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    WINTERHAUSEN

    Walnussbäume als Wahrzeichen am Muschelkalkweg

    Sie vereint die große Liebe zur Walnuss und alles, was man daraus machen kann: Maria Maak (links) und Anja Menger. Foto: TRAUDL BAUMEISTER

    2012 war der so genannte Nussfressertag gut vorübergegangen. Bis zum 24. April hatte es keine Spätfröste gegeben. Die Walnussernte im Herbst war riesig. „Ich wusste gar nicht mehr, wohin mit den ganzen Nüssen“, berichtet Maria Maak.

    Kurzerhand beschloss sie, diese auf dem Winterhäuser Weihnachtsmarkt zu verkaufen. Dar war die Geburtsstunde der Winterhäuser Walnussknacker. Schnell erkannten Maak und andere Walnussfreunde, dass man die Walnüsse verarbeitet noch besser unters Volk bringen und möglichen Kunden zudem selbst Lust auf die Nuss machen könnte, indem man ihnen quasi kreative Ideen fürs Verwenden in der Küche lieferte.

    Mit Erlaubnis der Gemeinde begann man die zahlreichen Bäume in Besitz der Kommune abzuernten und sich regelmäßig zum Knacken der Nüsse zu treffen. Den Erlös für die Walnussköstlichkeiten dient wohltätigen Zwecken. Die Schalen wiederum verwendet man im Jedermann-Garten in Winterhausen als Mulch.

    Ungefähr als die Walnussknacker ihre Initiative starteten, übernahm Anja Menger den Vorsitz des Obst- und Weinbauvereins Winterhausen. Weil sich keiner für dieses Amt fand, sie aber Winterhausen und die Natur dort liebt, hatte sie sich bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen. Eine ungewöhnliche Entscheidung, denn die Agrarwissenschaftlerin stammt zwar aus Winterhausen, wohnt aber nicht mehr dort.

    Wie in modernen Lebensbiografien nicht unüblich, arbeitet sie in Halle an der Saale - und lebt in Wien, am Arbeitsort ihres Mannes. „Das Leben zwischen Halle, Winterhausen und Wien ist nicht immer ganz einfach, dank der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten aber gut machbar“, sagt sie. Die Naturliebhaberin forscht und arbeitet in Wien zum Thema „Ertragsphysiologie der Kulturpflanzen“, unterbrochen von Präsenztagen in Halle.

    Neue große Liebe

    Gut zu ihrem beruflichen Thema passt ihre neue große Liebe: die Walnuss. „Sie begleitet mich durch den Tag, in der Forschung, in Supermärkten, auf dem Markt, in der Natur, in Kochbüchern, in Gartenbüchern und in Klassikern“, schwärmt sie.

    Schon Goethe, erzählt sie, lasse in „Die Leiden des jungen Werthers“ besonders die Walnussbäume hochleben. „Im Biedermeier war Walnussholz eine der gefragtesten Holzarten überhaupt. Seit dem Christentum ist die Walnuss fester Bestandteil unserer kulturellen Bräuche und Ernährungsweisen und findet dank steigendem Gesundheitsbewusstsein immer häufiger Einzug in deutsche Küchen, Büros und Wohnzimmer: Kein Nikolausteller, kein Nussbecher, kein Studentenfutter ohne Walnüsse.“

    Nuss pflegt Schattendasein

    Allerdings kommen die Nüsse in deutschen Supermärkten meist aus Kalifornien oder Chile. Dieses Erkenntnis brachte den Obst- und Weinbauverein mit den Walnussknackern zusammen. „Wir wollen die heimische Walnuss aus ihrem Schattendasein holen und sie als den wohl größten und stattlichsten Obstbaum unserer Heimat erhalten und fördern“, fasst Menger beider Intention zusammen.

    In einer ersten gemeinsamen Aktion pflanzte man - symbolisch am Wochenende vor dem Nussfressertag - drei Walnussbäume. Am Ortseingang von Winterhausen (aus Richtung Fuchsstadt kommend) am Muschelkalkweg sollen sie zum Wahrzeichen für Winterhausen und seinen besonderen Reichtum werden: die unzähligen Walnüsse auf öffentlichem und privatem Grund. Menger und die Walnussfreunde im Ort vermuten, dass es über 1000 sind.

    Ausgewählt hat der Verein drei unterschiedliche Sorten. Die rote Aufhausen Baden, auch Pferdeblutnuss genannt, ist sehr groß. Die Schalen vergoldete man früher gerne für den Christbaum.

    Die Weinheimer Walnuss hat eine hohe Toleranz gegen Krankheiten und sehr helle Kerne. Die Maserung ist daher gut zu sehen. Die Geisenheimer Walnuss wiederum treibt früher aus.

    Alle Bäume sind aus deutscher Züchtung und Herkunft, drei Jahre alt und auf der Schwarznuss veredelt. Über vier Jahre alte Nussbäume wachsen nur schwer an, verrät Menger. Die Pflanzlöcher für die Bäume haben 80 Zentimeter Durchmesser, sind 60 Zentimeter tief - und quadratisch. Das verhindert Ringelwuchs der Wurzeln (im Kreis ums Pflanzloch herum). Der nämlich verringere, so die Fachfrau, die Stabilität der Bäume.

    Kein Stillstand

    Bürgermeister Wolfgang Mann, lobte beim Pflanztermin Initiative und Verein und die gemeinsame Aktion. „Das bereichert unseren Ort und belebt ihn. Stillstand haben wir daher nicht zu beklagen“, bedankte er sich.

    Mit gutem Winterhäuser Wein angegossen sollen die Bäume spätestens für den Weihnachtsmarkt 2025 die Grundlage für leckere Köstlichkeiten wie Walnusspralinen, -likör und mehr liefern.

    Walnuss-Rezepte

    Zwei Rezepte aus der Küche der Walnussknacker verrät Maria Maak:

    Orangen-Walnuss-Pesto mit Pappardelle: Zutaten Pesto: 50 g Walnüsse, 1 Zehe Knoblauch, je 1/2 TL Oregano, Salbei, Rosmarin, 4 EL Oliven- oder Walnussöl, 70 g Grana oder Parmesan fein gerieben, 1 EL Orangenschalenabrieb, 4 EL Orangensaft, Salz; Zubereitung: Knoblauch und Walnüsse fein hacken. Kräutermischung frisch wiegen oder getrocknete Kräuter verwenden. Alle Zutaten zu einer homogenen Masse vermengen. Pappardelle (breite Nudeln): nach Packungsanweisung kochen. Mit in Butter gebratenen Salbeiblättern garnieren. Nudeln mit dem Pesto und den Salbeiblättern servieren.

    Walnuss-Gorgonzola-Aufstrich: Zutaten: 100 g Frischkäse, 80 g Gorgonzola, 1 kleiner Apfel, 1 kleine Schalotte, 30 Gramm Walnüsse (grob gehackt), Petersilie, Salz, Pfeffer, Chili.

    Zubereitung: Grob gehackte Walnüsse in einer Pfanne anrösten. Apfel und Schalotte schälen, in kleine Würfel schneiden. Petersilie fein hacken. Frischkäse und Gorgonzola vermischen. Alle Zutaten unterheben. Würzen. Auf geröstetes Brot streichen und servieren.

    Von unserer Mitarbeiterin Traudl Baumeister

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