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    WÜRZBURG

    Verschwinden ins Nichts

    Uwe Bergfelder liefert in „Vater“ ein darstellerisches Meisterstück. Foto: Britta Schramm

    Das Thema Demenz und das langsame geistige und physische Verschwinden geliebter und vertrauter Menschen gewinnt an niederschmetternder Schlagkraft, im richtigen Leben wie im Theater. Der französische Gegenwartsautor Florian Zeller setzt sich in seiner Tragikomödie „Vater“ mit dem schmerzhaften Verschwinden des eigenen Vaters auseinander. Das Würzburger Theater am Neunerplatz zeigt jetzt eine großartige Umsetzung des anrührenden, beklemmenden und durchaus humorvollen Stücks.

    Spannendes Vexierspiel

    Wo ist die Armbanduhr denn jetzt schon wieder, fragt sich André (Uwe Bergfelder) und schiebt die Schuld an ihrem Verlust auf alle möglichen. Auf die Pflegekraft Laura (Francesca Weiß), seine Tochter Anne (Annika Bentele) oder deren Mann Antoine (Andreas van den Berg). André fühlt sich bedroht und allein gelassen, wird zornig und verletzend. Und merkt doch anfangs noch selbst, dass etwas nicht richtig läuft in seinem Kopf, sagt, er habe das Gefühl, dass er alle seine Blätter verliere. Autor Florian Zeller entschied sich für sein Stück für einen ungewöhnlichen Perspektivwechsel auf die Seite des Demenzkranken. Der Zuschauer erlebt so ein spannendes Vexierspiel aus sich wiederholenden Szenen, wechselnden Darstellern und beklemmenden Einblicken in die verstörte Psyche eine Mannes, der sich in seinem eigenem Leben nicht mehr zurechtfindet. Räume werden enger, vertraute Menschen zu Fremden, Farben verschwinden, genau wie André selbst am Ende seiner beklemmenden Reise ins Nichts.

    Ein wirklich großartiges Kammerspiel was Regisseurin Britta Schramm und ihr Team auf die Bühne gestemmt haben. Ute Friedrich vermittelt mit der farblichen Abstimmung der Kostüme Vertrautheit und Nähe bei André, bevor auch hier die Farben immer karger werden. Wolfgang Salomon versetzt seine Musik mit Dissonanz und Störgeräuschen. Sven Höhnkes stimmiges Bühnenbild verwandelt sich von bunt zu trist. Die Darsteller beherrschen ihr Spiel, mal anrührend gefühlvoll und mal voll beklemmendem Zorn oder einfach nur drollig und lustig. Gerade Uwe Bergfelder liefert in „Vater“ ein darstellerisches Meisterstück.

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