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    OCHSENFURT

    Volle Kirchenbänke bei der Kirchentour

    Jedes Mal waren die Kirchenbänke voll – und damit ist die Kirchen-Entdeckungstour für die Pfarrer wohl zu einem neuen Glanzpunkt im Kirchenjahr geworden. Zum sechsten Mal lud das Dekanat Ochsenfurt dazu ein und kann sich inzwischen über einen Selbstläufer freuen: die Pfarreien zeigen gerne ihre Kirchen und jeweils mehr als 100 Besucher wollten sie gerne sehen und erklärt haben.

    Blick hinter den Altar

    So füllte der Vortrag von Ruhestandspfarrer Herbert Neeser zum 350. Weihejubiläum die ehemalige Klosterkirche der Kapuziner. Es lockte nicht zuletzt ein Blick ins Oratorium hinter dem Hauptaltar, dem Gebets- und Versammlungsraum der Kapuziner. Städtische Mitarbeiter und Helfer hatten im Vorfeld für Ordnung gesorgt und dem typisch kapuzinischen Bau etwas seiner Würde zurück gegeben. Denn Kreuzgang und Oratorium hatten jahrelang als Abstellkammer des Seniorenheims gedient.

     

    „Kirche bleibt Kirche“, sagte Bürgermeister Peter Juks, der es deshalb auch als Aufgabe ansieht, „sie zu erhalten und mit Liebe zu erfüllen“. Ohne Heizung und für viele der Senioren schwer erreichbar, hatte sie als Hauskapelle des Seniorenheims schon eine Weile ausgedient, spätestens aber mit der Einweihung der kleinen Kapelle im Haus Franziskus am Sonntag, unmittelbar vor der Kirchentour 2017.

    Einweihung der kleinen Kapelle

    Rund zehn Jahre nach den ersten Diskussionen, wie die Zukunft der Pfründespital-Stiftung und des Seniorenheims aussehen kann, war die Einweihung der kleinen, runden Kapelle ganz in weiß mit einem beleuchtetem Kreuz, dem Veranstaltungssaal und der Cafeteria der Schlusspunkt aller Baumaßnahmen. Dank Förderverein, Firmen-Spenden und der guten Auslastung von Haus Franziskus sowie dem Service-Wohnen, habe man sich diesen zusätzlichen Raum mit diesen drei Funktionen geleistet, so Alexander Schraml, Geschäftsführer Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg.

    Zur essentiellen Grundausstattung gehöre so ein Treffpunkt nicht und das, obwohl er als Ersatz für den grünen Saal im Vorgängerbau sehr erhofft wurde. Die Gottesdienste würden immerhin von durchschnittlich 80 Prozent der mobilen Bewohner besucht, sagte Pfarrer Thomas Volk. Davon könne man in anderen Kirchen nur träumen. Volk, Diakon Norbert Hillenbrand und die ehrenamtlich tätige Gabriele Meixner, teilen sich die Seelsorge im Haus Franziskus.

    Mangel an Glauben und Gläubigen

    Den Mangel an Gläubigen thematisierte auch Pfarrer Klaus Weber in der „harmonisch ausgestatteten“ kleinen Barock-Kirche in Hohestadt, die für den Moment wohl ausreiche, „selbst in der Osternacht“. Einen eigenen Pfarrer habe Hohestadt auch früher nicht immer gehabt, schon aus finanziellen Gründen, während es heute eher ein Mangel an Glauben und Gläubigen sei. Weber, der seit einem Jahr Nachfolger von Pfarrer Klaus Oehrlein in der Pfarreiengemeinschaft Tückelhausen ist, erklärte die 1771 errichtete und Johannes dem Täufer geweihte Kirche, bei der Ortsparton St. Valentinus, der Patron der Liebenden, den Blick von der Fassade auf die Dorfstraße genießt.

    Fast alles sei original aus der Entstehungszeit, allerdings fehlen die Deckengemälde und die Altarbilder von Georg Anton Urlaub. Sie waren 1857 durch Arbeiten des Giebelstadter Malers Georg Michael Hanfmann ersetzt worden: die Taufe des Herrn im Hochaltar, seitlich Maria und St. Valentin. Bemerkenswert seien die Kanzel mit dem Apostel Paulus, umgeben von den damals bekannten vier Erdteilen und auf dem Schalldeckel bekrönt durch die Symbolfiguren der Evangelisten sowie das von Oehrlein erworbene Fastentuch im Chorraum, das in der Fastenzeit der Hochaltar verdeckt – um das Selbstverständliche zu etwas Besonderem zu machen.

    Die Kirche jedenfalls bleibt bestehen, „predigte“ er gut gelaunt und abschließend. Die Frage sei: „ob wir ihr treu bleiben“. Auf seinen eigentlichen Schatz jedenfalls konnte er sich verlassen: die Hohestadter, die sich mit tatkräftigem Glauben engagieren – und einmal mehr im Pfarrheim Kaffee und Kuchen auftischten.

    Pfusch am Bau, ein einstürzender Turm und ein Beichtstuhl hinter dem Hochaltar

    Ebenfalls Johannes dem Täufer geweiht ist die Kirche in Sonderhofen, die zu den Urpfarreien der Diözese gehört, entstanden im 8. Jahrhundert und stets sehr begütert. Nichtsdestotrotz gab es Fehlentscheidungen und Pfusch am Bau, sodass einmal der Turm auf den Chorraum gestürzt und einmal auch die Sakristei eingefallen war, so die Erläuterungen. Die Kirche mit ihren vielen Bezügen zu Johannes dem Täufer, die ohne Pfarrer Klaus Königs Erklärungen wohl den wenigsten ersichtlich gewesen wären, hatte sogar 100 Jahre ohne Turm auskommen müssen.

    König berichtete, dass er auch jetzt niemanden finde, der das restaurierte Kreuz aus dem alten Sonderhöfer Torhaus seitlich im Chor aufhänge. Dafür seien seine Vorgänger bei Gelegenheit vier- statt zweispännig vorgefahren. Er präsentierte sowohl reichlich barocken und neo-barocken Stuck mit Goldauflage sowie einen veritablen Bestand an Messgeräten, das Gnadenbild „Maria vom Blut“ und einen Beichtstuhl hinter dem Hochaltar.

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