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    Eibelstadt

    Von der Bäckerei in die Pflege

    Kolleginnen unter sich (von links) Ramona Siedler, Andrea Knott-Wahler, Anja Wallrapp und Jasmin Rückert aus dem Seniorenzentrum Eibelstadt.
    Kolleginnen unter sich (von links) Ramona Siedler, Andrea Knott-Wahler, Anja Wallrapp und Jasmin Rückert aus dem Seniorenzentrum Eibelstadt. Foto: Christoph Gehret

    Karriere in der Pflege? „Kein Problem!“, davon ist Anja Wallrapp überzeugt. Sie selbst sei schließlich das beste Beispiel. Und das, obwohl ihr Einstieg ins Berufsleben in einem ganz anderen Bereich erfolgte: Nach ihrem Schulabschluss absolvierte die heute 35-Jährige ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin und arbeitete dann auch einige Jahre in dem Job.

    Danach folgte ein beruflicher „Ausflug“ in den väterlichen Hausmeisterbetrieb. „All das war für mich aber nicht zufriedenstellend“, sagt Anja Wallrapp. „Ich wollte unbedingt etwas mit Menschen machen, ihnen helfen.“ Da sie als Ehrenamtliche bei den Senioreneinrichtungen des Landkreises Würzburg bereits erste gute Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hatte, fiel ihr der Beschluss leicht, in die Pflege zu gehen.

    Das hat für sie sofort – und bestens – geklappt: Vor kurzem ist sie sogar zur stellvertretenden Pflegedienstleiterin im Seniorenzentrum Eibelstadt aufgestiegen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Für uns war das ein Glücksfall, da wir während ihrer ehrenamtlich Arbeit schon gesehen haben, dass ihr der Job liegt“, sagt Ramona Siedler, Pflegedienstleiterin in Eibelstadt. „Und das ist das Wichtigste. Schließlich arbeitet man täglich für und mit Menschen.“

    Aus diesem Grund empfiehlt Ramona Siedler vor dem Berufseinstieg ein Praktikum. Das sei eine ausgezeichnete Möglichkeit zu testen, ob man mit den klassischen Aufgaben einer Pflegekraft klar kommt. „Und damit meine ich nicht nur Essen reichen und die Begleitung auf die Toilette.“ Vielmehr seien es die intimen Momente wie Gespräche mit Bewohnern und Angehörigen oder eine aufmunternde Umarmung.

    „Ansonsten sind die Hürden für den Einstieg in die Pflege recht niedrig“, sagt Ramona Siedler. Je nach Schulabschluss beginnt man mit der Ausbildung zum Pflegehelfer oder direkt zur Pflegefachkraft. Als Quereinsteigerin hat Anja Wallrapp als Hilfskraft begonnen und dann die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft absolviert.

    „Die Zeit verging wie im Flug: Man hat so viel gelernt und unterschiedliche Einblicke bekommen“, blickt Anja Wallrapp zurück. Neben theoretischen Inhalten vor allem aus dem medizinischen Bereich, die man in der Schule vermittelt bekommt, gehören zur Pflegeausbildung auch viele Außeneinsätze, beispielsweise im ambulanten Pflegedienst. Und ab diesem Jahr wird das Spektrum noch breiter. Denn mit der Generalisierung der Pflegeausbildung lernen zukünftige „Pflegefachfrauen und –männer“ die Bereiche Alten-, Kinder- und Krankenpflege umfassend kennen.  

    In der Region tut sich in der Pflegebranche allerdings noch mehr: „Wir freuen uns sehr, dass der Landkreis Würzburg ein deutliches Zeichen für die Stärkung der Pflege setzt, indem er derzeit eine eigene Pflegeschule für Auszubildende aller Träger plant“, sagt Matthias Rüth, Geschäftsführer der Senioreneinrichtungen des Landkreises Würzburg. Mit der Ansiedlung einer Pflegeschule an der Main-Klinik in Ochsenfurt verkürzen sich die Wege für Auszubildende aus dem südlichen Landkreis deutlich.

    Das Prinzip der kurzen Wege verfolgen die Senioreneinrichtungen des Landkreises Würzburg aber auch generell. Die sieben Pflegeheime und sieben Service-Wohnanlagen sind bewusst im gesamten Landkreis verteilt. „Für die Senioren hat das den Vorteil, dass sie relativ nah an ihrer ursprünglichen Heimat bleiben können“, so Anja Wallrapp.

    Und natürlich profitieren auch die im nahen Umkreis der Einrichtungen lebenden Mitarbeiter in mehrerer Hinsicht von den kurzen Wegen: mehr Zeit fürs Privatleben, die Chance, per Rad statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und so zugleich etwas für die eigene Fitness zu tun und die Umwelt zu schonen.

    Haben Beschäftigte einen weiteren Arbeitsweg, unterstützt sie der Arbeitgeber. Geschäftsführer Matthias Rüth: „Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, profitiert von den vergünstigten APG-Firmenabos. Und wer trotzdem nicht auf ein eigenes Auto verzichten mag, kann die Sonderkonditionen unseres Privat-PKW-Leasings in Anspruch nehmen.“

    Darüber hinaus wird viel Wert auf frühzeitig festgelegte und stabile Dienstpläne gelegt, die zudem auf möglichst viele Mitarbeiterwünsche eingehen. „Mitarbeiter vom Typ ,Nachteule‘ planen wir beispielsweise bevorzugt abends ein, während wir einer Mutter die Möglichkeit geben, vorwiegend vormittags zu arbeiten, wenn die Kinder in der Betreuung sind“, so Pflegedienstleiterin Ramona Siedler.

    Als Arbeitgeber, der das Konzept „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ vielschichtig verfolgt, ist das jedoch nur ein Punkt. So können Auszeiten für die Familie auch zur Karriereförderung wahrgenommen werden, etwa durch Teilnahme an Fortbildungen auch während der Elternzeit, heißt es abschließend in der Mitteilung.

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    Bearbeitet von Stefan Pompetzki

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