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    Würzburg

    Warum bezahlbarer Wohnraum immer mehr zur Mangelware wird

    Um die 50 Menschen verschiedener Gruppierungen demonstrieren am Donnerstag in der Innenstadt in Würzburg gegen Wohnungsnot und unangemessene Mietpreise. Foto: Daniel Peter

    Würzburg (PW) Bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen – mit dieser Forderung hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften und Parteien am Donnerstag zu einer Aktionsdemo von Grombühl in die Innenstadt aufgerufen.

    Knapp 50 Teilnehmer, darunter SPD-OB-Kandidatin Kerstin Westphal, waren dabei. Sie hatten sich mit Campingstühlen und Schlafsäcken ausgerüstet, um die Wohnungsnot in der Stadt symbolisch darzustellen. Mit lautstarken Sprechchören wie "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Wohnung klaut" zogen sie zuerst zum Hauptbahnhof und von dort nach einer kurzen Zwischenkundgebung weiter zum Vierröhrenbrunnen.

    "Jeder muss sich ein Dach über dem Kopf leisten können", betonte die Würzburger SPD-Vorsitzende Freya Altenhöner bei der Abschlusskundgebung. Besonders in größeren Städten "können sich viele Menschen die Miete nicht mehr leisten oder verlieren ihre Wohnung durch Luxussanierungen", so Altenhöner.

    Der Termin für die Demonstration war von den Organisatoren bewusst auf den Start des Wintersemesters der Universität gelegt worden. "Ich bin es leid, dass wir jedes Jahr im Oktober bemerken, dass es viel zu wenige bezahlbare Wohnungen gibt und Studierende notdürftig in Herbergen oder bei Bekannten auf dem Sofa unterkommen müssen", betonte DGB-Kreissekretär Viktor Grauberger.

    Dem Aktionsbündnis – neben dem DGB und Verdi gehören SPD, Linke, ödp, Grüne und ihre Jugendorganisationen dazu – geht es aber nicht nur um Studierende: "Es geht auch um Rentner und alle Menschen, die kein riesiges Einkommen haben und mal locker die Hälfte davon für die Miete aufwenden müssen", sagte Freya Altenhöner: "Schuld sind diejenigen, die mit Boden spekulieren und sich mit Mieterhöhungen eine goldene Nase verdienen."

    "Auch Auszubildende, Alleinerziehende und Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen brauchen Wohnraum zu bezahlbaren Preisen", fügte Anna Tanzer, Vorsitzende der bayerischen Jusos, hinzu. In diesem Zusammenhang müsse man auch über Enteignungen nachdenken. Im Anschluss übergaben die Vertreter des Bündnisses ihre Forderungen im Rathaus an Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake.

    Nach Auffassung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sind hohe Mieten eine der Hauptursachen dafür, dass die Zahl der täglichen Berufspendler in Würzburg mit rund 57000 im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht hat. Das sind 21 Prozent mehr als im Jahr 2000, teilt die IG BAU in einer Pressemitteilung mit. "Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich eine Wohnung gerade da nicht mehr leisten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind", so Michael Groha, Bezirksvorsitzender der IG BAU Mainfranken. Die Folge seien immer langere Staus und uberfullte Zuge.

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