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    Bergtheim

    Verkehrsberuhigung: Landrat setzt sich für Verbesserungen ein

    Die Bürgerinitiative B19 geht weiter auf die Straße. Unterstützung gibt es von Landrat Eberhard Nuß und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden.
    Die Verkehrssituation im nördlichen Landkreis zu verbessern, das ist das Anliegen von Landrat Eberhard Nuß (links). In Bergtheim besprach er sich mit den Bürgermeistern Alois Fischer, Konrad Schlier und Bernd Schraud (2. bis 4. von links). Foto: Irene Konrad

    Mitte Januar sind Bürgerinnen und Bürger in Bergtheim und auf dem Stadtring Süd in Würzburg wieder einmal auf die Straße gegangen. Die Bürgerinitiative B19 "Verkehrsberuhigung und Ortsumgehung Unterpleichfeld-Bergtheim-Opferbaum-Eßleben" und die "Brummigegner" demonstrierten, weil sie auf die "katastrophalen Verkehrsverhältnisse" im nördlichen Landkreis, das zunehmende Verkehrsaufkommen und den belastenden Schwerverkehr in der Stadt aufmerksam machen wollten.

    Verglichen zu ähnlichen Aktionen seit 2014 mögen die Demonstranten weniger geworden sein. Die Ortsdurchfahrten in Unterpleichfeld und Bergtheim wurden in den Jahren 2015 und 2016 ausgebaut, eine Ortsumgehung von Bergtheim ist wohl vom Tisch und die Bundesstraßen wurden ab Juli 2018 für Lkws über 7,5 Tonnen mautpflichtig. Aber nach wie vor fahren täglich 800 Lkws und über 13 000 Pkws durch die Dörfer.

    Landrat Eberhard Nuß lobt Engagement der Bürger 

    Dass der Protest nicht nachlässt, lobt Landrat Eberhard Nuß ausdrücklich. Er unterstreicht die Forderungen der Demonstranten: Schwerlastverkehr auf die Autobahn! Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer! Weitere Ampelanlagen und Querungshilfen! Tempobegrenzungen! Stationäre Geschwindigkeitsmessstellen! Lediglich den "Aufruf an die Politik", endlich zu handeln, sehe er differenziert.

    Zu einem Treffen mit den Bürgermeistern Konrad Schlier (Bergtheim), Alois Fischer (Unterpleichfeld) und Bernd Schraud (Hausen) legt Landrat Nuß eine Chronologie der Aktivitäten vor, die er und der Kreistag zur Verbesserung der Verkehrssituation in den betroffenen Gemeinden seit knapp 20 Jahren angestoßen und verfolgt haben.

    Im Juli 2001 etwa gab es einen Beschluss im Kreistag zur Fernstraßenentwicklungsachse in Mainfranken, bei dem die Aufnahme der Westumfahrung von Würzburg zur Querverbindung der A3 zur A7 abgelehnt wurde. Stattdessen forderte der Landkreis Würzburg die Bayerische Staatsregierung auf, dass der sach- und ordnungsgerechte Ausbau der beiden Autobahnen zu jeweils sechs Spuren "unmittelbar durchgeführt wird".

    Der Wunsch nach "Gesunden Wohnverhältnissen" 

    Seitdem haben sich das Landratsamt und der Kreistag immer wieder mit der hohen Verkehrsbelastung der Anwohner auseinander gesetzt. Aus ökologischer Sicht und "um endlich gesunde Wohnverhältnisse in den derzeit völlig überlasteten Ortsdurchfahrten zu verschaffen". Gleichbleibend wird der Ausbau der A7 zwischen dem Autobahndreieck Werneck und dem Autobahnkreuz Biebelried gefordert.

    Später kamen Resolutionen zur B 26n, Briefe von Landrat Nuß an das Bundes-Verkehrsministerium, an Staatsminister Joachim Herrmann oder den damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Staatssekretärin Dorothee Bär dazu. Es gab viele Kontakte zu den fränkischen Abgeordneten, zu Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt und zu den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden.

    "Der überregionale Verkehr hat in den Landkreisgemeinden nichts verloren." 
    Landrat Eberhard Nuß

    Bauliche Verbesserungen sind gemacht worden, etwa mit einem Flüsterasphalt, Ampelanlagen, Querungshilfen oder dem Kreisverkehr in Bergtheim. Aber bei starkem Verkehrsaufkommen oder geringsten Störungen verlassen viele Pkws und Lkws die A7 an den Anschlussstellen Werneck oder Gramschatzer Wald und fahren auf der B 19 durch Bergtheim und Unterpleichfeld oder durch den Hausener Ortsteil Erbshausen.

    Sie werden gestützt durch Navigationssysteme und – zum besonderen Ärgernis der Anwohner – durch Staumeldungen von Radiosendern, die zum Ausweichen durch ihre Dörfer aufrufen. "Der überregionale Verkehr hat in den Gemeinden nichts verloren", sagt der Landkreischef. Deshalb sei der sechsspurige Ausbau der A7 die dringendste Forderung und sowohl ökologisch als auch ökonomisch der richtige Weg.

    Der neue Kreisverkehr nördlich von Bergtheim trägt zur Verbesserung des Verkehrs auf der Bundesstraße 19 bei. Auf der Verkehrsinsel von links: Bernd Schraud, Konrad Schlier, Landrat Eberhard Nuß und Alois Fischer. Foto: Irene Konrad

    Es freut Landrat Nuß, dass die Unterpleichfelder und Bergtheimer den Ausbau ihrer Ortsdurchfahrten loben. Weil sich das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches vermehrt hat, sieht er auch dringenden Handlungsbedarf zur Änderung der Straßenverkehrsordnung. Sie stammt noch aus dem Jahr 1971. Damals galt die längst überholte Maxime "Freie Fahrt für freie Bürger". Heute ginge es um Rücksichtnahme und Sicherheit.

    Mehr Mitspracherecht der Mandatsträger vor Ort gefordert

    Praktisch wöchentlich würde die Verkehrsbehörde am Landratsamt Anträge von Gemeinden auf Tempo 30 innerhalb und auf Tempo 70 außerhalb ihrer Ortschaften erhalten. Weil sie oft gesetzlichen Vorgaben widersprechen, könne diesen Anträgen nicht entsprochen werden. Deshalb plädiert der Landrat auf eine Anpassung der Straßenverkehrsordnung und auf mehr Mitspracherecht der Mandatsträger vor Ort.

    Mehr Mitspracherecht, das wünschen sich die Bürgermeister Schraud, Schlier und Fischer vor allem bei baulichen Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Sie halten auch das Aufstellen von automatischen Radarsäulen für sinnvoll. Und auf jeden Fall müsse es schneller gehen mit dem sechsspurigen Ausbau der A7, die leider nicht im "vordringlichen Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans eingestuft ist.

    Versprechen an die Bürgermeister

    Nur wenn Gelder da wären, könnte der dringend geforderte Ausbau der A7 möglicherweise früher beginnen. "Sonst dauert es mit einem Baubeginn mindestens bis 2032", erklärt Bürgermeister Schlier, der als Vorsitzender der Allianz "Würzburger Norden" schon 2016 eine Resolution der zehn Mitgliedsgemeinden auf den Weg gebracht hat.

    Landrat Nuß wird nicht müde, diesen Ausbau zu fordern. "Ich werde erneut an den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schreiben", verspricht er den betroffenen Bürgermeistern.

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