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    LEINACH

    Walderlebnis auf acht Kilometern

    Als absolute botanische Rarität in hiesigen Breitengraden haben „Katzenpfötchen“ der Eröffnung des Walderlebnisweges als dritter Naturlehrpfad im Leinachtal beinahe die Attraktion geraubt.

    So begeistert wie Christine Brandt in ihrer Funktion als Gebietsbetreuerin Muschelkalk des Landschaftspflegeverbandes Würzburg von der Neuentdeckung unter den Schwarzkiefern am Kiliansberg, waren auch die Teilnehmer der Pfingstwanderung des örtlichen Agenda-Arbeitskreises Heimat und Kultur von der neuen Wanderroute.

    Wanderwegenetz erweitert

    In Kooperation mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Gemeinde Leinach und dem Agenda-Arbeitskreis mit Unterstützung der Arbeiterinteressengemeinschaft wurde die Route ausgewählt und beschildert. Ohne den jüngst eröffneten Panorama-Höhenweg „Zwei-Ufer-Land“ erstreckt sich das Wanderwegenetz im Leinachtal nun über ganze 118 Kilometer.

    „Leinacher Wald Erleben“ nennt sich der acht Kilometer lange Rundweg, der am Sportgelände des FC Leinach startet und endet. Weder der Verlauf noch die Streckenlänge verlangen jedoch besondere sportliche Voraussetzungen. Dafür bietet die Route umso mehr Informationen und Raritäten. Bei der Routenauswahl in Zusammenarbeit mit Revierförster Wolfgang Fricker waren 35 verschiedene Baumarten registriert worden. Auf zwanzig von ihnen gehen die jeweiligen Stationen mit einer Fülle von Informationen zu Leinachs umfassendem Waldbestand ein.

    Katzenpfötchen auf Trockenrasen

    Als besondere biologische Attraktion gilt dabei insbesondere der den Waldsäumen vorgelagerte Trockenrasen mit seiner in Europa einzigartigen artenreichen Vegetation. Auch auswärtigen Begleitern unter den rund einhundert Teilnehmern ist der zuletzt bei der Auftaktveranstaltung des „Zwei-Ufer-Land“ mit einem negativen Touch belegte Trockenrasen nun ein Begriff. An einer solchen Trockenrasenfläche entdeckte Muschelkalk-Gebietsbetreuerin Brandt die in gemäßigten, arktischen und alpinen Klimazonen verbreiteten Katzenpfötchen. In der Region jedoch gelten sie laut Brandt als absolute Rarität.

    In engem Zusammenhang mit der Pflanzenvielfalt auf den Trockenrasenflächen steht im Leinachtal der von Revierförster Wolfgang Fricker als „vielschichtig und reich an Biodiversität“ beschriebene Waldbestand. Diesen zu entdecken gilt es im Verlauf des Walderlebnisweg, der über die Fein und den Hacksberg vorbei an den Hügelgräbern hinunter zum „Siedelsbrunn“ führt.

    Dort, wo einst eine Keltensiedlung nachgewiesen wurde, versteckte die Ortsgruppe des Bund Naturschutzes im Jahr 1986 als ökologische und botanische Schatzkammer ein einzigartiges Biotop, von dem selbst stellvertretende Landrätin Karen Heußner fasziniert war. Aktuell von besonderer Bedeutung ist das „Siedelsbrünnle“, da es sich im vorgesehenen Trassenverlauf für die B 26n befindet.

    Spezielle Baumarten

    Kaum einem der Teilnehmer war jedoch bewusst, welche ungewöhnliche Menge Wasser eine stattliche Buche zum Wachstum benötigt. Laut Aussage des Revierförsters sind dies bis zu 400 Liter täglich. Außergewöhnliche Baumarten finden sich im Verlauf des Rundwanderweges mit der „Leinacher Mehlbeere“ und den bis zu 120 Jahre alten Douglasien, die laut Fricker zu den mächtigsten im Landkreis gehören. Als Besonderheit in den Wäldern der Region gelten auch die über vierzig Meter hohen Tannen. Diese sind ebenso bis zu 140 Jahre alt wie Elsbeeren oder Speierlinge, deren Holz als besonders begehrt gilt.

    Die Intention zum „Walderlebnisweg“ entstand nach Aussage des Agenda-Beauftragten der Gemeinde, Walter Klüpfel, bei den Vorgesprächen zum neuen Forstbetriebsplan. Daran beteiligt war auch der Agenda-Arbeitskreis, der eine entsprechende Anregung von Revierförster Fricker realisierte. Im Verlauf des Naturlehrpfades sind neben Infotafeln zu den verschiedenen Baumarten auch Hinweise zu den Grabhügeln, dem Biotop Siedelsbrunn und zum Streuobstwiesengürtel zwischen Ortsbebauung und Waldbestand angebracht.

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