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    Waldbüttelbrunn

    Warum Waldbüttelbrunn eine Prunksitzung für Alle bietet

    Eine Eheberatung kann auch wieder vereinigen, was vorher getrennt war, so wie hier bei den Fasenachtsweibern.
    Eine Eheberatung kann auch wieder vereinigen, was vorher getrennt war, so wie hier bei den Fasenachtsweibern. Foto: Matthias Ernst

    Eine Prunksitzung aus der guten alten Zeit mit viel Tradition und keinen eingekauften Auftritten, das ist das Markenzeichen der Büttelbrunner Fasenachter. Was die Kolpingfamilie jedes Jahr auf die Beine stellt, ist aller Ehren wert. Doch in diesem Jahr lag ein bisschen Wehmut über der Veranstaltung. Nach 24 Jahren soll nun Schluss sein mit Narretei und einem humorvollen Blick auf das Geschehen im Dorf. Und das hat einen einfachen Grund.

    Sitzungspräsident Manfred Schmitt, seine Frau Margarete, Rudi Lutz und seine Frau Barbara, sowie Wilhelm und Hildegard Billinger sind "etwas in die Jahre gekommen". Sie sind die treibenden Kräfte der Büttelbrunner Fasenacht und wollen in Zukunft etwas kürzer treten. Doch wenn man das Programm in diesem Jahr sah, konnte man nicht glauben, dass das schon das Ende sein sollte.

    Sommergefühle im Winter

    Es war wieder eine herrliche Zusammenstellung von Tanz, Show und Büttenreden, die sich die sechs Protagonisten zusammengestellt hatten. Dabei ist die oberste Maxime: "Der Lohn des Künstlers ist der Applaus". Deshalb treten in Waldbüttelbrunn nur Personen auf, die kein Geld verlangen, sondern bei denen der Spaß am Fasching im Mittelpunkt steht. Angefangen bei den beiden Garden der TSG Waldbüttelbrunn, die mit ihrem Marschtanz, aber auch mit dem Showtanz zu den Jahreszeiten gleich zu Beginn für Stimmung sorgten: Vor allem die Minis in der Bambinigarde boten neben bunten Verkleidungen echte Sommergefühle mitten im Winter.

    Die Crazy Beachers auf ihrer Reise nach und durch Afrika
    Die Crazy Beachers auf ihrer Reise nach und durch Afrika Foto: Matthias Ernst

    Wie wichtig Barbara Lutz der Fasching ist, merkte man daran, dass sie extra ihre Kur unterbrach, nur um vor ihrem Publikum aufzutreten. Ihre Bütt mit zweideutigen Aussagen zu einer Autoverkäuferin und einer leichten Dame kamen ebenso gut beim Publikum an, wie Joggerin Hildegard Dittmann, die schon mal zum Einlaufen am Seeweg übte und von ihren Erlebnissen aus der Welt des Sports berichtete.

    "Dinner for One" auf Büttelbrunner Platt

    Sehr integrativ gaben sich die Crazy Beachers. Die Mitglieder singen fast alle im Chor Zeitgeist, der sonst eher für kirchliches Liedgut bekannt ist. Bei ihnen zählt keine Hautfarbe und keine Herkunft, einzig die Begeisterung für Musik ist ausschlaggebend. Ihre Reise nach Afrika zeigte einmal mehr, dass Musik alle Völker verbindet. Das spürte man auch beim Abba-Medley der Gruppe Mixed Up. Die acht jungen Damen interpretierten die Musik der schwedischen Popgruppe tänzerisch sehr gekonnt.

    Den Brüller des Abends lieferten aber Wilhelm  Billinger und Anita Müller. Ihre auf Büttelbrunner Platt zelebrierte Interpretation des Klassikers "Dinner for one" ließ kein Auge trocken. Jeder im Saal kannte das Stück um Miss Sophie und ihren 90. Geburtstag aus dem Fernsehen, doch so hatten sie es noch nie erlebt. Billinger und Müller wollten das Stück eigentlich schon lange auf die Bühne bringen, aber erst in diesem Jahr gelang es.

    "Spatzen" haben den Überblick über das Dorf

    Mehr mit dem Büttelbrunner Ortsgeschehen hatten es die beiden Spatzen und im Anschluss der Dorfbüttel Rudi Lutz. Sie schauten genau hin, wo in der Gemeinde der Schuh drückt und was man verbessern könnte. Egal ob angeblicher Lärm am DJK-Platz oder Hundekot im Sandkasten, die Spatzen nahmen sich den Ort aus der Vogelperspektive vor, während der Dorfbüttel am Boden blieb. Ihn regte vor allem die Diskussion um die Schließung des Diska-Marktes in Hettstadt auf, an dem angeblich die Neuansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Waldbüttelbrunn schuld sein soll. "Ja hätten die Büttelbrunner denn erste eine Umfrage im Landkreis starten sollen, bevor sie die Genehmigung erteilen?", fragte er provokant.

    Das Männerballett Waldbüttelbrunn als Feuerwehrleute.
    Das Männerballett Waldbüttelbrunn als Feuerwehrleute. Foto: Matthias Ernst

    Doch auch der schlechte Zustand der Schaukästen der Vereine im Ort war ein Thema. Hier wünschte sich Lutz einen Wettbewerb, wer den schönsten Schaukasten hat. Vielleicht würde das die Attraktivität steigern. Natürlich blieb auch der Rathausneubau nicht unerwähnt und auch der verschwundene Rathausbrunnen wurde erwähnt. Er hofft auf eine Weiterführung der Faschingstradition in Waldbüttelbrunn, "gerne auch mit neuen Ideen".

    Zukunft ist ungewisse

    Wie gewohnt unterhielt der Sehbehinderte Steffen Seubert das Publikum mit seinen Liedern von Roland Kaiser und Udo Jürgens und die Besucher waren restlos begeistert. Den Abschluss bildete erneut die Playbackshow und dann gingen die Lichter aus. Am kommenden Samstag kann man, wenn man bereits eine Eintrittskarte hat, nochmal echte Fröhlichkeit nach Büttelbrunner Art erleben, dann schließt das Kapitel Büttelbrunner Fasenacht. Ob es ein Neubeginn werden wird, bleibt zu hoffen.

    Die Mitwirkenden
    TSG-Bambini-Garde mit "Jahreszeiten"; Hildegard Dittmann als "Joggerin"; TSG-Marsch-Garde; Barbara Lutz mit "Eine Frau mit Talent"; Tanzgruppe Mixed up mit Mamma Mia (Franziska Greulich, Jannika Völkel, Annina Prucker, Isabel Huber, Teresa Suttner, Julia Stangl, Nathalie Schlegel, Katharina Schenker); Andreas Beck mit "Lehrer Lämpel"; Wilhelm Billinger und Anita Müller mit "Diner for one”; als Büttelbrunner Spatzen Heike Feineis und Sylvia Pfeuffer
    Crazy Beachers mit "Crazy Beachers go Africa" (Katrin Erlenbach, Bernd Steinigke, Tessa Steinigke, Monja Steinigke, Inge Schwarz, Angelika Dehmel, Claudia Mirlach, Monika Schenker, Birgit Wernecke, Barbara Autenried-Roth, Bianca Eisert, Christiane Roos, Chafai Lhassani, Marietta Feineis; Bühnenbild für den Safaribus und das afrikanische Haus von Carmen Walter; Musik und Zusammenführung von Ulli Steinigke; Liedtexte, Safari-Guide und Medizinmann Martin Schwarz; die afrikanische Prinzessin in Togo und Choreografie von Denise; Choreografie der Tänze und Training: Shela Dagadu)
    Prinzengarde Goßmannsdorf mit dem Marschtanz; Rudi Lutz als "Büttel"; Live-Gesang von Steffen Seubert; Show-Tanz-Gruppe Goßmannsdorf mit "Avatar"; Büttelbrunner Fasenachtsweiber mit Eheberatung Glück (Hildegard Billinger, Margarete Schmitt, Marie Luise Spanheimer)
    Männerballett Waldbüttelbrunn: "Feuerwehr" (Johannes Szabo, Wolfgang Hammer, Michael Mrosek, Michael Busch, Max Weidner, Sebastian Körner. Aus Hettstadt: Robin Roth - aus Neubrunn: Kilian Stieber, Trainer: Hannah und Uli Mais, Betreuer: Wolfgang Mais), Playback-Show: Roger Witthaker (Wilhelm Billinger), Andrea Berg (Moni Eckhoff), Semino Rossi (Wolfgang Günther), Helene Fischer (Hannah Mais), Kastelruther Spatzen (Frontmann: Werner Konrad, Wolfgang Hammer, Martin Schwarz, Wolfgang Mais, Wilhelm Billinger)
    Sitzungspräsident: Manfred Schmitt; Musik: Emil und Christa Störlein; Gastverein: Krackenblitze Gossmansdorf
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