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    Würzburg

    Verkehrskontrolle: Aufgeführt wie Rambo

    Bei einer Verkehrskontrolle wurde ein Polizist verletzt: In der zweiten Instanz vor dem Würzburger Landgericht fiel das Strafmaß für einen 33-Jährigen höher aus als vor dem Amtsgericht.    Foto: dpa/Uwe Anspach

    Es war nicht das erste Mal, dass sich ein 33-jähriger Mann gegen eine polizeiliche Maßnahme gewehrt hat: Weil er vor gut einem Jahr bei einer Verkehrskontrolle in der Nürnberger Straße komplett ausgerastet ist und durch einen Kavalierstart mit seinem Cabrio einen Polizeibeamten verletzt hat, ist der Familienvater aus dem Landkreis Würzburg jetzt vom Landgericht zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

    Dass er sich am Vormittag des 20. Dezember 2018 völlig daneben benommen hat, und das auch noch vor den Augen seines damals sechs Jahre alten Sohnes, das hat der 33-Jährige inzwischen eingesehen: In erster Instanz wurde er vom Amtsgericht Würzburg wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro (160 Tagessätze à 25 Euro) verurteilt und hatte dieses Urteil auch akzeptiert. Nicht so die Staatsanwaltschaft, die eine höhere Strafe wollte und deshalb in Berufung ging.

    Beim Fahren das Handy am Ohr 

    Der Angeklagte wurde von der Polizei gestoppt, weil er am Steuer mit dem Handy am Ohr beobachtet worden war – übrigens zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten. Statt sich schuldeinsichtig zu zeigen, rastete der BMW-Fahrer aus. Erst behauptete er, sein kleiner Sohn, der ohne Kindersitz auf dem Beifahrersitz saß, habe das Handy in der Hand gehabt. Dann rief er bei der Einsatzzentrale an und beschwerte sich über eine unrechtmäßige Kontrolle durch falsche Polizisten, weil ihm einer der Beamten – klar erkennbar durch Uniform und Warnweste – nicht sofort den Dienstausweis zeigen wollte. Bevor die Kontrolle beendet war, stieg er wieder in sein Cabrio und legte einen Kavalierstart mit durchdrehenden Reifen hin, bei dem das Auto nach links schleuderte.

    Dort stand der Polizeibeamte, der ihn am Wegfahren hindern wollte. Er wurde von dem schleudernden Fahrzeug am Knöchel getroffen, stürzte zu Boden und verletzte sich dabei so schwer an der Schulter, dass er eine geplante Urlaubsreise kurzfristig absagen musste und mehrere Wochen nicht dienstfähig war. "Ich hatte ihm mehrfach gesagt, dass die Kontrolle noch nicht beendet ist. Er war total durchgeknallt", berichtete der Polizist im Zeugenstand. Er hat im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro von der Versicherung des Angeklagten bekommen, auch die Behandlungskosten wurden erstattet.

    Bewährungsauflage: 200 Stunden gemeinnützige Arbeit   

    "Ich hatte in keinster Weise vor, ihn zu verletzen", betonte der 33-Jährige. Nach seinem Kavalierstart hielt er sofort wieder an, stieg aus und sah sich einem Kollegen des Verletzten mit gezogener Dienstwaffe gegenüber, der ihm die Festnahme erklärte. Zwei Vorstrafen wegen vorsätzlicher Körperverletzung standen bereits in seinem Strafregister, in einem der Fälle hatte er einen Kripo-Beamten weggestoßen, der im Rahmen einer Durchsuchung seiner Wohnung vor mehreren Jahren einen Computer sicherstellen wollte.

    Auch nach der erneuten Beweisaufnahme gingen Anklagevertreter und Strafkammer zu Gunsten des Angeklagten nicht von einem Körperverletzungsvorsatz aus: "Das war gröbste Fahrlässigkeit, hart an der Grenze zum Vorsatz", betonte der Staatsanwalt, der eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten beantragte.

    Noch deutlicher wurde die Vorsitzende Richterin Susanne Krischker, die von einem "in keinster Weise akzeptablen Verhalten" sprach: "Sie haben sich aufgeführt wie Rambo." Eine Geldstrafe, wie vom Amtsgericht verhängt und vom Verteidiger gefordert, sei in diesem Fall nicht mehr angemessen. Als Bewährungsauflage muss der 33-Jährige 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Seine Fahrerlaubnis, die ihm vor einem Jahr vorläufig entzogen wurde, bekommt er in sechs Monaten zurück. Das Urteil ist rechtskräftig.

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