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    Güntersleben

    Warum Sigmar Gabriel in Güntersleben auf Torte verzichtet

    100 Jahre SPD in Güntersleben und 60 Jahre Sigmar Gabriel: Nachträglich bekam der frühere Parteivorsitzende und Außenminister eine Sahnetorte geschenkt. Reingebissen hat er aber nicht.  Foto: Silvia Gralla

    100 Jahre SPD in Güntersleben, 60 Jahre Sigmar Gabriel. Am Sonntag feierten die Genossen beides: ihren früheren Parteichef und Außenminister und sich selbst. Für den prominenten Gast gab's eine schön verzierte Sahnetorte und für die alte Tante SPD höchstes Lob von der partei-unabhängigen Bürgermeisterin: "Die Stimme der SPD im Gemeinderat hat gut getan und die Gemeinde nach vorne gebracht", würdigte Klara Schömig. 

    Bei den Genossen kommt Gabriel noch immer gut an

    Zu diesem Zeitpunkt fährt Sigmar Gabriel gerade im Würzburger Hauptbahnhof ein. Gegen halb zwölf kommt er in die Festhalle und wird herzlich begrüßt. Vor 15 Jahren war er schon mal in Güntersleben, zum 85. Geburtstag des Ortsvereins. Mit einer schwarz-rot gestreiften Krawatte, die er heute wohl eher nicht mehr anziehen würde.

    Gabriel ist bei vielen SPD-Mitgliedern nach wie vor beliebt. "Er ist ein ehrlicher Typ", sagt Bezirksvorsitzender Bernd Rützel. Am Tisch sagt eine Dame laut: "Das stimmt." Und Rudi Hepf, der vergangene Woche mit der Willy-Brandt Medaille ausgezeichnet wurde, sagt: "Gabriel ist der ideale Mann für die SPD." Gerade von älteren Parteimitgliedern würde er das immer wieder hören. Seit 1954 ist Hepf in der SPD. 80 Jahre ist er alt und hadert mit sich selbst. Denn vor zwei Jahren, als die Partei darüber abgestimmt hat, ob sie in der Großen Koalition verbleiben möchte, hat er mit Ja gestimmt. Heute sieht er das anders. "Wir müssen da raus", sagt er. "Sonst gehen wir unter." 

    Die SPD soll wieder über Inhalte streiten 

    Rudi Hepf weiß noch nicht, wen er zum neuen Parteivorsitzenden wählen wird. Wäre Gabriel unter den Kandidaten, dann wäre es klar. Aber so? Olaf Scholz vielleicht. "Aber der will ja in der GroKo bleiben" - und Rudi Hepf will es nicht. Dass die SPD aber diesen langwierigen Weg der Kandidaten-Suche geht, findet er demokratisch. Thomas Heinrich aus Güntersleben hingegen findet das Kandidaten-Casting "doof". Denn es entspreche so gar nicht einem sozialen Miteinander. "Und das macht doch die SPD aus", sagt Heinrich, der nicht Mitglied der SPD ist, aber durchaus mit ihr sympathisiert.  

    Auch Sigmar Gabriel hält nicht viel von diesem "Beauty-Contest", wie er die Suche nach einem Vorsitzenden-Pärchen bezeichnet. Vielmehr hofft er, dass sich die SPD mal wieder über Inhalte Gedanken macht und dass darüber mal wieder in der Partei gestritten wird. "Die SPD muss mal wieder die Menschen loben und nicht über die zehn bis 15 Prozent Spinner im Land sprechen, sondern mit denen, die uns täglich begegnen." Und er warnt: "Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht so sehr mit uns selbst beschäftigen." Es sind diese wenigen Sätze, die Gabriel für das politische Tagesgeschehen in seiner Partei übrig hat. Aber es sind Sätze, die an der Basis ankommen und dort gerne gehört werden. Aber auch Gabriels Blick in die Geschichte der SPD, einer Partei, die er als "sozialdemokratische Konstante in Deutschland" bezeichnet, ist lohnenswert.

    ""Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht so sehr mit uns selbst beschäftigen."
    Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Parteivorsitzender und Außenminister

    In Güntersleben begann die große Zeit der Sozialdemokraten im Jahr 1966. Alfons Müller wurde damals mit über 60 Prozent zum Bürgermeister gewählt - und blieb es 24 Jahre lang. Noch heute schwärmen sie im Ort von den Sportanlagen, die während seiner Amtszeit entstanden sind. "Vieles haben die Sozialdemokraten auf den Weg gebracht: das Rathaus, das Feuerwehrgerätehaus, die Festhalle", zählt Bürgermeisterin Schömig auf. 

    Gabriel nimmt kein Stück von der Torte 

    Gut drei Stunden feiern die Genossen in Güntersleben. Sigmar Gabriel bleibt nicht bis zum Schluss. Kurz nach seiner Rede muss er schon wieder zum Bahnhof. Die schöne Sahnetorte rührt er nicht an. "Weil er sonst nicht 70 wird", schmunzelt er. Vielleicht will er aber auch noch in den Beauty-Contest seiner Partei einsteigen. Auf die Stimmen seiner Parteifreunde in Güntersleben könnte er dabei ganz sicher zählen.

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