns Covid-19-Patienten durch die Lappen gegangen sein", sagte Klinikdirektor Prof. Georg Ertl bei einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen im Landratsamt Würzburg.

    Deswegen wurde an der Uniklinik Anfang März eine zentrale Teststation eingerichtet. Tests erfolgen generell nur nach ärztlicher Anordnung. Rund 200 Abstriche pro Tag können dort untersucht werden, bisher hat die Virologie 3000 Tests abgenommen. "Im Schnitt waren etwa acht Prozent positiv", erläuterte Ertl.

    Klinik bekommt Angebote für Schutzkleidung aus China 

    Die Kapazitäten könnten jedoch erhöht werden. "Wenn das Material vorhanden ist", gab er zu bedenken. Denn dieses sei immer noch Mangelware. Die Verteilung von Schutzkitteln, Atemmasken und Desinfektionsmitteln soll bald koordinierter zwischen den Kliniken ablaufen, dafür berate man sich bereits in entsprechenden Gremien mit anderen Direktoren. Das Problem: In Krankenhäusern gibt es für gewöhnlich kein großes Lager für solche Materialien. Dass die Uniklinik im Normalbetrieb nur für zehn Tage mit Material ausgestattet ist, überraschte selbst Ertl, wie er zugab. Die Klinik bekomme Angebote aus China, um an mehr Schutzausrüstung zu kommen. Hier müsse jedoch erst geprüft werden, ob dieses Material den Anforderungen entspricht.

    Der gemeinsame Krisenstab Würzburgs hatte am Mittwochmorgen über die neuesten Corona-Entwicklungen informiert. Auch Prof. Georg Ertl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, berichtete über Neuigkeiten. Foto: Patty Varasano

    Aufstockung von Intensivbetten

    In der Intensivstation des UKW sind 40 Prozent der Betten aktuell frei. Insgesamt 80 gibt es. Eine Erhöhung auf 160 Betten ist laut Ertl möglich. "Das kann beispielsweise geschehen, indem wir OP-Räume in Intensivstationsräume umwandeln", erklärte er. Vorbereitung und Prävention seien wichtig, gab Ertl mit einem Verweis auf Straßburg zu bedenken. Dort sei die Situation besonders angespannt, da in kurzer Zeit viele Menschen auf die Intensivstationen verlegt und beatmet werden mussten. 

    "Wir rechnen nach wie vor mit einem Anstieg."
    Prof. Georg Ertl, UKW

    Patienten unter 60 auf Intensivstation

    Im UKW liegen derzeit vier Corona-Patienten unter 60 Jahren auf der Intensivstation. Einem Patienten gehe es wieder besser, er könnte womöglich bald zur stationären Behandlung verlegt werden, wo neun weitere Corona-Patienten liegen (Stand: Mittwochvormittag). "Wir rechnen nach wie vor mit einem Anstieg", so Ertl. Grundsätzlich sei man auch bereit, Patienten aus anderen europäischen Ländern zu übernehmen. Der Klinikdirektor dazu: "Das wäre auch ein gutes Signal für Europa." Beim Klinikpersonal gibt es coronabedingt keine größeren Ausfälle. Von insgesamt 6500 Mitarbeitern sind laut Klinikdirektor bislang 27 an dem Virus erkrankt.

    Der Aufwand, den Kliniken wie die Uniklinik derzeit betreiben, "ist richtig und berechtigt", findet Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) aus Donnersdorf (Lkr. Schweinfurt). Er sicherte weitere Unterstützung zu, beispielsweise durch die Beschaffung von Beatmungsgeräten. Insgesamt gebe es bayernweit 3000, 1200 weitere seien bestellt. Perspektivisch könnten noch mehr Geräte dazu kommen.

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