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    Würzburg

    Von-der-Leyen-Deal: Heftige Kritik aus der Region

    Verteidigungsministerin von der Leyen
    Einige Politiker aus der Region stehen der Nominierung von der Leyens als Präsidentin der EU-Kommission kritisch gegenüber. Foto: Kay Nietfeld
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    "Jetzt langt es", schreibt Steffen Vogel bei Facebook und setzt noch zwei Ausrufezeichen dazu. Der CSU-Landtagsabgeordnete aus Theres (Lkr. Haßberge) regt sich mächtig auf über die Entscheidung des Europäischen Rats, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als Präsidentin der EU-Kommission zu nominieren. Mit "Respekt vor dem Wählervotum" habe diese  Entscheidung nichts zu tun, so Vogel. Er bekommt viel Zustimmung, wie empörte Kommentare zu seinem Beitrag zeigen. Von "Wähler-Verarschung" und "Schande" ist die Rede. Forderungen nach einem Ausstieg der CSU aus der Berliner Koalition und nach einer Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU werden laut.

    Für die CSU-Sympathisanten hätte allein Manfred Weber als Vertreter der größten Fraktion im Europaparlament Anspruch auf das Spitzenamt der EU. Er sei "schockiert, fassungslos und traurig", sagt Vogel. Weber habe tapfer gekämpft und Haltung bewiesen, "aber wenn der 'Gegner' in  den eigenen Reihen sitzt, dann ist es eben so wie es ist". Wen er mit Gegner meint, da lässt der Haßberge-Abgeordnete wenig Zweifel. "Ganze Arbeit von Merkel und Macron", schreibt er voller Sarkasmus. Die neue Kandidatin nennt er wenig schmeichelhaft "Verteidigungs-Uschi".

    Anja Weisgerber ist enttäuscht

    So weit geht Anja Weisgerber nicht. Die CSU-Bundestagsabgeordnete aus Schwebheim (Lkr. Schweinfurt) betont auf Nachfrage, dass von der Leyen sehr wohl eine "sehr qualifizierte Kandidatin" sei. Gleichwohl hätte auch sie, so Weisgerber, lieber Weber, ihren "sehr guten Freund", an der EU-Spitze gesehen. "Ich bin enttäuscht." Mit der Idee, europaweite Spitzenkandidaten zu nominieren, habe man die Demokratisierung Europas voranbringen wollen. Davon sei nun "nichts mehr  übrig".  Verantwortlich dafür sei zum einen Emmanuel Macron, zum anderen aber auch die Sozialdemokraten und Liberalen im EU-Parlament. Weisgerber: "Hätte sich die Volksvertretung gemeinsam für Weber stark gemacht, wären seine Chancen besser gewesen." 

    Viel Rückendeckung für Manfred Weber gibt es auch von Christian Staat aus Büchold (Lkr. Main-Spessart). Der CSU-Europakandidat für Unterfranken würdigt auf Nachfrage dessen "aufrichtige Haltung". Es sei ihm eine Ehre, mit dem Niederbayern gekämpft zu haben, so Staat. Trotz aller Kritik hoffe er gleichwohl, dass die Bürger die Verantwortung für die Brüsseler Hinterzimmer-Politik nun nicht der Idee Europa ankreiden. Verantwortlich seien einmal mehr nationale Egoismen.

    Celina (Grüne): Kein Mitleid mit der CSU

    Auch bei SPD und Grünen in Unterfranken reagiert man mit Unverständnis auf die  Entscheidungen in Brüssel. „Ich bin sehr erschüttert darüber, dass jetzt Ursula von der Leyen Kommissionspräsidentin werden soll, obwohl sie überhaupt nicht für Europa kandidiert hat“, sagt Bernd Rützel aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart), der SPD-Bezirkschef. Die CDU-Politikerin trete in Berlin eher zurückhaltend und konservativ auf. Deshalb bringe sie „mit Sicherheit keinen frischen Wind in den europäischen Apparat“. Die letzten Tage seien „keine Sternstunde“ für die Demokratie in der EU gewesen.

    Grünen-Landtagsabgeordnete Kerstin Celina aus Kürnach (Lkr. Würzburg) lässt sich über die sozialen Medien weniger über die neue Kandidatin, sondern viel mehr über das Verhalten der CSU aus. Die Partei habe immer mit einem CSU-Bayer an der Spitze gerechnet. „Das war durchgehend arrogant und realitätsfremd“, schreibt Celina auf Facebook. Der auf Weber konzentrierte EU-Wahlkampf der CSU habe die Debatte über Inhalte blockiert. Deshalb fehle es ihr an  Verständnis für die Christsozialen: „Sorry CSU, aber mein Mitleid hält sich in Grenzen.“

    Söder-Auftritt wird mit Spannung erwartet  

    In der CSU wartet man derweil gespannt auf den Auftritt von Parteichef Markus Söder beim Bezirksparteitag am Freitag in Eibelstadt (Lkr. Würzburg). "Der Chef wird uns einiges erklären müssen", sagt ein Ortsvorsitzender.      

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