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    OBERPLEICHFELD

    Veterinäramt kritisiert Pferdeunterstand

    Die beiden Shetlandponys in ihrer Koppel vor dem Unterstand aus Plastikplanen (rechts). Foto: Irene Konrad

    „Warum reagiert denn niemand? Das ist doch zum Heulen! So kann man doch nicht mit einem Tier umgehen!“ Damit hat sich eine Tierfreundin an die Redaktion gewandt. Zwei Shetlandponys würden frierend auf einer Wiese am Rand von Oberpleichfeld stehen und hätten als Unterstellmöglichkeit nur einen durchlöcherten Bretterverschlag. „Viele Dorfbewohner und Pferdefreunde ringsum regen sich darüber auf, aber allen sind die Hände gebunden“, ist die gebürtige Oberpleichfelderin aufgebracht. Sie möchte nicht namentlich genannt werden.

    Löcher in den Planen

    Worum geht es? In der Ecke eines großen Grundstücks am Ortsrand stehen zwei weiße Ponys auf einer eingezäunten Koppel im Matsch und Schnee. Die Pferde haben ein dickes Winterfell. Ihr Unterstand ist kein solider „Bretterverschlag“. Es sind zusammengezimmerte Latten als Gerüst mit Planen aus Plastik darüber. Diese Planen sind löchrig.

    In einem Sack in einer Ecke des Offenstalls gibt es für die Ponys Heu zum Fressen. Ob „das Trinkwasser bei den Minustemperaturen gefroren ist“, wie die entrüstete Frau am Telefon mutmaßte, ist von außen nicht zu sehen.

    Etliche haben sich bei der Bürgermeisterin beschwert

    Das Grundstück liegt an einem schönen Spazierweg am Ortsrand. „Ich kann gar nicht mehr hinsehen“, sagt ein Dorfbewohner, der fast jeden Tag dort entlang läuft. Es blute ihm das Herz beim Anblick des Mülls und Schutts auf der Wiese und der armseligen Tiere.

    Dass „niemand etwas unternimmt und keiner reagiert“, das stimmt allerdings nicht. Bei Bürgermeisterin Martina Rottmann sind etliche Beschwerden eingegangen. Sie hat sich daraufhin am 23. Januar an das Veterinäramt gewandt mit der Bitte um Überprüfung, ob die Haltung der Ponys artgerecht sei. Schon zwei Tage später haben Mitarbeiter des Amtes eine Kontrolle vor Ort durchgeführt.

    Shetlandponys gelten als besonders robust

    Otto Erb, Leiter des Veterinäramtes in Würzburg, gibt Auskunft: „Grundsätzlich können Pferde, egal welcher Rasse, ganzjährig im Freien gehalten werden, sofern sie daran gewöhnt sind und zum Winter hin Gelegenheit hatten, ein Winterfell auszubilden. Gerade Ponyrassen, wie Shetlandponys, gelten aufgrund ihrer Herkunft besonders robust gegenüber schlechteren Witterungsbedingungen“, erklärt er.

    Auch tiefere Minustemperaturen seien für Pferde gut tolerierbar, solange sie bei feuchter Witterung wie Regen oder Schnee eine Möglichkeit haben, sich unterzustellen. Das gelte vor allem in Verbindung mit Wind. Bei einer reinen Weidehaltung müsse deshalb ein Witterungsschutz vorhanden sein.

    Veterinäramt stellt Mängel fest

    Genau um diesen Witterungsschutz geht es den besorgten Tierfreunden. Ein Pferdebesitzer bestätigt auf Nachfrage der Redaktion, dass die Kälte einem Pferd nichts ausmacht. Aber in diesem Verschlag könnten sich die Tiere nicht zugfrei unterstellen. Das sei in seinen Augen Tierquälerei. Für ihn ist der Zustand „schlimmer, als ich es nach verschiedenen Schilderungen gedacht habe“. Die Ponys hätten auch „keinen Auslauf“, sagt der Pferdefachmann.

    Erb und sein Veterinäramt haben bei ihrer Überprüfung „Mängel in der Haltung festgestellt“. Er berichtet: „Der Auslauf der Pferde war stark matschig, den Pferden stand im Unterstand keine trockene Liegefläche zur Verfügung und die Hufe waren pflegebedürftig.“

    Mängel wurden beseitigt

    Das Veterinäramt hat die Behebung dieser Mängel angeordnet und bei einer weiteren Kontrolle am 6. Februar überprüft, ob sie auch behoben wurden. „Der Unterstand war nun an drei Seiten und das Dach mit Folie abgedeckt. Dreiviertel der Bodenfläche des Auslaufs war mit Sand aufgeschüttet und damit trocken und trittfest. Der Boden des Unterstandes war mit Stroh eingestreut und trocken. Die Hufe der Ponys waren gerichtet.“ Dennoch: Auch künftig wird das Veterinäramt „die Einhaltung der Haltungsbedingungen im Auge behalten“.

    Die Besitzerin der beiden Shettys ärgert sich, dass sie beim Veterinäramt angezeigt wurde. Auf ihrem Smartphone zeigt sie Bilder ihrer Ponys im Schnee und fragt: „Sehen diese Tiere etwa krank aus? Gefrorenes Wasser? Quatsch!“ Zwei Mal pro Tag würde sie einen Kanister frisches Wasser zu den Ponys fahren. Insgesamt sei sie „jeden Tag etwa drei Stunden bei den Tieren“.

    Pferdehalterin reagiert empört über Vorwürfe

    In dieser Zeit hätten die beiden Pferde einen größeren Auslauf auf dem gesamten Grundstück. Obwohl der Paddock mit seinen 150 Quadratmeter größer sei als vorgeschrieben. „Die Hufe der Ponys stehen doch nicht im Dreck“, reagiert sie empört auf diesen Vorwurf. „Wir haben zwölf Tonnen Sand aufgeschüttet, damit die Pferde trocken stehen“, bestätigt sie die Angaben des Veterinäramts.

    Nach Meinung der Besitzerin haben die beiden Shettys ausreichend Platz und werden artgerecht gehalten. Ihr Winterfell schützt sie vor jeder Witterung. Und der Offenstall sei „an drei Seiten zu, so wie vorgeschrieben“.

    Infos Shetlandponys mit Winterfell

    Shetlandponys sind von Natur aus robust, genügsam und anpassungsfähig an unterschiedliche Witterung. Sie können ungemütliches Wetter wie Kälte, Sturm und Regen aushalten. Rechtzeitig zum Winter wächst den Shettys ein dichtes Fell. Ihre „Winterjacke“ besteht aus mehreren Schichten. Eine Fettschicht auf der Haut verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit, Das dichte wärmende Unterhaar und die langen Deckhaare schaffen eine ideale Thermoregulierung, so dass die Ponys auch bei Eis und Schnee draußen sein können.

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