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    WÜRZBURG / SCHWEINFURT

    Untreue: In fünf Jahren 250.000 Euro verballert

    Es geht um fast 250 000 Euro. Diese Summe hat der Ehemann der Angeklagten, der bei seinem Arbeitgeber für die Verwaltung von Renten zuständig war, auf das Konto seiner Frau „umgeleitet“. Im April 2017, als die kriminellen Machenschaften aufflogen, nahm er sich das Leben. Nun steht seine Witwe vor dem Amtsgericht Würzburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, das Geld ausgegeben zu haben.

    Kontoauszüge nie angeschaut

    Eigentlich waren es fast 280 000 Euro, um die der Mann seine Firma seit 2011 geprellt hat. Weil ein Teil der Taten verjährt ist, muss sich die Witwe „nur“ für 250 000 Euro verantworten. Vor Gericht weist die 58-Jährige aus dem Kreis Schweinfurt alle Schuld von sich: „Ich habe niemand etwas weg genommen“, sagt sie. Sie habe gewusst, dass ihr Mann Geld auf ihr Konto überweist, sich die Auszüge aber nie angeschaut. Als sie ihn gefragt habe, woher die hohen Summen kommen, habe er gesagt, das sei „alles in Ordnung“. Sie habe dann gedacht, bei den unregelmäßig und sehr verschieden hohen Beträgen, die als Rente für namentlich ausgewiesene Empfänger aufgelistet waren, handele es sich um „seinen Lohn“.

    Tatsache ist, dass das Geld weg ist. Die Altenpflegerin, die nach eigenen Angaben 1600 Euro netto verdient und für deren Konto damals nur sie und ihre Tochter verfügungsberechtigt waren, hat offenbar alles verballert. Auf jeden Fall haben die Behörden keine Vermögenswerte gefunden: Keine Immobilien, keine Grundstücke, keine Kunstgegenstände, keine teuren Autos, nicht mal Juwelierwaren oder Designer-Mode. Dafür Unmengen von Versandshaus-Klamotten, Modeschmuck, Nippes, Duftkerzen . . . Und die erwachsene Tochter, die aus einer anderen Verbindung stammt, hat auch immer mal Geld bekommen.

    „Sie gab monatlich bis zu 20 000 Euro aus“

    „Die Wohnung war voller Krimskrams“, sagt der Kripobeamte, der die Sache bearbeitet hat, im Zeugenstand. „Alles war vollgestellt.“. Der Polizist hat die Konten des Verstorbenen und der Angeklagten ausgewertet und dabei gesehen, dass die laufenden Kosten des Ehepaares vom Konto des Mannes bezahlt wurden, der zuletzt etwa 4000 Euro netto verdiente. Zusammen hätten die beiden monatlich über 5000 Euro zur Verfügung gehabt. „Die Frau gab jeden Monat bis zu 20 000 Euro aus“, sagt der Zeuge.

    Ein Arbeitskollege des Verstorbenen, der die illegalen Machenschaften entdeckt hatte, schildert den Ehemann der Angeklagten als „angenehmen, in sich gekehrten“ Mann. Schwer herzkrank sei er gewesen – und er habe unter seiner Frau gelitten, sagt der Kollege vor Gericht: „Er hat gearbeitet bis spät abends und wenn er heim kam, musste er den Haushalt machen, putzen und Wäsche waschen.“ Ihm sei es „unbegreiflich“ gewesen, warum die Frau ihren kranken Partner „nicht entlastet“ habe. Der Mann sei „ohne Freude durchs Leben gegangen“, sagt der Kollege im Zeugenstand. „Seine Altersteilzeit stand an und er hat sich nicht drauf gefreut.“

    Nichts von der Herkunft des Geldes gewusst

    Der Chef des Toten spricht von ihm als einem „ganz bescheidenen Menschen“. Der Mitarbeiter habe ihm mal erzählt, „dass sein Leben seit seiner Hochzeit 2009 schwieriger geworden und dass seine Frau sehr dominant ist“. Dass der Mann Geld veruntreut hat, indem er verstorbene Rentenempfänger nicht ausgebucht, sondern die Zahlungen „umgeleitet“ hat, hätte sein Vorgesetzter ihm „nie zugetraut“.

    Auch nach diesen Zeugenaussagen bleibt die Angeklagte bei ihrer Aussage, sie habe nichts von der illegalen Herkunft des Geldes gewusst. Sie habe zwar viele Sachen bestellt, um die Bezahlung der Rechnungen habe sich aber ihr Mann gekümmert. Und sie habe keine Ahnung gehabt, was er verdient.

    Der Staatsanwalt fordert für die Altenpflegerin eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, der Verteidiger beantragt einen Freispruch oder höchstens eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

    „Schuld auf verstorbenen Mann abgewälzt“

    Das Schöffengericht verurteilt die 58-Jährige wegen Beihilfe zur Untreue zu zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis. Ihre Behauptung, sie habe „sechs Jahre lang ihre Kontoauszüge nicht angeschaut“, glauben die Richter ihr nicht. Schließlich habe sie in Zeiten, da kein „Renten“ auf ihrem Konto eintrafen, kein Geld ausgegeben, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Behl. Wenn Geld eingetroffen sei, habe sie es „für Kram verballert“. Gar „nicht gefallen“ hat dem Gericht, dass die Altenpflegerin alle Schuld auf ihren verstorbenen Mann abgewälzt habe. „Das ist schäbig, weil er sich nicht mehr wehren kann.“

    Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren können nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

    Bearbeitet von Gisela Schmidt

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