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    Würzburg

    Warum Schwarz-Rot nicht mehr bei jungen Wählern ankommt

    Ein Wahlplakat der SPD in der Domstraße in Würzburg. Foto: Daniel Peter

    Welch ein Paukenschlag: Laut Auswertungen von Infratest dimap haben bei der Europawahl deutschlandweit von den Unter-25-Jährigen nur neun Prozent die SPD und nur 13 Prozent die Union gewählt. Woran liegt die Abkehr der Jungen von den großen Volksparteien? Die Redaktion hat beim Nachwuchs von SPD und CSU in Unterfranken nachgefragt.

    Die SPD kann sich nicht behaupten

    "Ich glaube, es ist ein ganz klares Abstrafen der Großen Koalition", sagt Michael Reitmair über das Wahlergebnis. Der Bezirksvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos) in Unterfranken kann das Abschneiden seiner Partei auf EU-Ebene nicht vom nationalen Auftritt trennen. "Die Große Koalition verursacht seit ein paar Jahren einen politischen Stillstand." Für das schlechte Ansehen bei jungen Menschen macht Reitmair Entscheidungen der letzten Monate verantwortlich. Themen wie Klimapolitik und Upload-Filter seien zu wenig in den Fokus gerückt worden. Zwar habe die SPD richtige Ansätze, schaffe es aber nicht, sich in der Regierungskoalition durchzusetzen.

    Gerade das Auftreten seiner Partei beim Thema EU-Urheberrechtsreform habe die Probleme der SPD beispielhaft aufgezeigt. "Unsere Justizministerin Katarina Barley stimmte dem Upload-Filter letztlich zu, obwohl die SPD-Abgeordneten im EU-Parlament geschlossen dagegen waren", sagt der 24-Jährige. Demnach schaffe es die SPD nicht, sich von den Zwängen des Bündnisses mit der Union zu lösen. "Darum haben wir immer wieder einen Zwiespalt zwischen dem eigenen politischen Anspruch und dem tatsächlichen Handeln", erklärt der Juso-Chef und spricht von einem "enormen Glaubwürdigkeitsproblem".

    Erhielt die SPD bei der Bundestagswahl 2017 noch die zweitmeisten Stimmen der jungen Generation, kam die Partei schon bei der Landtagswahl in Bayern im vergangenen Jahr bei der Jugend nicht mehr gut an. In der Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen erreichten die Sozialdemokraten laut Forschungsgruppe Wahlen damals nur den fünften Platz. Die damalige Europaabgeordnete Kerstin Westphal forderte anschließend eine grundlegende Änderung der Außendarstellung und der Kommunikation. Offensichtlich ohne Wirkung. In Bayern haben bei der Europawahl laut Infratest dimap nur fünf Prozente der Unter-25-Jährigen für die SPD gestimmt.

    Logische Konsequenz: Auflösung der Großen Koalition

    Für Michael Reitmair gibt es deshalb nur eine Konsequenz: das Ende der Großen Koalition. "Am Ende des Jahres müssen wir auf Bundesebene alles auf den Prüfstand stellen." Im Argen liege aber auch der parteiinterne Umgang mit der Jugend. "Überspitzt gesagt: Wer sich in jungen Jahren einbringen will, muss erst ein paar Jahre beim Ortsverein grillen, bevor er sich inhaltlich beteiligen kann", sagt Reitmair. Man müsse sich erst beweisen, bevor man ernst genommen wird. Das funktioniere beispielsweise bei den Grünen oder der Volt-Partei besser.

    "Wer sich in jungen Jahren einbringen will, muss erst ein paar Jahre beim Ortsverein grillen, bevor er sich inhaltlich beteiligen kann"
    Michael Reitmair, Bezirksvorstand der Jusos Unterfranken

    Die Vorsitzende der Würzburg-SPD, Freya Altenhöner, sieht die Ursachen für das schlechte Abschneiden bei der Jugend ebenfalls in der Großen Koalition. "Für uns ist das Thema Klimaschutz auch wichtig", sagt die ehemalige Juso-Chefin in der Stadt. Allerdings fiele dieses den Grünen mehr in die Hände, da sie in der Opposition einfacher und klarer Stellung beziehen könnten. Generell müsse die SPD an der Kommunikation arbeiten. "Wir müssen auch auf den digitalen Kanälen sichtbarer werden und brauchen junge Menschen mit entsprechenden Kompetenzen", so die 30-Jährige. Ein Politiker, der seit 100 Jahren in der Partei ist, sei nicht glaubwürdig, wenn er plötzlich über Twitter und Youtube kommuniziere. Für die Würzburger SPD gebe es zwar eine "aktive und ordentlich geführte Facebook-Seite", das sei aber nicht ausreichend.

    Nachholbedarf auch bei der CSU

    "In Sachen Kommunikation sehe ich bei der CSU klaren Nachholbedarf", sagt auch Fabian Weber. Der 33-Jährige aus Ebern (Lkr. Haßberge) ist in der Jungen Union Bezirksvorsitzender in Unterfranken. Mit dem Wahlergebnis ist Weber insgesamt zwar "relativ zufrieden", die Verluste bei der jungen Wählerschaft machen aber auch ihm zu schaffen. "Randparteien" hätten es besser geschafft, junge Leute über das Netz und über soziale Medien zu erreichen, erklärt er.

    Das Thema Klimaschutz habe die Union nicht verpennt. Die Grünen erreichten die jungen Menschen damit aber laut Weber aus einem bestimmten Grund besser. "Wir leben in einer Zeit, in der deutliche und polarisierende Meinungen besonderen Anklang finden. Die bürgerliche Mitte hat es da etwas schwerer", so Weber. Eine Ausrede will er dafür aber nicht in der Großen Koalition suchen. Im Gegensatz zur SPD schaffe es seine Partei trotz Bündnisses, klare Kante zu zeigen.

    Youtube-Video von Rezo? "Die CSU ist da raus"

    Der Youtuber Rezo. Foto: dpa

    Unstrittig ist aber für Fabian Weber, dass seine Partei anders auf junge Menschen zugehen müsse als bisher. Das zeige sich beispielsweise am Umgang mit dem Video des Youtubers Rezo. "Ich denke, es war ein Fehler, mit einem elfseitigen Dokument, mit einer Hausarbeit, auf dieses Video zu reagieren. Das ist definitiv der falsche Weg der Kommunikation." Die Schuld weist Weber allerdings von seiner Partei ab. "Diese Sache berührt sehr stark die CDU. Die CSU ist da also meiner Meinung nach raus", so Weber. Ein grundsätzlicher Lösungsansatz sei es, auf allen neuen Kanälen mehr Präsenz zu zeigen. "Die Hausaufgabe lautet: Wir müssen auch die jüngere Generation ansprechen."

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