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    Würzburg

    Volksverhetzung am AfD-Infostand? Wer hinter dem Video steckt

    Äußerungen von Würzburger AfD-Politikern über Juden und Muslime in einem Video beschäftigen die Polizei. Die AfD wittert Islamisten hinter dem Film. Ist das wirklich so?
    Die AfD wittert Islamisten hinter dem Film, der auf dem YouTube-Kanal 'MuslimTvDe' veröffentlicht wurde.
    Die AfD wittert Islamisten hinter dem Film, der auf dem YouTube-Kanal "MuslimTvDe" veröffentlicht wurde. Foto: Monika Skolimowska, dpa

    Das Video, in dem Würzburger AfD-Funktionäre zu ihrer Haltung zu Muslimen und Juden befragt werden, schlägt seit Tagen hohe Wellen. In dem 23-minütigen Film erklärt unter anderem der AfD-Kreisvorsitzende Herold Peters-Hartmann, in Deutschland existierten drei "Blöcke": Christen, Muslime und Juden. Letztgenannte hätten "sehr viel Einfluss". Außerdem sagt er, ein "homogenes Volk wäre ein Traum". Oberbürgermeister Christian Schuchardt sah in den Aussagen Volksverhetzung und schaltete die Polizei ein. Doch wer steckt hinter dem Video?

    Video

    Wen die AfD als mögliche Hintermänner des Videos nennt

    Veröffentlicht wurde es auf dem YouTube-Kanal "MuslimTvDe". Gerd Mannes, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD, äußerte in einer Pressemitteilung den Verdacht, "Reporter und Kameramann" des Videos "seien mutmaßliche Vertreter einer zumindest fragwürdigen fundamentalistisch-islamischen Internet-Plattform, deren Aktivitäten der Verfassungsschutz im Blick habe".

    Auf Nachfrage schickte Mannes der Redaktion am Montag seine Informationen dazu, die "ein Mitarbeiter" recherchiert habe. Demnach geht die AfD davon aus, dass hinter dem YouTube-Kanal "MuslimTvDe" eine Internetseite namens "muslim.tv" steckt, die im Impressum Gürhan und Yavuz Özoguz führt – Brüder der ehemaligen Integrationsbeauftragten Aydan Özoguz. Die SPD-Politikerin hat sich schon vor Jahren von ihren Brüdern distanziert, die tatsächlich zumindest zeitweise im Visier der Verfassungsschützer standen.

    "Der Kanal wird von Ahmadiyyas bespielt, die definitiv keine Islamisten sind."
    Peter Neumann, Islamismusexperte am King's College in London

    Das Problem: Offenbar liegt hier seitens der AfD eine Verwechslung vor. Auf YouTube gibt es mehrere Kanäle, die – in unterschiedlichen Schreibweisen – "Muslim TV" heißen. Die Redaktion zeigte dem Würzburger Extremismusforscher Peter Neumann den Kanal, auf dem das AfD-Video veröffentlicht wurde. Die Einschätzung des Islamismusexperten: "Der Kanal wird von Ahmadiyyas bespielt, die definitiv keine Islamisten sind." Im Gegenteil: "Es gibt wirklich keine muslimische Gruppe, die sich konsequenter gegen Islamismus und Gewalt ausgesprochen hätte."

    Die Ahmadiyya-Gemeinde zählt in Deutschland nach eigenen Angaben 40 000 Mitglieder und sieht sich als islamische Reformbewegung. In den Augen von Fundamentalisten stelle die Ahmadiyya-Lehre "eine Form von Ketzerei" dar, so Neumann. "Ahmadiyyas werden daher regelmäßig zu Opfern brutaler Gewalt, etwa in Pakistan."

    Wie das Video zustande kam

    Tatsächlich verweist der YouTube-Kanal "MuslimTvDe" nicht auf die Internetseite "muslim.tv", dafür auf Internetauftritte einer Ahmadiyya-Organisation. Nach einer kurzen Recherche telefoniert die Redaktion mit Muzaffar Mehmood, der in dem Video mit den AfD-Funktionären in Würzburg diskutiert. Er bestätigt die Ahmadiyya-Zugehörigkeit. "Wir bekennen uns loyal zu dem Land, in dem wir leben", sagt er. Konsens müsse das Grundgesetz sein, "an das sich jeder halten muss, egal welcher Religion er angehört".

    Auch wegen der AfD seien Ressentiments gegen Muslime in Deutschland gewachsen, erklärt er die Motivation für das Video: Man wolle das Islam-Bild korrigieren und suche dazu den Dialog. "Vor uns Muslimen muss man sich nicht fürchten." Dass in Würzburg gedreht wurde, sei Zufall gewesen. Man habe eine Möglichkeit gesucht, mit AfD-Politikern in Kontakt zu kommen. Das sei während des Kommunalwahlkampfes in Bayern am einfachsten gewesen.

    Wurden die AfD-Politiker heimlich gefilmt?

    Das komplette Gespräch habe rund 45 Minuten gedauert. Versteckte Kameras oder Mikrofone, wie von AfD-Seite kolportiert wurde, habe man nicht genutzt. "Wir haben auch gesagt, dass wir einen Film für YouTube drehen", so Mehmood. Seine Bilanz des Gesprächs: "Ich war von der Deutlichkeit überrascht. Fast am meisten schockiert hat mich, dass die AfD sich so klar antisemitisch geäußert hat."

    Die Würzburger AfD hat auf eine Anfrage der Redaktion bis jetzt nicht reagiert.

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    Kommentare (7)

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