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    Rimpar

    Waldsterben: Sind Kirsche und Elsbeere die Lösung?

    Klimawandel: Nach den Fichten sterben jetzt auch die Buchen. Neue Bäume sollen gepflanzt werden. Warum es schon bald wieder Streit um den Waldumbau geben könnte.
    Biotop-Bäume werden auf allen Flächen des Staatswaldes als wichtige Säulen der Artenvielfalt sorgfältig kartiert.
    Biotop-Bäume werden auf allen Flächen des Staatswaldes als wichtige Säulen der Artenvielfalt sorgfältig kartiert. Foto: Ammon

    Die Naturschutztagung der Bayerischen Staatsforsten im Walderlebniszentrum Gramschatz stand ganz im Zeichen des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf den Wald. Nach den Fichten sterben jetzt auch die Buchen. Dabei galten sie lange als tragende Säule für einen lebendigen Mischwald.

    Zwei Dürrejahre und hohe Temperaturen haben in den Wäldern schwere Schäden hinterlassen. Nicht nur Fichten-Monokulturen, auch regiontypische Eichen- und Buchenbestände hatten zuletzt erhebliche Schwierigkeiten, dem extremen Wetter stand zu halten. Beim Naturschutztag der Bayerischen Staatsforsten im Walderlebniszentrum Einsiedel im Gramschatzer Wald erläuterte Christoph Riegert, der Leiter des Forstbetriebs Arnstein, was dies für den an Laubbäumen besonders reichen Wald im Norden Würzburgs bedeutet. Dazu gehörte auch eine vierstündige Exkursion - mit dicken Jacken und Regenschirmen.

    Naturschützer und Staatsforsten legen Vorgaben anders aus

    Unter den rund 100 Waldexperten waren auch Vertreter der Naturschutzverbände. Mit der Ende Juli im Landtag beschlossenen Zehn-Prozent-Quote für "naturnahe Wälder" und "Naturwälder", die eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt im Staatswald besitzen, sehen sie sich einem lange gehegten Ziel nahe. Rasch zeigte sich jedoch, dass es unterschiedliche Auslegungen dieser im Bayerischen Waldgesetz verankerten Vorgabe gibt. Riegert sieht die Quote als bayernweiten Richtwert und nicht als Zielmarke, die in allen bayerischen Landkreisen umzusetzen ist: "Wir wollen nicht irgendwelchen Prozenten hinterherlaufen, entweder wir haben solche Flächen oder nicht", stellt der Betriebsleiter fest, der diese Aufgabe seit eineinhalb Jahren innehat.

    Was ehemals ein Baumriese war, ist heute ökologisch wertvolles Totholz.
    Was ehemals ein Baumriese war, ist heute ökologisch wertvolles Totholz. Foto: Ammon

    Die Staatsforsten setzen dagegen auf eine flächendeckend "naturnahe" Bewirtschaftung und sogenannte "Trittsteine", die sich über ganz Bayern und auch den 4000 Hektar großen Gramschatzer Wald verteilen. Beim Forstbetrieb Arnstein bestehen derzeit 4,2 Prozent der Waldfläche aus solchen aus der wirtschaftlichen Nutzung genommenen Wäldern. Es wäre also noch Luft nach oben. Einer dieser Trittsteine befindet sich nur wenige Hundert Meter vom Forsthaus Einsiedel entfernt. Imposante Buchen und Winterlinden recken in dem als Klasse-1-Wald eingestuften Gebiet ihre Äste in den Himmel. Ehrfürchtig spricht Riegert bei den über 200 Jahre alten Bäumen von "Methusalems". Allein die Verkehrssicherungspflicht und der Borkenkäfer lassen die Waldarbeiter hin und wieder eingreifen. Waldschäden sind kaum zu sehen: "Wir sind hier auf Lössboden, wenn wir weitergehen, sieht es schon wieder anders aus."

    Das Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Arnstein sieht vor, den Wald in seiner Gesamtheit zu stärken. So werden Biotop-Bäume und Totholz sorgfältig erfasst. Etwa 600 Hektar sind schon heute ohne Nutzung, weitere Flächen sind als "Entwicklungsfläche" eingestuft und könnten damit zu den "Trittsteinen" von morgen werden. Ein kompletter Nutzungsverzicht im Gramschatzer Wald stoße jedoch, so Riegert, in dem besonders eichenreichen Wald rasch an seine Grenzen. Junge Eichen hätten gegenüber den wie gesät aus dem Boden sprießenden Buchen-Sprösslingen keine Chance. Auch für die Pflege und den Waldumbau sind Eingriffe nötig, auch mit dem Harvester, einer tonnenschweren Maschine. Entstehen sollen Mischwälder mit mindestens vier Baumarten. Als "klimastabil" gelten etwa Kirsche, Elsbeere oder die Eiche. Auch Tanne und Douglasie sollen vereinzelt dazu gehören.

    Der lang ersehnte Regen schien die Diskussionsfreude anzufachen.  Forstbetriebsleiter Christoph Riegert (rechts) zeigte sich offen und zögerte nicht, auch auf kritische Nachfragen Auskunft zu geben.
    Der lang ersehnte Regen schien die Diskussionsfreude anzufachen. Forstbetriebsleiter Christoph Riegert (rechts) zeigte sich offen und zögerte nicht, auch auf kritische Nachfragen Auskunft zu geben. Foto: Ammon

    "Wir brauchen widerstandsfähige Wälder und Risikostreuung, wir wissen nicht was kommt", erläuterte Riegert. Tatsächlich hat es in diesem Sommer mit der Buche auch eine heimische Baumart erwischt, die bisher als dem Klimawandel gewachsen galt. Auch im Gramschatzer Wald sind viele, eigentlich gesunde Buchen in ihren besten Jahren abgestorben. Alarmierend findet dies Elfi Raunecker vom Amt für ländliche Entwicklung, die die Waldbesitzer im Landkreis berät und sich dem Rundgang angeschlossen hatte. Sie verwies auf Studien, die dem jedoch schon bei nur einem Grad Temperaturanstieg einen schweren Stand auf der Fränkischen Platte vorhersagen. Bei einem Anteil von etwa 30 Prozent ist Schlimmes zu befürchten. Auch der Eiche, die ähnlich oft vorkommt, erging es kaum besser. Die Schwammspinner-Raupe hat ihr bis in die Orte hinein schwer zugesetzt.

    "Wir brauchen widerstandsfähige Wälder."
    Christoph Riegert, Forstbetriebsleiter

    Während der Forstexperte erzählt, wird der Regen immer stärker. Allmählich wird deutlich, warum die Einladung zum Rundgang im Fettdruck auf festes Schuhwerk verwiesen hatte. Die zum Teil schmalen Pfade quer durch den Wald sind matschig und rutschig. Dennoch gibt es noch immer keinen, der über "schlechtes Wetter" meckert. In der Gruppe wird vielmehr rege die Frage diskutiert, ob der Niederschlag ausreicht, um die leeren Wasserspeicher im Boden aufzufüllen. "Wir können uns natürlich allerlei wunderbare Konzepte ausdenken, wenn das Klima nicht macht, dann ist alles Makulatur", bestätigt Riegert. Sicher scheint nur: Die Zeit der finsteren Fichten-Monokulturen ist vorüber. Was danach kommt, bleibt abzuwarten.

    Forstbetrieb Arnstein
    Der Forstbetrieb Arnstein ist einer von 41 Forstbetrieben, die den Bayerischen Staatswald bewirtschaften. Er verfügt über eine Fläche von rund 14600 Hektar. Mit fast 86 Prozent Laubholz ist er der laubholzreichste Betrieb der Bayerischen Staatsforsten. Auf zirka 18 Prozent sind außerdem über 140 Jahre alte, naturnahe Laubwälder anzutreffen.
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