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    Rottendorf

    Wahlarena-Diskussion: Mangelnde Digitalisierung beklagt  

    Die Wirtschaft boomt, Steuerrekord jagt Steuerrekord - und das seit Jahren. Die Wirtschaftsjunioren Würzburg sorgen sich dennoch um den Wirtschaftsstandort Bayern. Das wurde bei der "Würzburger Wahlarena" im Wöllrieder Hof deutlich, zu der die Wirtschaftsjunioren eingeladen hatten. Über 70, meist jüngere Leute, nutzten die Gelegenheit, um mit Kandidaten für die Landtagswahl am 14. Oktober über die Landespolitik und mögliche Versäumnisse zu diskutieren.

    Eingeladen waren ausschließlich Vertreter von Parteien, die "eine realistische Chance auf eine Regierungsbeteiligung haben", erklärte Moderator Stefan Breitzke von den Wirtschaftsjunioren. Weder Die Linke noch die AfD waren am Podium vertreten. Mit einer sachlichen Diskussion wollten die Wirtschaftsjunioren ein Zeichen gegen Politikverdrossenheit setzen. Das Thema Flüchtlinge, das seit Monaten alle anderen Themen "überrollt" habe, wurde denn auch bewusst ausgespart. Als dennoch zwei Männer gegen Ende der Veranstaltung versuchten, die angeblich aufgeheizte Stimmung der Straße mit Beschimpfungen in die Wahlarena zu tragen, gingen der Moderator und einige Besucher konsequent dazwischen.

    Celina: "Fachkräftemangel seit Jahren verschleppt"

    Die Wirtschaftsjunioren treibt die Sorge um, dass Bayern dabei ist, wichtige Weichenstellungen zu verschlafen: "Die Steuergelder fließen, es fehlt dennoch an Lösungen", sagte Breitzke. 
    Ähnlich sieht dies die Landtagsopposition. "Bei der Digitalisierung sind wir noch ein Entwicklungsland", fiel das Fazit des SPD-Abgeordneten Georg Rosenthal aus. Das Versprechen der bayerischen Staatsregierung, flächendeckend eine Geschwindigkeit von 30 MBit zu ermöglichen, sei von "vorvorgestern", erklärt er. Dass andere Bundesländer noch weiter zurückliegen, könne nicht der Maßstab sein. Hans Jürgen Fahn (Freie Wähler) und Wolfram Fischer, Landtagskandidat der FDP, verwiesen darauf, dass Bayern in der Bundesrepublik nur Durchschnitt sei. "Die Wirtschaft kann sich ein langsames Internet nicht leisten", stellte Fischer, selbst Unternehmer, fest.

    In vielen Punkte herrschte unter den Kandidaten auf dem Podium Einigkeit. Nur hin und wieder blitzten Unterschiede auf: So etwa sieht Fahn in der Akademisierung mit hohen Abbrecherquoten einen Irrweg. Er fordert zudem, dass betriebliche Praktika auch in Gymnasien vorgeschrieben sind. Für Kerstin Celina von den Grünen werde der Fachkräftemangel seit Jahren "verschleppt". Sie setzt auf eine Aufwertung von Berufen dadurch, dass zum Beispiel Hebammen und Pfleger ihr Fach studieren dürfen. "Die duale Ausbildung greift hier zu kurz", sagte sie.

    Stimmen für ein Einwanderungsgesetz

    Celina und Fischer bekannten sich zudem zu einem Einwanderungsgesetz. An dieser Stelle kamen auch die Flüchtlinge ins Gespräch. Alle Kandidaten wollen das vorhandene Potential schöpfen. Auch Adolf Bauer, der als CSU-Kandidat für den Bezirkstag seinen Parteifreund, den  Landtagsabgeordneten  Oliver Jörg vertrat, stellte klar, dass er es keinem erklären könne, warum ein Flüchtling abgeschoben werden solle, der eine Ausbildung macht oder arbeitet.

    Weitere Kritikpunkte waren die noch immer unzureichend gelöste Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Alle Kandidaten setzen auf einen weiteren Ausbau der Betreuung. Celina verwies auf die Lücke bei der Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen, Rosenthal auf das insgesamt unterfinanzierte Bildungs- und Betreuungssystem. Besonders betroffen seien die Mittelschulen. Auch gebe es etwa selbst an den großen Kliniken wie der Uni-Klinik noch immer kein Angebot zur Kinderbetreuung. Eine flexiblere und damit auch familienfreundlichere Arbeitszeit brachte Fahn ins Gespräch.

    Während die Vertreter der Opposition im Landtag den Finger in Wunden legen konnten, die nach fünf Jahren CSU-Alleinregierung offen liegen, fiel es Bauer nicht leicht, die vermeintlichen oder beklagten Versäumnisse der Staatsregierung zu erklären. Sein Statement: Es sei schon viel getan worden, aber noch nicht genug. Zumindest indirekt distanzierte er sich zudem vom Polterkurs von Söder und Seehofer: Er sei "ein Mann der Kultur des Sprechens und des Sich-Aussprechens", betonte Bauer. 

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