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    Reichenberg

    Von Wespenplage kann keine Rede sein

    Viele haben das Gefühl, dass es in diesem Jahr besonders viele Wespen gibt. Archivfoto: Marcus Führer/dpa

    Sie lieben Süßes über alles. Kaum ein Kuchen, Eis, Limo oder Saft ist vor ihnen sicher: Wespen. Deshalb sind sie für viele Menschen lästig. Doch sie sind als Nutztiere für den Naturhaushalt unentbehrlich und stehen sogar unter Naturschutz.

    Dabei sind es nur zwei Arten, die dem Menschen im Spätsommer und Herbst das Essen im Freien unangenehm machen: die Deutsche und die Gemeine Wespe wollen "mitessen", weil sie jetzt sehr viel Zucker brauchen und schlichtweg in der Natur keine Nahrung mehr finden. Und in diesem Jahr gibt es offensichtlich besonders viele Wespen, hat man den Eindruck.

    Ein normales Wespenjahr

    Doch der Eindruck täuscht. Für Johan Stimmler, ehrenamtlicher Wespenberater aus Würzburg, ist es eher ein normales Jahr, denn die Jahre zuvor seien schlecht gewesen. Wenn das Frühjahr kalt ist, gebe es weniger Wespen. "Dieses Frühjahr war sehr gut, die Wespen hatten gute Startmöglichkeiten", sagt Stimmler auf Anfrage unserer Redaktion.

    Für das Verhalten im Umgang mit den vermeintlichen Plagegeistern hat er einige Tipps parat. Auf keinen Fall sollte man wild um sich schlagen, schnelle Bewegungen machen oder die Tiere gar anpusten. Denn das im menschlichen Atem enthaltene Kohlendioxid gilt bei den Wespen als Alarmsignal und macht sie aggressiv.

    "Dieses Frühjahr war sehr gut, die Wespen hatten gute Startmöglichkeiten"
    Johan Stimmler, ehrenamtlicher Wespenberater aus Würzburg

    Ruhe bewahren mit langsamen Bewegungen ist also angesagt. Seiner Meinung nach werde momentan zu viel Panik verbreitet, was Wespen angeht. Denn die Tiere seien absolut nützlich und aus dem Naturhaushalt nicht weg zu denken. "Sie fangen sehr viele schädliche Insekten weg und bestäuben sogar Blütenpflanzen", erklärt Stimmler.

    Welche Wespenfallen?

    Vom Aufstellen von Wespenfallen mit süßen Säften und dergleichen hält er gar nichts. "Wir geben ein paar Tropfen echtes Nelkenöl auf ein Tuch und stellen es in einem Glas auf den Tisch", sagt der Fachmann. Die Wespen kommen zwar trotzdem, aber sie fliegen wieder weg, weil sie den Duft nicht mögen.

    Alternative Futterstellen im Garten sind für Benjamin Tospann, Vorsitzender des Arbeitskreis Arten- und Naturschutz (AKAN) Würzburg, das Mittel der Wahl, um Wespen vom Esstisch im Freien fern zu halten. "Der Klassiker für diese Futterstellen sind Weintrauben, die über eine längere Zeit da sein sollten, damit die Tiere sich daran gewöhnen", erklärt der Diplom-Biologe. Allerdings sei das auch keine Methode, die die unliebsamen Gäste zu hundert Prozent fernhält.

    300 Beratungsgespräche in diesem Jahr

    Generell sei dieses Jahr ein gutes Wespenjahr, vor allem habe es sehr viele seltene Arten wie Feld-, Wald- und Sächsische Wespe gegeben, die für den Menschen harmlos und derzeit auch schon verschwunden sind. Der AKAN berät bei allen Fragen rund um Wespen, Hornissen und Hummeln. Rund 300 Beratungsgespräche haben die Ehrenamtlichen in diesem Jahr geführt, so Tospann.

    Aber nicht nur die Beratung steht im Vordergrund, sondern auch das artgerechte Umsetzen von Nestern. Denn die Nester stehen unter Artenschutz und das Bundesnaturschutzgesetz verbietet das Zerstören, erklärt er. Deshalb hilft AKAN bei allen Konflikten zwischen Menschen und Wespen im häuslichen Bereich. Dabei gelte der Grundgedanke: Die natürliche Vielfalt und der Artenreichtum ist für unser aller Leben notwendig.

    Acht soziale Wespenarten sind in Mitteleuropa dominant. Davon gehen aber nur zwei an Nahrungsmittel: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Alle stehen unter Naturschutz, die Hornisse zusätzlich unter Bundesartenschutz. Alle Wespenvölker sterben im Herbst ab, manche schon Ende August, nur die Königinnen überleben.

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    Was tun bei Wespenstichen?
    Wer dennoch von einer Wespe gestochen wird, sollte als erste Hilfe folgendes tun, wie die Reichenberger Apothekerin Maria Schwab rät:
    - Alte Hausmittel: Die Einstichstelle mit einer frischen Zwiebel oder einem gequetschten Spitzwegerichblatt behandeln
    - Die Einstichstelle unmittelbar nach dem Stich erwärmen (etwa 40 Grad). Das führt dazu, dass sich die Eiweißmoleküle des Wespengiftes zersetzen, bevor sie sich ausbreiten können
    - Anschließend kühlen (mit Eiswürfeln oder Kühlakkus)
    - Auf keinen Fall kratzen
    - Alle Maßnahmen ergreifen, die desinfizierend und abschwellend wirken
    - Wer unsicher ist, kann sich Rat in der Apotheke holen
    - Bei allergischen Reaktionen auf jeden Fall zum Arzt gehen

    Weitere Infos unter: www.wespenberatung.de oder 09 31 417 30 99

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