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    Würzburg

    Wackelt Exzellenz-Projekt an Würzburger Uni?

    Erst im September bezogen: Der Neubau der Graduiertenschule für Lebenswissenschaften der Universität Würzburg am Campus Nord. Foto: Angie Wolf

    Wenn es um Exzellenzinitiativen von Bund und Ländern ging, hat sich die Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU) in der Vergangenheit schwer getan. Erst in der jüngsten Runde konnte man ein gemeinsames "Exzellenz-Cluster" mit der TU Dresden zur Quantenforschung an Land ziehen. Bis dahin war die Graduiertenschule für Lebenswissenschaften (GSLS) die einzige Einrichtung, mit der die JMU gepunktet hat. Sie wurde 2007 gestartet und sollte die Internationalität der Uni stärken.

    Seit Herbst 2018 in Neubau am Campus Nord

    Zuletzt wurden in den Fächern Biologie, Medizin, Chemie, Pharmazie, Physik und Psychologie über 600 Doktoranden betreut - ein gutes Drittel von ihnen kommt aus dem Ausland. Laut Uni wurden seit Beginn fast 500 Promotionen abgeschlossen. Erst im vergangenen Herbst hat die Graduiertenschule einen Sechs-Millionen-Euro-Neubau am Hubland Nord bezogen. Nun aber scheint hinter der wichtigen Förderung durch den Freistaat plötzlich ein Fragezeichen zu stehen.

    Doktoranden lauschen beim Vortrag in einem Seminarraum der Graduiertenschule am Campus Nord. Foto: Angie Wolf

    75 Prozent vom Bund, 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland: So war die Finanzierung zum Aufbau der Graduiertenschulen über die Jahre geregelt. Und Bayern packte eins drauf: Auch nach Auslaufen der Exzellenzförderung Ende Oktober 2019 will der Freistaat seinen 25-Prozent-Anteil für die Schulen weiterbezahlen. So zumindest das Bekunden aus dem Wissenschaftsministerium.

    Fehlende Mittel im Doppelhaushalt sorgen für Irritationen

    Dass nun jedoch keinerlei Mittel dafür in den Doppelhaushalt 2019/20 eingestellt wurden, hat im Landtag die Grünen auf den Plan gerufen. Sie wollten mittels einer Anfrage wissen, ob der Freistaat zu seinem Wort steht. "Zusagen sind einzuhalten", mahnt der Würzburger Grünen-Abgeordnete Patrick Friedl. Ihm dränge sich der Eindruck auf, dass sich die Staatsregierung auf Kosten bayerischer Universitäten aus der Mitfinanzierung der Graduiertenschulen stehlen wolle. Friedl appelliert an Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU), zügig feste Zusagen zu machen. Die Unis bräuchten Planungssicherheit. "Oder ist der Doppelhaushalt mehr als auf Kante genäht?", fragt der Abgeordnete kritisch.

    Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU): Will er die Mittel für die Graduiertenschulen über den Nachtragshaushalt sicherstellen? Foto: Thomas Obermeier

    In der Antwort auf die Anfrage der Grünen bestätigt das Ministerium, dass die Weiterfinanzierung durch den Freistaat zu den Zielvereinbarungen mit den Unis für die Jahre 2014 bis 2018 und zum Innovationsbündnis 4.0 (bis 2022) gehört. Statt einer festen Zusage will das Ministerium allerdings nur ein "Bemühen" zum Ausdruck gebracht haben. Dieses wird nun unterstrichen. Auch ohne feste Dotierung für die Exzellenz-Projekte im Haushalt 2019/20 wolle das Wissenschaftsministerium "alle Spielräume nutzen, um eine Fortsetzung in den nächsten sieben Jahren zu ermöglichen", heißt es in der Antwort auf die Grünen-Anfrage. Die Präsidenten der betroffenen Universitäten habe man Mitte April informiert. 

    Würzburgs Uni-Präsident ist zuversichtlich

    Woher Wissenschaftsminister Bernd Sibler das Geld nehmen will, ist derzeit noch unklar. An der Würzburger Uni zeigt sich Präsident Alfred Forchel allerdings zuversichtlich: "Wir gehen fest davon aus, dass es zu einer guten Lösung kommt und die Finanzierung durch den Freistaat weiterläuft", sagte er auf Anfrage. Es scheint entsprechende Signale aus dem Ministerium zu geben - mit Blick auf einen Nachtragshaushalt.

    Uni-Präsident Alfred Forchel (hier bei der Eröffnung des Neubaus für die Graduiertenschule) ist optimistisch, dass sich der Freistaat nicht aus der Finanzierung zurückzieht. Foto: Angie Wolf

    Tatsächlich wäre ein Ausfall der staatlichen Gelder für die noch junge Einrichtung ein herber Rückschlag. Die Graduiertenschule habe sich "sehr gut entwickelt", so Forchel.  Die Universität selbst hat zwei Management-Stellen geschaffen. Durch das Auslaufen der Bundesmittel wird der Spielraum der Schule bei den Stipendien ohnehin eingeschränkt, man will laut Forchel aber verstärkt andernweitig Mittel über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einwerben.

    Nach Angaben der Uni sind seit der ersten Exzellenzrunde 2006 bis zum vergangenen Herbst rund 16 Millionen Euro an staatlicher Förderung in die Würzburger Graduiertenschule geflossen. Ihren Stellenwert beschrieb der damalige Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) beim Spatenstich für den Neubau: "Die Würzburger Graduiertenschule der Lebenswissenschaften hat als eine der ersten Einrichtungen Standards für eine zeitgemäße Ausbildung von Promovierenden entwickelt und war damit deutschlandweit tonangebend."

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