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    Hausen

    Verpflichtende Blühflächen auf gemeindlichen Grundstücken?

    Blühflächen wie diese in Rieden soll es auf Antrag der Jäger und Jagdpächter in Hausen demnächst verpflichtend geben. Foto: Werner Mohr

    Ein deutliches Zeichen für die Artenvielfalt setzen, das wollen die Jäger und Jagdpächter der Gemeinschaftsjagdreviere Hausen, Erbshausen und Rieden. Deshalb haben sie einen "Antrag auf Schaffung von Blühflächen auf gemeindlichen Grundstücken" an den Gemeinderat gestellt. Die Gemeinde soll auf ihren Pachtgrundstücken verpflichtend Blühflächen ausweisen.

    13 Jäger und Jagdpächter aus allen drei Ortsteilen der Gemeinde haben den Antrag unterschrieben. Ihr konkreter Anlass ist die Neuverpachtung gemeindlicher Flächen für die Pachtzeit vom 1. November 2019 bis 31. Oktober 2025. Die Zeit drängt, weil die Pachtangebote ortsansässiger Bürger bis spätestens 15. Juni bei der Gemeinde eingegangen sein müssen.

    Es geht vor allem um 26 Äcker, die neu verpachtet werden 

    Von den 40 Pachtflächen der Gemeinde sind 14 Flächen bereits Wiesen. Um sie geht es den Jägern in ihrem Antrag nicht, sondern um das Ackerland. Die neu zu verpachtenden 26 Äcker haben unterschiedliche Größen zwischen rund 2000 Quadratmetern und knapp drei Hektar. Die Antragsteller möchten, dass die Gemeinde mindestens 20 Prozent dieser Flächen als Blühflächen ausweist.

    Die Jäger und Jagdpächter haben sich ihren Antrag gut überlegt. Sie stellen sich vor, dass die Gemeinde den Landwirten auf deren gebotenen Pachtpreis 20 Prozent Nachlass gewährt. Das würde eine Mindereinnahme für die Gemeinde von rund 4000 Euro im Jahr bedeuten. Im Gegenzug sollte sich der Landwirt verpflichten, auf 20 Prozent der Pachtfläche auf eigene Kosten eine Blühmischung auszusähen.

    Weil es staatliche Förderungen für Blühflächen gibt, würde ein Landwirt für die Aussaat mit Blühmischungen entschädigt. Zwar fördert das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) für die Aussaat und den damit verbundenen Aufwand derzeit maximal drei Hektar. Aber die Landwirte wüssten das. Die Jäger und Jagdpächter sind jedenfalls überzeugt, dass ein Landwirt mit ihrer vorgeschlagenen Regelung keine finanziellen Nachteile eingeht.

    Freiwilliger und minimaler Aufwand für die Gemeinde

    "Die Gemeinde würde mit ihrem freiwilligen und minimalen Aufwand viel für die Artenvielfalt erreichen", sind die Antragsteller überzeugt. Die Blühflächen dürfen erst alle fünf Jahre gemäht oder gemulcht werden. Weil die Gemeinde in allen drei Ortsteilen Grundstücke neu verpachtet, wäre "eine sehr breite Streuung von Biotopen in unserer Gemarkung gegeben".

    Die Jäger und Jagdpächter geben zu, dass es ihnen nicht nur um die aussterbenden Insektenarten, sondern auch um andere Tiere geht. Das Insektensterben ist spätestens seit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" und den Lesungen für einen Gesetzesentwurf im Bayerischen Landtag in aller Munde. Mittlerweile kündigte auch die EU-Kommission in Brüssel an, die Europäische Bürgerinitiative "Rettet die Bienen" am 27. Mai offiziell zu registrieren.

    Die Organisatoren haben dann ein Jahr Zeit, um in mindestens sieben EU-Ländern eine Million Unterschriften zu sammeln. Die EU-Kommission ist aufgefordert, "Rechtsvorschriften zu erlassen, um Lebensräume für Insekten als Indikatoren einer intakten Umwelt zu erhalten und zu verbessern".

    "In der Natur hängt alles zusammen"

    Dass sich die Jäger und Jagdpächter in der Gemeinde Hausen für selten gewordene Insekten, Wildbienen und Laufkäfer einsetzen, liegt also voll im Trend. "In der Natur hängt alles zusammen", wissen die Antragsteller. Insekten überwintern etwa in den Halmen von Gräsern. Dass eine mehrjährige Blühfläche Niederwildarten wie Feldlärche, Rebhuhn, Wachtel oder Fasan Schutz bietet, sei bekannt und immer schon wichtig gewesen.

    Jäger und Jagdpächter sind oft draußen in der Natur. Sie liegt ihnen am Herzen. Viele der Hausener Antragsteller haben schon seit Jahren privat mehrjährige Blühflächen angelegt. Nun möchten sie die Gemeinde mit einbeziehen. Die 20-Prozent-Verpflichtung der Pächter gemeindlicher Flächen auf die Aussaat von Blühflächen würden die Bürger sicher honorieren, meinen sie.

    Der Antrag ist im Gemeinderat ausführlich diskutiert worden. Die beiden Jäger Werner Mohr und Ulrich Schmitt bekamen das Wort und erklärten ihr Anliegen und ihre Beweggründe. Auch der Landwirt Rupert Hetterich beteuerte, er würde als potentieller Pächter gemeindlicher Flächen die 20-Prozent-Regelung befürworten.

    Rat tut sich mit strikter Verpflichtung schwer und will abwarten

    Das Ratsgremium unterstrich "eine grundsätzliche Zusammenarbeit" mit den Jägern und Jagdpächtern. Mehrere Ratsmitglieder verdeutlichten, "wirklich etwas für den Artenschutz tun" zu wollen. Mit der strikten Verpflichtung der Pächter tat sich das Ratsgremium allerdings schwer. Sie könnten sich bei der Verpachtung der Äcker eher ein freiwilliges Nachlass-Angebot zugunsten der Blühflächen vorstellen.

    Letztendlich wurde der Antrag vertagt, weil der Gemeinderat abwarten möchte, was der Bayerische Landtag zum neuen Artenschutzgesetz und damit zur Verpflichtung der Kommunen beschließt.

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