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    Würzburg

    Universität: Was fünf frühere Studenten über Würzburg sagen

    Sie alle sind "Alumni", also ehemalige Studierende der Uni Würzburg. Wie haben sie die Stadt zu ihrer Studienzeit erlebt? Und wie empfinden sie Würzburg heute?
    Fünf ehemalige Studenten (von links): Marc Siebentritt, Alexander Fuchs, Dr. Petra Mehling, Ekkehard Füglein und Dr. Peter Rost beim Alumni-Treffen in der Würzburger Residenz.
    Fünf ehemalige Studenten (von links): Marc Siebentritt, Alexander Fuchs, Dr. Petra Mehling, Ekkehard Füglein und Dr. Peter Rost beim Alumni-Treffen in der Würzburger Residenz. Foto: Fabian Gebert

    Manchmal scheint es, als rase die Zeit über Würzburg hinweg und unten im Tal bleibe alles wie es immer schon war.

    1861 berichtet der Würzburger Bezirksphysikus (Arzt) Dr. Friedrich Vogt im königlichen Auftrag nach München, in Würzburg werde "weit mehr studiert, als gehandelt und produziert: es ist eine Beamten- und Gelehrten-Stadt". Die meisten Gewerbe würden "den lokalen Bedürfnissen entsprechend betrieben, der Export bedeutet wenig." Und einen "Hang zur Ehelosigkeit" gebe es hier – wie heute auch. Mehr als die Hälfte der Haushalte in der Stadt sind Single-Haushalte.

    Am Rande eines Treffens des Alumni- (Ehemaligen)-Netzwerks der Universität setzte sich diese Redaktion mit ehemaligen Studierenden der Uni zusammen, um zu hören, wie sie Würzburg früher erlebten und wie sie es heute sehen. Vier machten ihren Abschluss vor 25 Jahren, einer vor 50 Jahren.

    "Gleich angemaunzt": Petra Mehling

    Petra Mehling.
    Petra Mehling. Foto: Fabian Gebert

    "Eine gewisse Derbheit, Übermut, besonders gegen Fremde, ist dem Würzburger eigen", berichtete der Bezirksphysikus Vogt, und auch diese Tradition hat sich gehalten. Petra Mehling ist vor über 30 Jahren vom Rande der Schwäbischen Alb nach Würzburg gekommen; sie hatte ihre Bewerbung fürs Medizinstudium abgeschickt, ohne die Stadt je gesehen zu haben. Sie lernte die einheimische Derbheit gleich bei ihrem ersten Besuch kennen, beim Lebensmittelkauf in der Kaiserstraße. Sie wurde "gleich angemaunzt", erzählt sie, weil sie ihren Geldbeutel nicht schnell genug gezückt habe.

    "Durchaus offene Menschen": Marc Siebentritt

    Marc Siebentritt.
    Marc Siebentritt. Foto: Fabian Gebert

    Marc Siebentritt, heute Rektor einer Grundschule in Bessenbach, ist eine gewisse würzburgische Ruppigkeit erst aufgefallen, als er nach seinem Examen nach Aschaffenburg versetzt wurde, wo ihm die Leute umgänglicher erschienen. Dabei fand er die Würzburger in den Neunzigerjahren durchaus offen. Nur waren die Menschen anderswo halt noch offener.

    "Der fränkische Wein ist des Bürgers Labsal, frühs und abends", berichtete Vogt. Von einem morgendlichen Weingenuss erzählten die fünf Akademiker nichts, aber von einem großen Gefallen am Würzburg ihrer Studienzeit, das viel mit der Kneipenszene, dem Main und dem Wein und den Weinfesten zu tun hatte.

    Von Würzburg geprägt: Alexander Fuchs 

    Alexander Fuchs.
    Alexander Fuchs. Foto: Fabian Gebert

    Alexander Fuchs hat die Uni vor 25 Jahren als Mediziner verlassen. Weil er immer viel gelernt hatte, erzählt er, habe er vom geistigen Leben außerhalb der Fakultät kaum etwas mitbekommen. Aber das sei "sehr offen" gewesen. Würzburg habe ihn geprägt, sagt er. – In welcher Weise? "Na, ich trinke schon gern Wein." Und das will etwas heißen, denn Fuchs ist nach Wunsiedel in Oberfranken gezogen, ins Stammland der Biertrinker.

    Eigentlich nichts verändert: Ekkehard Füglein

    Ekkehard Füglein.
    Ekkehard Füglein. Foto: Fabian Gebert

    Der Chemiker Ekkehard Füglein, ebenfalls in Oberfranken, in Selb, zu Hause, hat den Seinen Würzburg immer als brave Beamtenstadt beschrieben. Für ihn bestimmten in den Neunzigern die Studierenden und der Wein das Flair der Stadt, als "sehr angenehm" habe er das empfunden. Heute kommt er als Tourist nach Würzburg und eigentlich, meint er, habe sich nichts verändert.

    Das sehen die anderen anders. Die Ärztin Mehling lernte die Einheimischen nach der ersten Ernüchterung in der Kaiserstraße als spontan und herzlich kennen. Viel offener sei die Stadt mittlerweile geworden, sagt sie, und macht das unter anderem am öffentlichen Appell an Italiens Innenminister Salvini zugunsten der Flüchtlinge und Seenotretter fest. Sie ist in Würzburg geblieben und will, sagt sie, "nie wieder weg".

    Fuchs meint, "Würzburg ist doch noch mehr Stadt geworden, aber auch freundlicher und offener", und Siebentritt erwischt sich bei dem Wunsch, wieder nach Würzburg zurückzukehren.

    Die Stadt hat sich verändert: Peter Rost 

    Peter Rost.
    Peter Rost. Foto: Fabian Gebert

    Einer, Peter Rost, mit 77 Jahren der Nestor unter den Fünfen, hat den großen Überblick. Er, geboren in Randersacker und geblieben in Randersacker, Arzt und 3. Bürgermeister, hat vor 50 Jahren sein Studium beendet. Sehr kleingeistig sei Würzburg damals gewesen und sehr katholisch, berichtet er, und dass das für ihn als Evangelischen nicht immer eine Freude gewesen sei.

    Er erinnert sich an das Würzburg der Sechzigerjahre als "braune Stadt". Tatsächlich berichtete der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer im Februar 1963 einer dänischen Tageszeitung, dass "haarsträubend" sei, was in Würzburg geschehe, die ganze Stadt werde "von einer nazistischen Clique terrorisiert".

    Heute, sagt Rost, "ist das fast umgekehrt". Würzburg sei immer grüner geworden. "Dass wir einen grünen Landtagsabgeordneten haben, der gegen einen CSUler gewonnen hat, in Würzburg, das ist doch unglaublich!" Und die "Evangelen", erzählt er, "werden doch etwas mehr". Heute fühle er sich in der Stadt wohl. Würzburg habe sich sehr verändert.

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